Wissenstext

Corona-Krise

Bilanz des Corona-Jahres 2020

Das Jahr 2020 war in vieler Hinsicht aussergewöhnlich. Das Coronavirus hat das öffentliche Leben zum Erliegen gebracht. Im März erklärte der Bundesrat die ausserordentliche Lage und verordnete den Lockdown, nachdem die Fallzahlen in die Höhe geschossen waren und sich die Intensivbetten in den Spitälern bedrohlich zu füllen begonnen hatten. Das erste Grossereignis in der Schweiz, das der Pandemie zum Opfer fiel, war die Basler Fasnacht. Die Fussballeuropameisterschaft und die Olympischen Spiele wurden um ein Jahr verschoben. Zuletzt war dies im Zuge des Zweiten Weltkriegs der Fall, dass solche Grossereignisse nicht stattfinden konnten.

Die Pandemie hat auch in der Schweizer Wirtschaft deutliche Spuren hinterlassen. Im Jahr 2020 ist das Bruttoinlandprodukt um rund 2,7% geschrumpft, was den stärksten Rückgang seit mehr als 40 Jahren bedeutet. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz damit glimpflich durch das Krisenjahr 2020 gekommen. Bei der Anzahl Todesfälle pro 100’000 Einwohnern liegt die Schweiz mit 127 etwa im Mittelfeld der OECD-Länder (John Hopkins University, 16.08.2021).  

Das Coronavirus

SARS-CoV-2 – im Volksmund «Coronavirus» genannt – hat seinen wahrscheinlichen Ursprung auf einem Markt in der Stadt Wuhan in Zentralchina, wo das Virus von Tieren auf den Menschen übertragen wurde. Es ist ein heimtückisches Virus, weil man auch ansteckend sein kann, ohne selber Symptome zu haben. Aus diesem Grund lässt sich die Ausbreitung des Virus nicht verhindern, indem Erkrankte isoliert werden.

Die Dauer von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung beträgt im Mittel 5–6 Tage. Es gibt aber auch Fälle, in denen diese sogenannte Inkubationszeit deutlich länger dauert. Ansteckend kann man jedoch schon vorher sein. Am grössten ist die Ansteckungsgefahr kurz vor und nach dem Auftreten der ersten Symptome.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nennt als häufigste Übertragungsform den längeren Kontakt zu einer infizierten Person mit weniger als 1,5 m Abstand ohne Schutz in Form einer Maske. Konkret geschieht die Übertragung durch die Aufnahme von virushaltigen Tröpfchen und Aerosolen über die Atmung. Ausgestossen werden sie beim Atmen, beim Sprechen, in erhöhtem Ausmass beim Singen und noch mehr beim Husten. Generell ist die Übertragungswahrscheinlichkeit in geschlossenen Räumen, vor allem in kleinen und schlecht durchlüfteten, erhöht.

Die häufigsten Symptome sind Fieber, Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns und akute Atemwegserkrankungen wie Halsschmerzen, trockener Husten, Kurzatmigkeit und Brustschmerzen. Seltener treten Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Symptome oder Hautausschläge auf.

Bei der grossen Mehrheit der Infizierten zeigen sich entweder keine oder milde Symptome. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder sogar kritischen Verlauf besteht insbesondere bei älteren Menschen und bei solchen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs.

Auch bei Personen mit mildem Krankheitsverlauf können längerfristige Folgen (Long COVID) in Form von Erschöpfung, Kurzatmigkeit oder Konzentrations- und Gedächtnisproblemen auftreten.

Gesundheitliche Bilanz 2020

Insgesamt gab es im Pandemiejahr 2020 in der Schweiz gemäss offiziellen Zahlen des BAG rund 450’000 bestätigte Fälle von Infektionen. In knapp 20’000 Fällen kam es zu einer Hospitalisation, rund 7600 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus waren zu beklagen. Die Grafiken in der Abbildung 1 zeigen die Entwicklung der Fallzahlen (obere Grafik) und der Todeszahlen (untere Grafik) im Zeitablauf. Die Pandemie schlug in zwei Wellen zu, mit jeweils steigenden Fallzahlen und einem etwas verzögerten Anstieg der Todesfälle. Die zweite Welle war deutlich stärker. Die Zacken in der blauen Linie der Fallzahlen zeigen das Muster der Meldungen im Wochenablauf. Die rote Linie zeigt jeweils die kumulierte Anzahl.

