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Internationale Zusammenarbeit gegen Klimaerwärmung
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Internationale Zusammenarbeit gegen Klimaerwärmung
Freitag, 29. März 2019

Mit dem Kyoto-Protokoll besteht auf globaler Ebene ein Vorhaben, die Klimaerwärmung aufzuhalten. Eine Auslegeordnung.

Die Folgen des Klimawandels sind auch beim Aletschgletscher im Wallis zu sehen. Bild: pixabay – fxxu (CC)

Als James Watt vor genau 250 Jahren sein Patent zur Verbesserung der Dampfmaschine anmeldete, läutete er die Ära eines neuen Zeitalters ein. Die industrielle Revolution hatte gerade begonnen und war Fluch und Segen zugleich. Neben materiellen und technischen Errungenschaften brachte der Übergang von der Agrar- zur urbanen Industriegesellschaft auch viele soziale Folgeprobleme mit sich. Miserable Arbeits- und Wohnverhältnisse waren das politische Thema dieser Zeitepoche.

Heute wissen wir: Auch die Umwelt hat unter der industriellen Revolution gelitten. Der permanente Ausstoss an Treibhausgasen (THG) hat zu höheren Temperaturen, extremeren Wetterbedingungen und steigenden Meeresspiegeln geführt. Doch was hat die Politik auf globaler Ebene unternommen, um die THG-Emissionen in den Griff zu bekommen?

Das Kyoto-Protokoll

Eine der ersten internationalen Bemühungen zur Bekämpfung der Klimaerwärmung war das Kyoto-Protokoll im Jahr 1997, das nach langen Verhandlungen und nach der Ratifizierung Russlands im Jahr 2005 schliesslich in Kraft trat. Im Klimaabkommen verpflichteten sich die teilnehmenden Industrieländer zu einer Senkung der THG-Emissionen in den fünf Jahren zwischen 2008 und 2012 um durchschnittlich 5,2% im Vergleich zum Basisjahr 1990. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Emissionshandel entwickelt.

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Emissionshandel einfach erklärt

Das Ziel des Emissionshandels besteht in erster Linie darin, die externen Effekte der THG-Emissionen zu internalisieren und dadurch der Luftverschmutzung einen Preis aufzudrücken: Durch den Handel von Emissionszertifikaten bestimmen die Marktteilnehmer selbst, wie viel ihnen die Verschmutzung einer zusätzlichen Einheit THG wert ist.

Unternehmen haben einen finanziellen Anreiz umweltschonender zu produzieren, um durch den Verkauf der Emissionszertifikate Geld zu verdienen. Zudem sind energieineffiziente Unternehmen gezwungen, Emissionszertifikate zu kaufen, um weiter produzieren zu können.

Doch der CO2-Ausstoss stieg und stieg

Das Kyoto-Protokoll soll seinen Schöpfern zufolge dazu beitragen, die Klimaerwärmung abzuschwächen bzw. aufzuhalten. Wie folgende Grafik verdeutlicht, haben sich die THG-Emissionen seit der Lancierung des Kyoto-Protokolls im Jahr 1997 und seit seinem Inkrafttreten im Jahr 2005 weiter erhöht:

Nordhaus’ Kritik zu Fehlanreizen

Der Nobelpreisträger William Nordhaus kritisiert, dass die Ausgestaltung des Protokolls ineffizient ist: Der Ansatz des Einfrierens («Cap and Trade») von Emissionen auf das historische Niveau von 1990 stehe in keinem Zusammenhang zu einem erkennbaren Ziel zur Erreichung des Klimaziels.

Darüber hinaus bemängelt der Ökonom, dass das Klimaabkommen ungerecht ist: Länder, die im Jahr 1990 tiefe THG-Emissionen verzeichneten, werden für ihre Nachhaltigkeit zu jener Zeit bestraft, da sie weniger Emissionsrechte zum Handeln erhalten. Zudem werden auch Länder benachteiligt, die seit 1990 wirtschaftlich stark gewachsen sind.

