Geldmenge und Preise

Vom Umlauf des Geldes in der Volkswirtschaft

In diesem Fachtext widmen wir uns dem Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisentwicklung. In Kapitel 1 führen wir die Konzepte Geld- und Tauschwirtschaft, Papier- und Warengeld sowie Geldmenge und Kaufkraft ein. Zudem stellen wir den Zusammenhang her zwischen der Kaufkraft des Geldes und dem Preisniveau.

Um die Ursachen hinter Schwankungen der Kaufkraft des Geldes bzw. des Preisniveaus zu verstehen, müssen wir uns zunächst vertieft mit der Geldnachfrage und dem Geldangebot auseinandersetzen. In Kapitel 2 gehen wir deshalb der Frage nach, wie viel Geld die Haushalte und Unternehmen halten wollen. Wir fragen also, wodurch die Nachfrage der Haushalte und Unternehmen nach Geld beeinflusst wird.

In Kapitel 3 lernen wir, wie das Geldangebot im Geldschöpfungsprozess zustande kommt. Kapitel 4 erklärt, wie die konventionelle Geldpolitik mittels Zinssteuerung funktioniert und wann sie an ihre Grenzen stösst. Anschliessend werden in Kapitel 5 die unkonventionellen geldpolitischen Instrumente behandelt, die seit der Finanzkrise 2007/2008 im Fokus stehen. Ausserdem wird aufgezeigt, welche Auswirkungen die Instrumente auf die Entwicklung der Geldmenge und der Preise in der Schweiz hatten.

1 Grundlagen

1.1 Geld für Transaktionen

«Viel Geld haben» und «reich sein» ist nicht unbedingt das-selbe. Denn während sich der Ausdruck «reich sein» auf das gesamte Vermögen bezieht, ist Geld nur ein Teil des Vermögens; derjenige nämlich, der sich leicht für Transaktionen verwenden lässt. Geld stellt damit den liquidesten, also den flüssigsten Teil des Vermögens dar.

Unter einer Transaktion versteht man den Austausch von Waren oder Dienstleistungen. In modernen Volkswirtschaften werden bekanntlich nicht Güter gegen Güter getauscht, sondern Güter gegen Geld. Geld ist ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel und lässt sich in beliebige Waren, Dienstleistungen und Vermögenswerte umtauschen: Es ermöglicht Käufe und Verkäufe in einer Wirtschaft. Zum Geld gehören Bargeld (Banknoten und Münzen) und auch das sogenannte Buchgeld in Form von Bankguthaben. [1]

Neben Geld zählen auch Aktien, Obligationen, Kunstwerke, Schmuck, Fahrzeuge oder das eigene Haus zum Vermögen. Solche Vermögensbestandteile eignen sich jedoch im Alltag nicht als Zahlungsmittel.

1.2 Geld muss knapp sein

Unter welchen Bedingungen setzt sich ein Gegenstand als Geld durch? Als wichtigste Voraussetzung müssen die Menschen darauf vertrauen können, dass das Geld innerhalb einer Volkswirtschaft als Zahlungsmittel allgemein akzeptiert wird. Damit dies erreicht wird, muss Geld folgende Eigenschaften aufweisen: Erstens darf es nicht unbeschränkt zur Verfügung stehen; es muss also knapp sein. Zweitens sollten Geldstücke einheitlich sein (z. B. gleichartige Muscheln oder Münzen). Drittens muss Geld die Eigenschaften Haltbarkeit, Transportierbarkeit und Teilbarkeit aufweisen. Muscheln, Zigaretten und Silbermünzen eignen sich daher gut als Zahlungsmittel; Wassermelonen oder Baumstämme wären weniger geeignet.

Geld, das für einen bestimmten Personenkreis einen konkreten Wert aufweist, nennt man Warengeld (z. B. Muscheln oder Tierfelle). Als besonders geeignetes Warengeld erwiesen sich schon früh Edelmetalle, die zu Münzen geprägt wurden, so etwa Münzgeld in Form von Gold- oder Silbermünzen. Die Prägung galt dabei als Garantie für den Silberbzw. Goldgehalt.

In modernen Gesellschaften – und in China schon vor rund 1000 Jahren – hat sich jedoch das Papiergeld durchgesetzt. Bei dieser Form des Geldes weist der verwendete Gegenstand (z. B. eine Banknote) praktisch keinen Materialwert auf. So kostet etwa die Produktion einer 100-Franken-Note weniger als 40 Rappen. Noch abstrakter ist das sogenannte Buchgeld in Form von Bankguthaben. Hier besteht das Geld lediglich in Form von Guthaben auf Konten, die Banken für ihre Kunden führen.

Diese modernen Formen des Geldes sind besonders praktisch. Sie funktionieren aber nur, wenn das Vertrauen in den Herausgeber des Geldes vorhanden ist. Wie bereits erwähnt, weist beispielsweise Papiergeld praktisch keinen Materialwert auf. Zudem lässt es sich leicht vermehren. In modernen Volkswirtschaften ist es die Aufgabe der Zentralbank, für das notwendige Vertrauen in die längerfristige Werthaltigkeit zu sorgen, also dafür, dass die Kaufkraft des Geldes erhalten bleibt. Das Geldmonopol liegt deshalb beim Staat bzw. bei der staatlichen Zentralbank. In der Schweiz darf nur die Schweizerische Nationalbank (SNB) Banknoten herausgeben.[2]

1.3 Geldmenge und Kaufkraft

Die Nützlichkeit von Geld hängt von seiner Kaufkraft ab. Mit einer 100-Franken-Note konnte man sich im Jahr 1950 noch weit mehr Güter kaufen als heute. Ein «Hunderter» war damals also offensichtlich wertvoller, d. h., seine Kaufkraft war 1950 grösser als heute. Sinkt die Kaufkraft des Geldes über die Zeit, bekommt man dafür weniger Waren und Dienstleistungen. Verantwortlich für den Verlust an Kaufkraft ist das gestiegene Preisniveau. Es gilt: Je höher das Preisniveau, desto tiefer ist die Kaufkraft und somit der Wert des Geldes.