Der Jahreswechsel 2020/2021 fand inmitten der zweiten Welle statt, mit täglichen Fallzahlen weit im vierstelligen Bereich und rund 60 bis 100 Todesfällen pro Tag. Per Mitte August 2021 ist die Anzahl Fälle auf rund 740’000 angewachsen, die Anzahl Hospitalisationen auf rund 30’000 und die Anzahl Todesfälle auf rund 10’400.

Pro 100 bestätigte Fälle sind in der Schweiz rund 1,5 Todesfälle zu beklagen. Dieser sogenannte Fall-Verstorbenen-Anteil variiert zwischen den OECD-Ländern von unter 0,5 (Singapur und Island) bis zu 3 und mehr (Slowakei, Ungarn, Mexiko).

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und eine Überlastung der Spitäler zu vermeiden, wurden menschliche Kontakte mittels erheblicher Freiheitseinschränkungen reduziert. Das öffentliche Leben kam zum Stillstand. Darunter leiden soziale Beziehungen, was auch an der Psyche der Menschen nicht spurlos vorübergeht. Die Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung wurden im Auftrag des BAG analysiert. Der Bericht kommt zum Schluss, dass der Grossteil der Bevölkerung gut durch die Pandemie gekommen ist, auch wenn sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen. Erhöhte Stresslevels oder geringeres Wohlbefinden zeigen sich vor allem bei den jüngeren Generationen, beim Gesundheitspersonal oder bei Personen mit psychischen Vorerkrankungen.

Basierend auf polizeilichen Kriminalstatistiken gibt es gemäss dem Bericht keine Hinweise, dass Suizide oder Suizidversuche pandemiebedingt zugenommen hätten. Jedoch haben Beratungsanfragen wegen Suizidgedanken bei der Dargebotenen Hand und bei Pro Juventute zugenommen.

Eine schrittweise Rückkehr zur Normalität ermöglichte im Frühjahr 2021 die Impfung. Ab Januar 2021 wird in der Schweiz geimpft. Nach harzigem Start nahm die Impfkampagne Fahrt auf. Per Anfang Juli 2021 waren gemäss Umfragen 60% der Bevölkerung teilweise oder vollständig geimpft. An Schwung verloren hat die Impfkampagne zu diesem Zeitpunkt nicht wegen begrenzter Kapazitäten oder Verfügbarkeiten von Impfdosen, sondern wegen der mangelnden Impfbereitschaft. Die meisten noch nicht Geimpften gaben in der Umfrage an, noch abwarten oder sich gar nicht impfen lassen zu wollen.

Wie hat sich die Schweizer Wirtschaft im Jahr 2020 entwickelt?

Die Pandemie hat erhebliche Spuren in der Schweizer Wirtschaft hinterlassen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht für das Jahr 2020 von einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 2,7% aus.

Im Konjunkturverlauf lassen sich im Pandemiejahr 2020 drei Phasen ausmachen.

Die erste Phase war von einem historischen Einbruch der Wirtschaftsleistung geprägt. Im Zuge der rasch steigenden Fallzahlen verordnete der Bundesrat am 16. März 2020 den Lockdown und schloss Bars, Restaurants und Läden mit Waren des nicht täglichen Bedarfs. Gleiches galt für Kultur-, Unterhaltungs-, Freizeit-, Sport- und Wellnessbetriebe. Das BIP schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal geschätzt um satte 6,8%, nachdem bereits im ersten Quartal eine Schrumpfung um 1,9% zu verzeichnen gewesen war. Hauptsächlich getrieben war der Rückgang der Wirtschaftsleistung durch die einbrechende inländische Nachfrage. Einerseits konnte man viele Güter und Dienstleistungen im Lockdown schlicht nicht nachfragen, andererseits trübten der vorübergehende Jobverlust – auch wenn in vielen Fällen die Kurzarbeitsentschädigungen den Einkommensausfall mindestens teilweise deckten – und Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft generell die Konsumentenstimmung. Besonders hart getroffen waren kontaktintensive Branchen wie das Gastgewerbe oder die Branchen Kunst, Unterhaltung und Erholung.

