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Was Popstars gegen den «Schwarzmarkt» haben
Markt und Handel
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Was Popstars gegen den «Schwarzmarkt» haben
Dienstag, 23. September 2014

Musikfans können ein Lied davon singen: Die Tickets für die Gigs der Superstars sind oft innert weniger Minuten vergriffen. Die Musiker stören sich am danach aufblühenden «Schwarzmarkt». Warum eigentlich?

Bekämpfen den «Schwarzmarkt»: Die Deutschen Rocker Rammstein. (Bild: Wikimedia / Jonas Rogowski)

Lediglich rund zehn Minuten dauerte es, bis sämtliche Karten für die Schweizer Konzerte der deutschen Brachialrocker Rammstein, Pop-Sternchen Lady Gaga oder der Rockband U2 verkauft waren. Bereits kurz nachdem die Kassenhäuser schliessen, werden die Tickets jeweils auf Internetplattformen zum Mehrfachen des Preises gehandelt. Dieser aufblühende «Schwarzmarkt» ist vielen Veranstaltern ein Dorn im Auge. Man versucht ihm beizukommen, indem bspw. die Tickets personalisiert werden oder die maximale Anzahl Tickets pro Person limitiert wird.

Die Frage sei erlaubt: Ist es nicht ein völlig normaler marktwirtschaftlicher Vorgang, ein Ticket zu ergattern und dieses zu einem späteren Zeitpunkt – möglicherweise gewinnbringend – weiterzuverkaufen? Natürlich ist es das! Von einem Schwarzmarkt zu reden, ist klar verfehlt (darum wurde der Begriff bisher in Anführungszeichen geschrieben und wird im Folgenden durch «Zwischenhandel» ersetzt).

Zur Preisbildung bei Rockkonzerten

Zur Erklärung der oben beschriebenen Phänomene müssen die speziellen Gesetze des Marktes für Rockkonzerte verstanden werden. Im Lehrbuch steht: Der Preis bringt Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht. Tausende enttäuschte Fans, die bei der Jagd auf Tickets leer ausgehen zeigen jedoch, dass die Preise von Konzerttickets weit davon entfernt sind. Es herrscht ein grosser Nachfrageüberhang. Die Zwischenhandelspreise lassen vermuten, dass Bands wie Rammstein oder U2 die Preise verdreifachen könnten und die Stadien wären immer noch voll. Noch lukrativer wäre eine Preisdifferenzierung mittels Versteigerung der verfügbaren Plätze an die Meistbietenden (siehe dazu den NZZ-Artikel vom 28.08.2001 zur Einheitspreis-Auktion). Im Handumdrehen wären die Konzerteinnahmen vermehrfacht. Warum geschieht das nicht?

Auswahl der Zuhörer

Der Migros ist es egal, wer ihre Joghurts kauft. Einer Rockband ist es aber nicht egal, wer die Konzerttickets kauft. Wenn der Preis so hoch ist, dass er Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringt, entscheidet die Zahlungsbereitschaft über die Zuteilung der Tickets. U2 hätte seine Auftritte vor lauter gutsituierten Zuschauern mit hoher Zahlungsbereitschaft.

Der tief gehaltene Preis schafft eine andere Selektion. Nur wer bereit ist, sich schon weit im Vorfeld über den Vorverkauf zu informieren und sich vor den Kassenhäusern die Füsse in den Bauch stehen, hat eine Chance auf ein Ticket. So kommen die wahren leidenschaftlichen Fans und ordentlich Stimmung ins Stadion. Nur so lässt sich eine Fangemeinde langfristig aufrechterhalten.

Zurück zum Zwischenhandel

Im freien Markt des Zwischenhandels muss man weder schnell sein, noch seine Leidenschaft durch stundenlanges Anstehen unter Beweis stellen. Lediglich die Zahlungsbereitschaft zählt. Auch wenn ein ordentlicher Teil der Karten das avisierte Publikum erreichen wird, landen viele Tickets am Schluss doch bei den Zahlungskräftigsten statt bei den Treusten. Aus Sicht der auftretenden Band untergräbt somit der Zwischenhandel die ursprünglich beabsichtigte Selektion des Publikums.

Die Preisgestaltung ist nicht nur bei Rockkonzerten ein Marketinginstrument, um eine bestimmte Kundschaft zu selektionieren. Der Wiederverkauf kann dieser Strategie jedoch einen Strich durch die Rechnung machen.

Lesen Sie auch: Die Romandie, das Wirtschaftswunder? oder Arbeitslosigkeit: Nicht nur die Quote zählt

Zum Thema:

David Staubli,
Ökonom, MSc der Universität Basel, Doktorand und Lehrassistent an der Universität Lausanne

Dies ist ein Gastbeitrag. Inhaltlich verantwortlich ist der jeweilige Autor, die jeweilige Autorin.   

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