Kaufkraft messen
Wie misst man die Kaufkraft einer Geldeinheit? Sie wird anhand des Preises eines typischen Warenkorbs gemessen. Dieser Warenkorb enthält die wichtigsten Waren und Dienstleistungen, die ein durchschnittlicher Haushalt konsumiert. Das sind u. a. Lebensmittel, Mieten sowie die Kosten eines Autos und des öffentlichen Verkehrs. Aus dem Preis dieses Warenkorbs wird ein Index berechnet, indem der Preis des Warenkorbs in einem bestimmten Basisjahr auf 100 normiert wird. Dieser Index heisst in der Schweiz Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) oder Konsumentenpreisindex. Die Höhe des Indexwerts in einem bestimmten Jahr entspricht dem Preisniveau. Die Kaufkraft besagt nun, welchen Bruchteil des Warenkorbs wir mit einer Geldeinheit kaufen können:

Mit anderen Worten: Kaufkraft und Preisniveau verhalten sich umgekehrt zueinander. Je höher das Preisniveau, desto geringer ist die Kaufkraft des Geldes.

Änderungen der Kaufkraft 
Wie kommt es zu Veränderungen der Kaufkraft? Die Kaufkraft des Geldes bildet sich aus dem Angebot an und der Nachfrage nach Geld. Verschiebungen der Nachfrage bzw. des Angebots verändern das Gleichgewicht und damit die Kaufkraft. Dabei ist zu beachten, dass das Angebot von der Zentralbank festgelegt wird; deshalb ist die Angebotskurve senkrecht. 

Elektronisches Geld[3]

Neben den genannten Formen ist elektronisches Geld eine weitere Form von Geld. Elektronisches Geld sind Guthaben, die als elektronischer Eintrag im Computer (z. B. PayPal) oder im Chip einer Wertspeicherkarte (z. B. CASH card) existieren. Elektronisches Geld stellt eine Forderung gegenüber dem Herausgeber dar, die auch von anderen Stellen als Zahlungsmittel akzeptiert wird. In der Regel wird elektronisches Geld für Zahlungen von Klein- und Kleinstbeträgen verwendet.

Wie Abbildung 2 zeigt, gilt Folgendes: 

  • Steigt die Geldnachfrage (Verschiebung nach rechts), steigt die Kaufkraft.
  • Sinkt die Geldnachfrage (Verschiebung nach links), sinkt die Kaufkraft.
  • Steigt das Geldangebot (Verschiebung nach rechts), sinkt die Kaufkraft.
  • Sinkt das Geldangebot (Verschiebung nach links), steigt die Kaufkraft.

Insbesondere führt ein viel zu grosses Angebot an Geld zu einem Wertzerfall des Geldes.


Zusammenhang zwischen Kaufkraft und Preisniveau
Eine Zunahme des Angebots an Geld führt zu einer Abnahme seiner Kaufkraft: Das Preisniveau erhöht sich. Eine Abnahme der Geldnachfrage hat dieselbe Wirkung. Ein Anstieg des Preisniveaus bzw. ein Wertzerfall des Geldes wird auch Inflation genannt. Von Inflation spricht man jedoch erst, wenn das allgemeine Preisniveau über einen längeren Zeitraum kontinuierlich steigt. Verteuert sich beispielsweise lediglich der Benzinpreis, bedeutet dies nicht, dass Inflation herrscht. Von Deflation spricht man dann, wenn das allgemeine Preisniveau über einen längeren Zeitraum andauernd sinkt.

Glossar Geldmengen

Geldaggregate

Als Geldaggregate werden Geldmengen in unterschiedlichen Abgrenzungen bezeichnet. Die wichtigsten Geldaggregate der SNB sind die Notenbankgeldmenge M0 sowie die Geldmengen M1, M2 und M3.

Notenbankgeldmenge M0 (oder monetäre Basis)

Die Notenbankgeldmenge entspricht der Summe von Notenumlauf und Giroguthaben inländischer Geschäftsbanken bei der SNB. Münzen sind nicht Bestandteil der Notenbankgeldmenge, da Münzen Verpflichtungen des Bundes darstellen.

Notenumlauf

Die Summe aller von der SNB ausgegebenen Noten wird als Notenumlauf bezeichnet. Der Notenumlauf bildet zusammen mit den Giroguthaben der inländischen Geschäftsbanken bei der SNB die Notenbankgeldmenge. Der Notenumlauf stellt eine Verbindlichkeit der Zentralbank gegenüber dem Publikum dar und erscheint somit auf der Passivseite der Zentralbankbilanz.

[1] Debitkarten (Postcard, Maestro-Karte usw.), Kreditkarten (Visa oder Master Card usw.) und mobile Zahlungsformen sind strikt genommen kein Geld, sondern dienen lediglich als Mittel, um Buchgeld von einem Konto auf ein anderes zu übertragen.
[2] Die Münzen werden von Swissmint, einer selbstständigen Einheit der Bundesverwaltung, hergestellt und an die Schweizerische Nationalbank verkauft. Die Nationalbank bringt dann die Münzen in den Umlauf.
[3] Hier geht es um elektronisches Geld im engeren Sinne. Manchmal wird auch Buchgeld als elektronisches Geld bezeichnet, weil heute die meisten Überweisungen auf elektronischem Weg stattfinden.