Die starke Einschränkung des öffentlichen Lebens hat die Fallzahlen rasch sinken lassen. Nachdem Ende März die Fallzahlen bis auf 1500 und die Todeszahlen bis auf 60 pro Tag gestiegen waren, waren im Mai und Juni beide Werte nahe bei null. Die Pandemie schien schon überstanden und die Einschränkungen wurden gelockert. In dieser zweiten Phase erlebten wir eine eindrückliche Erholung der Inlandnachfrage. Die Wachstumsrate im dritten Quartal 2020 betrug gemäss den Experten des Bundes gegenüber dem zweiten 7,2%. Besonders stark war das Wachstum in den Branchen, die ein Quartal zuvor eingebrochen waren.

In der dritten Phase wurde die wirtschaftliche Erholung durch die zweite Pandemiewelle ausgebremst. Als im Oktober 2020 die Fallzahlen wieder anstiegen, wurden die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus wieder schrittweise verstärkt. Im vierten Quartal wurde gegenüber dem dritten praktisch ein Nullwachstum verzeichnet.

Abbildung 2 fasst die Schätzungen zum Wirtschaftsgang im Pandemiejahr 2020 zusammen. Die blauen Balken stellen das BIP in Prozent relativ zum Vorkrisenniveau dar. Nach dem Einbruch im zweiten Quartal lag die Wirtschaftsleistung mehr als 8% unter dem Vorkrisenniveau. Im dritten Quartal wurde der grösste Teil des Rückgangs wieder wettgemacht. Das vierte Quartal war wirtschaftlich ein Krebsgang. Im ersten Quartal 2021 schrumpfte das BIP infolge der zweiten Welle nochmals leicht.

Die schwarze Linie stellt den Index der wöchentlichen wirtschaftlichen Aktivität (WWA) dar, der von den Konjunkturanalysten des Bundes entwickelt wurde. Traditionelle Konjunkturindikatoren stehen nur monatlich oder vierteljährlich zur Verfügung. In der Krise waren angesichts der sich überschlagenden Ereignisse zeitnahe Informationen über die konjunkturelle Lage besonders wichtig. Der WWA-Index setzt sich deshalb aus Indikatoren zusammen, die mindestens wöchentlich verfügbar sind, etwa aus dem Elektrizitätsverbrauch, den Bargeldbezügen oder der Anzahl täglich registrierter Arbeitsloser.

Der WWA-Index macht den starken Einbruch im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 deutlich. Danach erholte sich die wirtschaftliche Aktivität. Aufgrund der raschen Verfügbarkeit der zugrunde liegenden Daten stellt er die Entwicklung bis an den aktuellen Rand dar. Diese deutet auf eine deutliche Erholung hin. Im Sommer 2021 übertrifft die wirtschaftliche Aktivität das Vorkrisenniveau gemäss dem Index bereits wieder.

Stärkere BIP-Schrumpfung als während der Finanzkrise

Der coronabedingte Einbruch der Schweizer Wirtschaftsleistung um 2,7% im Pandemiejahr 2020 ist der stärkste seit 1975, als das BIP infolge der Ölpreiskrise um 6,7% einbrach. Die globale Finanzkrise hinterliess mildere Spuren in den BIP-Zahlen, sie liess die Wirtschaftsleistung 2009 um 2,1% schrumpfen. Ein Vergleich von 2009 und 2020 zeigt, dass die Anatomien der zwei Krisen sehr unterschiedlich sind.

In der Finanzkrise 2009 stabilisierte der Inlandkonsum die Konjunktur. Starke Rückgänge verzeichneten Warenexporte und das verarbeitende Gewerbe. Die Corona-Krise war vor allem vom einbrechenden privaten Konsum getrieben. Umgekehrt wirkte der Aussenhandel stabilisierend. Stabilisierend wirkte in beiden Krisen der Staatskonsum.

