Schweizerische Nationalbank

Die Rolle der fachdidaktischen Begleitevaluation

Wie soll man die Wirkung eines Angebots wie iconomix messen, das von einzelnen Arbeitsaufträgen über Lernspiele bis hin zu ganzen Unterrichtseinheiten reicht?

Der Wirkungsnachweis dieses gesamten, vielfältigen Angebots für die gesamte, heterogene Zielgruppe der Lernenden der Sekundarstufe II wäre nur schwer zu erbringen. Ein solch gesamthaftes Erfassen der Wirkung würde auch im Widerspruch zur flexiblen Einsatzweise von iconomix in der Praxis stehen.

Aus diesem Grund verzichten wir auf eine umfassende Evaluation von iconomix als Ganzes und konzentrieren uns stattdessen auf die Qualität der einzelnen Unterrichtseinheiten. Jede Unterrichtseinheit wird evaluiert, entweder im Zuge ihrer Entwicklung oder im Rahmen ihrer kontinuierlichen Weiterentwicklung.

Somit begrenzen wir die Evaluation in zwei Dimensionen: einerseits in Bezug auf die Wirkung einzelner Teilangebote (den einzelnen Unterrichtseinheiten) und anderseits in Bezug auf einen etwas homogeneren Teilbereich innerhalb der Sekundarstufe II, da die einzelnen Unterrichtseinheiten in der Regel auf einen bestimmten Schul- und Fächertyp ausgerichtet sind.

Wir nehmen aber noch eine dritte Eingrenzung vor: Wir verzichten nämlich auf eine summative Evaluation, dies aus folgendem Grund: Iconomix stellt den Lehrpersonen fachlich fundierte, qualitativ hochwertige Lehr- und Lernressourcen zur Verfügung. Deren Einsatz im Unterricht liegt jedoch in der Verantwortung der Lehrperson, die dafür ausgebildet und spezialisiert ist. Iconomix unterstützt die Umsetzung im Unterricht mit didaktischen Hinweisen, Tutorials, einem Angebot an Peer-to-Peer-Workshops usw.; das Geschehen im Klassenzimmer bleibt aber Sache der Lehrperson. Es ist deshalb für die Praxis nur bedingt aussagekräftig, wenn mit viel Aufwand für eine idealtypisch eingesetzte Unterrichtseinheit der Wirksamkeitsnachweis erbracht wird.

Wir legen den Fokus also nicht auf die nach wissenschaftlichen Methoden nachgewiesene Wirkung einer Unterrichtseinheit, sondern nutzen das Instrument der formativen Evaluation, um die fachdidaktische Qualität unserer Lehr- und Lernressourcen in einem iterativen Prozess mit vielen Schlaufen nach und nach zu steigern. Dafür investieren wir jedes Jahr knapp 10  Prozent unserer Betriebsmittel.

Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis

Forschungs- und Entwicklungszyklus im Rahmen des DBR-Ansatzes (Design-Based Research):

Instrumente und Methoden

Im Rahmen der fachdidaktischen Begleitevaluation von iconomix gelangen folgende vier Methoden zum Einsatz:

  • Erstens der sogenannte DBR-Ansatz (Design-Based Research). DBR umfasst Feldtests im Klassenzimmer, wie zum Beispiel Videografie, teilnehmende Beobachtung und qualitative Interviews. Unsere Evaluationspartner sind pädagogische Experten von Schweizer Universitäten, die mit der gestaltungsorientierten Forschung Erfahrung haben. Die Ergebnisse werden - wenn möglich - in Form von Artikeln in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.
  • Zweitens lassen wir namentlich digitale Lernressourcen durch unabhängige, professionelle Evaluatoren wie die Education Alliance Finland (EAF) überprüfen und zertifizieren. Beurteilt werden durch die EAF beispielsweise die Aktivitäten der Lernenden im Verhältnis zu den Lernzielen, die pädagogische Qualität sowie das Engagement beim Lernen. Das Ergebnis aus diesem Prozess sind ein Bericht und ein Zertifikat; zentrale Aussagen aus dem Bericht werden im Internet publiziert.
  • Ein dritter Ansatz besteht darin, dass wir bei der Entwicklung der Arbeitsaufträge – dem eigentlichen Herzstück jeder Unterrichtseinheit – eng mit renommierten Didaktikexperten von Schweizer Hochschulen zusammenarbeiten. Auf die Entwürfe, die iconomix den Didaktikexperten zur Prüfung vorlegt, geben diese uns konkrete Empfehlungen, die wir wenn immer möglich genau so umsetzen.
  • Schliesslich führen wir bei komplexeren Unterrichtseinheiten Pilotversuche durch, bevor wir sie skalieren und auf breiter Basis einsetzen. Auf diese Weise können wir Probleme identifizieren und angehen, die in der Konzeptionsphase unentdeckt geblieben sind. Während der Dauer einer Pilotphase, die ein Jahr oder länger dauern kann, kennzeichnen wir eine Unterrichtseinheit mit dem Etikett «Beta-Version».

Hintergrunddokumente

«Ein gutes Produkt entsteht über Iteration und Zeit» (285 KB)
Artikel aus dem iconomix-Katalog 2020
«Gedankensplitter - Die Rolle von Innovation bei iconomix» (40 KB)
Artikel aus dem iconomix-Katalog 2019
Kühner, P., and Euler, D. (2017): «Ethisch-reflexive Kompetenz – Ein Ziel für den modernen Ökonomieunterricht.» (367 KB)
Arbeitspapier. University of St. Gallen, Switzerland: Institut für Wirtschaftspädagogik.
Euler, D., and Kühner, P. (2017): «Problem-Based Assignments as a Trigger for Developing Ethical and Reflective Competencies.» (817 KB)
Interdisciplinary Journal of Problem-Based Learning, 11(2).