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Freitag, 16. November 2018

Das gesamte Vermögen einem Roboter anvertrauen und dabei Gebühren sparen – so lautet die Idee hinter den Robo-Advisors.

Gehören vielleicht bald zum alten Eisen: menschliche Vermögensverwalter. Bild: flicker – Thomas8047 (CC)

Wer bei der Bezeichnung Robo-Advisor (zu Deutsch Roboter-Berater) an Blechmaschinen denkt, die in schönen Büros sitzen und die Kundschaft beraten, wie sie ihr Vermögen mehren kann, liegt falsch. Robo-Advisor sind streng genommen weder Roboter noch Berater, sondern vielmehr Computerprogramme – genauer Algorithmen, die unser Vermögen automatisiert anlegen.

Wie funktioniert ein Robo-Advisor?

Disruption des Anlagegeschäfts?

Im Gegensatz zur Vermögensverwalterin aus Fleisch und Blut arbeitet ein Algorithmus locker 24 Stunden am Tag, braucht keine Ferien und keinen Arbeitsplatz und kann die gesamte Kundschaft zur selben Zeit betreuen. Diese Kostenersparnis schlägt sich für den Kunden in tiefen Gebühren nieder. Und je langfristiger der Anlagehorizont, desto mehr lohnt sich die Einsparung bei den Spesen.

Seit 2010 stieg die Zahl der Angebote für Robo-Advisors in der Schweiz stetig an und einige glaubten, dass sie das Ende der klassischen Finanzverwaltung bedeuten würden: Ein vollautomatisches Anlageprogramm, das besser performt als der zu Fehler neigende menschliche Portfolio Manager – und damit tausende von Jobs überflüssig macht.

Bis heute blieb diese Entwicklung aus. Der Ansturm auf die Roboter-Berater hielt sich nicht nur in der Schweiz in Grenzen. Gemäss einer Schätzung des Instituts für Customer Insight der Universität St. Gallen werden heute weltweit etwa 380 Mrd. USD von Robo-Advisors verwaltet. Das ist zwar viel Geld, verglichen mit den 85 Bio. USD, die derzeit von professionellen Vermögensverwaltern betreut werden, ist der Betrag aber vernachlässigbar.

Auch die Performance der automatisierten Anlage ist laut einer Studie ernüchternd: In den letzten 2,5 Jahre erreichten die Robo-Advisors in der Schweiz im Schnitt eine kleinere Rendite als menschliche Vermögensverwalter. Die Studie weist zwar einige formale Mängel auf, aber deutet trotzdem an, dass die Innovation noch nicht so ausgereift ist, wie es Enthusiasten gerne hätten.

Professionelle Vermögensverwaltung für alle

Auch wenn das Robo-Advising das Anlagegeschäft nicht im Eiltempo revolutioniert, könnte ein Aspekt der neuen Technologie mehr Bedeutung verschaffen: Während die klassische Vermögensverwaltung häufig erst ab hohen Beträgen in Frage kommt, eröffnen die Robo-Advisor auch Leuten mit kleineren Vermögen die Möglichkeit, in stark diversifizierte Portfolios zu investieren.

Dieses Kundensegment könnte in Hinblick auf die Alterung der Gesellschaft – wodurch die private Vorsorge an Bedeutung gewinnt – zunehmend auf die Karte Robo-Advisor setzen. Beim langfristigen Anlagehorizont der 3. Säule kommen die eingesparten Gebühren noch stärker zum Tragen. Und investiert werden kann bei einzelnen Anbietern bereits ab 1.− Franken.

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