Im Unterschied zur Finanzkrise lässt sich in der Corona-Krise kein Anstieg der Konkurse feststellen. Im Jahr 2020 zeigt sich gegenüber dem Vorkrisenniveau sogar eine Untersterblichkeit bei den Firmen. Ein Grund für die ausbleibende Konkurswelle dürften die auch während der Krise guten Finanzierungsbedingungen sein. Das Wachstum des Kreditvolumens war 2020 auf hohem Niveau. Ein Sprung im Kreditvolumen ist im Frühjahr 2020 sichtbar, als das vom Bund garantierte Kreditprogramm gestartet wurde. Auch nachdem das COVID-Kreditprogramm eingestellt worden war, gab es keine Anzeichen einer Kreditklemme.

Die Anzahl Konkurse ist ein schwierig zu interpretierendes Signal für die Beurteilung der konjunkturellen Lage und der Wachstumsaussichten der Folgejahre. Einerseits können Konkurse Ausdruck einer starken, dauerhaften Rezession sein und gleichzeitig Beziehungs- und Vertrauenskapital zerstören, was dem Aufschwung im Wege steht. Andererseits können sie ein Zeichen dafür sein, dass der Strukturwandel im Gange ist, der mittel- bis langfristig Produktivitätsgewinne bringt.

Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen

Regierungen weltweit haben rasch reagiert und Massnahmenpakete von historischen Ausmassen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen geschnürt. Die Schweiz ist hier keine Ausnahme. Zu Beginn der Krise hat der Bundesrat gestützt auf Notrecht Massnahmen beschlossen. Das Parlament hat später mit dem COVID-Gesetz eine gesetzliche Grundlage geschaffen, die in der Volksabstimmung vom 13. Juni 2021 angenommen wurde. Fast alle darin enthaltenen Massnahmen gelten bis Ende 2021.

> Ausweitung und Vereinfachung der Kurzarbeit

Kurzarbeit ist ein Modell, um bei vorübergehenden Beschäftigungseinbrüchen Entlassungen zu verhindern. Dabei bleiben Angestellte in Abhängigkeit der Auftragslage vorübergehend der Arbeit fern oder arbeiten nur noch reduziert. Das Angestelltenverhältnis bleibt aber bestehen und die Kurzarbeitsentschädigung deckt weiterhin bis zu 80% des Lohnausfalls. Bei Personen mit tiefen Einkommen wurde in der Corona-Ausnahmesituation die Entschädigung aufgestockt, sodass sie den gesamten Lohnausfall deckt. Die Arbeitslosenentschädigung wurde u.a. auf temporär Angestellte und auf Lernende ausgeweitet. Zudem hat der Bundesrat die Höchstbezugsdauer von Kurzarbeit in zwei Schritten von 12 auf 24 Monate verlängert und die Frist zur Voranmeldung für Kurzarbeit wurde aufgehoben. Der Bund hat die dadurch entstehenden Kosten von der Arbeitslosenversicherung übernommen und so 2020 fast 11 Milliarden Franken für Kurzarbeitsentschädigungen ausgegeben.

> Liquiditätshilfen für Unternehmen

Mit den Kurzarbeitsentschädigungen sind bei Weitem nicht alle laufenden Kosten der betroffenen Unternehmen gedeckt. Laut Schätzungen machen Kapitalkosten wie Mieten, Zinsen, Abschreibungen, Lager- und Unterhaltskosten 40% der Gesamtkosten von KMU aus. Um zu verhindern, dass grundsätzlich solvente Unternehmen in Liquiditätsengpässe geraten, stellte der Bund Soforthilfe in Form von verbürgten COVID-Überbrückungskrediten zur Verfügung. Die Schweizerische Nationalbank unterstützte das Kreditprogramm, indem sie den Geschäftsbanken gegen Hinterlegung der vom Bund garantierten Kredite Liquidität zur Verfügung stellte.