In der obenstehenden Grafik fällt auf, dass die Ukraine und Russland gegenüber 1990 am stärksten ihre THG-Emissionen reduzierten. Eine genauere Analyse verrät, dass beide Länder 1990 zu den stärksten Emittenten von THG zählten und dadurch entsprechend viele Emissionszertifikate für den Handel erhielten.

Interessant ist zudem der Fall von Russland: Wie ein Artikel des Deutschlandfunks zeigt, unterschrieb die russische Regierung das Klimaabkommen erst, als klar wurde, dass die energieintensiven Industrieanlagen im Land aus Rentabilitätsgründen geschlossen werden mussten.

Mit dem Beitritt erhielt Russland Unmengen von Emissionszertifikate, die es aufgrund der Emissionseinsparungen an andere Länder verkaufen konnte. Damit erhöhte sich also auch die Obergrenze aller sich im Umlauf befindenden Emissionszertifikate.

Sinns’ Kritik zu fehlender Geschlossenheit

Ein weiteres Problem des Kyoto-Protokolls besteht darin, dass Entwicklungs- und Schwellenländer von den Vorschriften des Abkommens befreit waren. Viele Industrieländer stellen deshalb die Nützlichkeit des Protokolls infrage, da schnell wachsende Länder wie China, Indien, Mexiko oder Brasilien das Abkommen zwar unterzeichneten, jedoch nicht zur Einhaltung der Reduktionsziele gezwungen wurden.

Ohne Beteiligung der Entwicklungsländer entschlossen sich die USA im Jahr 2001, sich vom «fehlerhaften» Kyoto-Protokoll zurückzuziehen – Kanada folgte im Jahr 2011. Gemäss dem Ökonomen Hans-Werner Sinn ist die fehlende Geschlossenheit im Kampf gegen die Klimaerwärmung ein gewichtiger Grund dafür, weshalb die Senkung der THG-Emissionen in den am Kyoto-Protokoll teilnehmenden Ländern weitgehend wirkungslos blieb (vgl. Abbildung 1).

Laut Sinn zielen Massnahmen in der Klimadebatte überwiegend auf eine Reduktion der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ab – so auch das Kyoto-Protokoll. Dabei wird die Angebotsseite im Markt für fossile Brennstoffe völlig ausser Acht gelassen. Ein Fehler, denn eine immer grüner werdende Politik mancher – wenn auch nicht aller – Länder kann auf der Angebotsseite als Signal gedeutet werden, die Bodenschätze noch schneller zu fördern. Der Grund: Man will die Ressource verkaufen, solange man noch kann.

Die tiefere Nachfrage der «grünen Länder» macht es den «nicht-grünen» Ländern möglich, die kostbaren Energieträger zu einem günstigeren Preis zu kaufen. Die Emissionseinsparungen der «grünen Länder» werden dadurch zunichte gemacht. Deshalb betont Sinn, dass verbindliche Emissionsreduktionsziele für alle Länder gleichzeitig vereinbart werden müssen. Damit wäre es den Ressourcenbesitzern fossiler Brennstoffe nicht mehr so einfach möglich, das Kyoto-Protokoll zu unterlaufen.

Ein Blick in die Zukunft

Obschon das Kyoto-Protokoll mittlerweile bis 2020 verlängert wurde, sahen die relevanten Entscheidungsträger ein, dass weitere Bemühungen nötig sind, um der Klimaerwärmung wirksam Einhalt zu gebieten. Vor diesem Hintergrund haben Politikerinnen und Politiker im Jahr 2015 das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Darin hielten rund 195 Staaten fest, den Temperaturanstieg auf maximal 2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau ansteigen zu lassen.

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssen die Emissionen bis 2050 weltweit um 40 bis 70 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau gesenkt werden. Angesichts des bevorstehenden Austritts der USA – der weltweit grössten THG-Emittentin – wird der Erfolg des Pariser Klimaabkommens bereits früh auf den Prüfstand gestellt. Denn das Kyoto-Protokoll hat gezeigt: Erfolgreicher Umweltschutz als «öffentliches Gut» kann nur in einer internationalen Kooperationen mit verbindlichen Reduktionszielen für alle angegangen werden.

Dieser Beitrag wurde am 20.05.2019 überarbeitet.

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