Betroffene Unternehmen konnten bei ihrer Hausbank rasch Liquidität in Form von Krediten erhalten, die bis zu 500’000 Franken vom Bund garantiert wurden. Bei darüber hinausgehenden Beträgen garantierte der Bund 85%. Der Bundesrat hat ein Bürgschaftsvolumen von maximal 40 Milliarden Franken bewilligt. Die Frist für Kreditgesuche lief bis am 30. Juli 2020, dann wurde das Programm eingestellt. Insgesamt gewährten die Banken COVID-Überbrückungskredite mit einem Volumen von insgesamt rund 17 Milliarden Franken. Das vom Bundesrat genehmigte Volumen wurde damit bei Weitem nicht ausgeschöpft. Der grösste Teil der Kreditnachfrage kam aus der Baubranche, dem Gross- und Detailhandel sowie aus der Gastronomie. Vor allem KMU nahmen Überbrückungskredite in Anspruch.

Untersuchungen attestieren den Überbrückungskrediten eine durchaus hohe Zielgenauigkeit. Für die Befürchtung, dass das Programm sogenannte Zombie-Firmen schaffe, indem es eigentlich nicht lebensfähige Unternehmen mit Krediten künstlich am Leben hält, liessen sich keine Hinweise finden. Vor allem wenig liquide Firmen, die stark vom Lockdown betroffen waren, nahmen die Unterstützung in Anspruch.

> Entschädigungen für Selbstständige und Angestellte

Selbstständig Erwerbende und Angestellte wurden für Erwerbsausfälle entschädigt, die durch behördliche Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verursacht wurden.

Dies betraf bei den Selbstständigen namentlich jene, die ihren Betrieb vorübergehend schliessen mussten. Bei Angestellten ist eine Entschädigung vorgesehen, wenn Eltern ihre Erwerbstätigkeit wegen Schulschliessungen unterbrechen müssen. Auch Erwerbsausfälle wegen ärztlich verordneter Quarantäne werden entschädigt. Die Entschädigung beträgt 80% des Einkommens, maximal aber 196 Franken pro Tag. Im Jahr 2020 hat der Bund dafür 2,2 Milliarden Franken ausgegeben.

Als weitere Massnahmen sind Soforthilfen für den Kulturbereich und den Sport zu erwähnen, die neben Darlehen auch À-fonds-perdu-Beiträge vorsehen. Der Tourismus wird zudem mit Informations- und Beratungsaktivitäten unterstützt.

> Unterstützung für Härtefälle

Als im Zuge der zweiten Pandemiewelle im Herbst 2020 erneut viele Geschäfte schliessen mussten, zeigte sich, dass das bereits eingestellte Programm der COVID-Überbrückungskredite womöglich nicht ausreichen würde, um eine Konkurswelle zu vermeiden. Im November erliess der Bundesrat gestützt auf das vom Parlament im September beschlossene COVID-Gesetz eine Verordnung, die die finanzielle Beteiligung des Bundes an kantonalen Unterstützungsmassnahmen für Unternehmen in Härtefällen regelt. Gesetz und Verordnung wurden in der Folge mehrmals angepasst. Mit dem Instrument sollen Härtefälle abgefedert werden, die auf behördliche Massnahmen zurückzuführen sind. In der Regel liegt ein Härtefall vor, wenn der Umsatzrückgang im Jahr 2020 gegenüber den Jahren 2018/2019 mindestens 40% beträgt oder wenn ein Betrieb während 40 Tagen behördlich geschlossen wird. Dies betrifft vor allem Unternehmen in der Wertschöpfungskette von Branchen, die im Lockdown runterfahren mussten. Die Unterstützung kann als À-fonds-perdu-Beitrag, rückzahlbares Darlehen, Garantie oder Bürgschaft ausgerichtet werden. Das Volumen des Härtefallprogramms wurde im März 2021 von 2,5 Milliarden auf 10 Milliarden Franken (Bund und Kantone) aufgestockt.

Bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 5 Millionen Franken übernimmt der Bund 70% und die Kantone 30% der Finanzierung. Bei umsatzstärkeren Unternehmen übernimmt der Bund die vollen Kosten.

Per Anfang August 2021 wurden insgesamt knapp 3,5 Milliarden Franken À-fonds-perdu-Härtefallgelder für knapp 32’000 Unternehmen gesprochen. Darlehen, Garantien und Bürgschaft machten weniger als ein Zehntel davon aus. In Anspruch genommen wurde die Unterstützung vor allem von Unternehmen in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie und Detailhandel.

Massnahmen im internationalen Vergleich

> Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus

Jede Änderung der einschränkenden Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus wurde mit Spannung erwartet und sorgte bereits vor, aber vor allem nach der Ankündigung für heftige Kontroversen. Das kann man nachvollziehen, haben doch politische Entscheide selten so einen unmittelbar spürbaren Einfluss auf unser Leben. Die einen fühlten sich ihrer Freiheit beraubt, andere forderten noch strengere Massnahmen, um die Pandemie in den Griff zu kriegen.

Auch wenn die Einschränkungen des öffentlichen Lebens schmerzhaft waren, im internationalen Vergleich waren die Behörden hierzulande milde gestimmt. So gab es in der Schweiz im Unterschied zu bspw. Frankreich, Spanien oder China zu keinem Zeitpunkt eine Ausgangssperre. Abgesehen von Quarantäne- oder Isolationsanordnungen konnte man hierzulande zu jedem Zeitpunkt ohne Angabe von Gründen die eigenen vier Wände verlassen.

Die Corona-Massnahmen sind vielschichtig. Sie betreffen Schulen, Universitäten, Arbeitsstätten (Restaurants, Bars, Coiffeursalons etc.), öffentliche Veranstaltungen, Vorgaben zu Homeoffice oder generelle Anweisungen, zu Hause zu bleiben. Ein systematischer internationaler Vergleich der Corona-Massnahmen ist angesichts dieser Komplexität nicht einfach.

Eine Forschergruppe der britischen Oxford-Universität sammelt seit Ausbruch der Pandemie entsprechende Daten zu über 180 Ländern und fasst sie in einem Index zusammen, der die Strenge der Corona-Massnahmen abbildet. Über die Effektivität der Massnahmen sagt er nichts aus. Abbildung 4 zeigt den Indexwert für die Schweiz des so erstellten sog. COVID-19 Government Response Tracker im Zeitablauf im Vergleich mit ausgewählten Ländern. Wenn innerhalb eines Landes zwischen Regionen unterschiedliche Regeln gelten, fliesst diejenige Region – in der Schweiz also der Kanton – mit den strengsten Massnahmen in den Index ein.

Gemäss dem Index war der erste Lockdown im März und April 2020 ähnlich streng wie in den anderen abgebildeten Ländern. In China stiegen die Fallzahlen und die Strenge der Massnahmen etwas früher. Generell haben die Länder auf die erste Pandemiewelle mit ähnlich strengen Massnahmenpaketen reagiert. Danach wurden die Unterschiede grösser, wobei die Schweiz in Bezug auf die Strenge der Massnahmen eher am unteren Rand war.

> Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen

Im Konjunkturtendenzen-Bericht des Seco vom Frühjahr 2021 findet sich ein Exkurs, der das Ausmass der staatlichen Unterstützung der Schweiz gestützt auf Daten des Internationalen Währungsfonds und statistischer Ämter mit jenem anderer Länder vergleicht.

Der Bericht unterscheidet zwischen direkt budgetwirksamen Massnahmen in Form von Staatsausgaben oder Steuerreduktionen («Fiskalimpuls») und anderen Formen der Liquiditätsunterstützung (z. B. die Gewährung von Darlehen oder Garantien für Unternehmenskredite). Letztere wirken sich nicht unmittelbar auf das Staatsdefizit aus.

Beim Fiskalimpuls wird derjenige Teil abgebildet, der über die sog. automatischen Stabilisatoren hinausgeht (auch wenn die Abgrenzung nicht immer einfach ist). Lehrbuchbeispiel eines solchen ist die Arbeitslosenversicherung: In der Rezession steigt die Arbeitslosigkeit und damit automatisch die ausbezahlten Arbeitslosengelder. In Ländern mit stark ausgebauten automatischen Stabilisatoren (bspw. die Staaten der EU) ist zur Abfederung des Wirtschaftseinbruchs ein geringerer Fiskalimpuls notwendig als bspw. in den USA. Bei der Schweiz werden die Massnahmen der Kantone nicht mitgerechnet.

Der so gemessene Fiskalimpuls betrug in der Schweiz geschätzt 5,3% des BIP. Das ist mehr als im Durchschnitt der EU-Länder (3,8%), jedoch deutlich weniger als in den USA (16,7%), dem Vereinigten Königreich (16,3%) oder in Japan (15,6%). Auch Deutschland ragt mit einem Wert von 11% heraus. Zu Buche schlagen dürfte hier die vorübergehende Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 16% während des zweiten Halbjahres 2021. Setzt man den Fiskalimpuls ins Verhältnis zum BIP-Rückgang, weist die Schweiz mit 1,8 einen höheren Wert auf als das Vereinigte Königreich und einen mehr als doppelt so hohen als die EU-Länder im Durchschnitt.

Abbildung 5 stellt den geschätzten Fiskalimpuls in Prozent des BIP sowie den BIP-Rückgang 2020 in der Schweiz und in anderen Ländern grafisch dar. Zusätzlich ist die Höhe der Liquiditätsunterstützung im Verhältnis zum BIP ausgewiesen. In der EU und in der Schweiz waren die Liquiditätsunterstützungen volumenmässig bedeutender als der Fiskalimpuls. In der Schweiz fallen vor allem die Bürgschaften für die COVID-Überbrückungskredite darunter. In den USA spielten die nicht direkt defizitwirksamen Liquiditätsunterstützungen trotz sehr umfangreichen Fiskalimpulses kaum eine Rolle.

Warum kam die Schweiz vergleichsweise glimpflich durch die Krise?

Während die Schweiz bei der Anzahl Todesfälle pro 100’000 Einwohnern durchschnittlich abschneidet, kam sie wirtschaftlich im internationalen Vergleich gut durch die Krise. Die Länder der EU hat es mit einem BIP-Rückgang von insgesamt 6,4% deutlich härter getroffen als die Schweiz mit einer Einbusse von 2,7%. Einen vergleichbaren Wirtschaftseinbruch wie die Schweiz erlebten skandinavische Länder oder die USA (vgl. Abbildung 5).

Im Frühjahr 2020 rechneten die Konjunkturanalysten des Bundes noch mit einem Rückgang des Schweizer BIP um 6,7%. Der wirtschaftliche Einbruch ist also weniger stark ausgefallen als anfänglich befürchtet.

Ein möglicher Grund für das vergleichsweise gute Abschneiden der Schweizer Wirtschaft ist der Wertschöpfungsmix. Die Pharmaindustrie, die 5,4% der Wertschöpfung in der Schweiz ausmacht, ist typischerweise krisenresistent und stützt die Konjunktur im Abschwung. Auch die Finanzbranche gehört nicht zu den am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Branchen. Sie ist mit einem Anteil von rund 10% (inkl. Versicherungen) ebenfalls eine tragende Säule der Schweizer Wirtschaft.

Besonders leiden mussten in der Corona-Krise das Gastgewerbe und die Hotellerie, die mit einem Anteil von rund 1,8% am Bruttoinlandprodukt weniger stark ins Gewicht fallen. Der Anteil des Tourismus an der Wirtschaftsleistung wird in der Schweiz auf rund 2,7% geschätzt. Im Vergleich zu klassischen Feriendestinationen wie Frankreich oder Spanien ist das ein niedriger Wert. Auch in Mittelmeerstaaten wie Italien oder Griechenland dürfte der Tourismus eine deutlich grössere Bedeutung haben.

Im Weiteren haben womöglich die vergleichsweise weniger strengen Corona-Eindämmungsmassnahmen dazu beigetragen, dass die Wirtschaft hierzulande weniger stark abgewürgt wurde als in anderen Ländern.