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Montag, 18. März 2013

Mord ist für sie die Todesstrafe. Schutzgelder sind Steuern. Androhung von Gewalt ist Wettbewerbsregulation. Wie das «Unternehmen» Mafia funktioniert und mit welchen Problemen es zu kämpfen hat.

Bild: Wikipedia

Die Mafia ist ein Unternehmen, das staatsähnliche Aufgaben übernimmt. Ihr oberstes Ziel ist es, ein Gewalt- und Protektionsmonopol in einem bestimmten Territorium aufzubauen.

Der «Mafia-Staat» hat eine etwas andere Rechtsordnung. Was unser Gesetz als Mord bezeichnet, ist für sie Todesstrafe. Erpressungen sind Steuern und die Androhung von Gewalt ist für sie eine Art der Wettbewerbsregulation. Mafiosi kennen keine Rechte, nur Abgaben. Wer bezahlt, wird beschützt.

Die wohl wichtigste Leistung der Mafia besteht darin, dass sie ihren Klienten Schutz gegen ein Entgelt anbietet. Dieses Schutzgeld ist eine Art öffentliche Besteuerung. Schliesslich bezahlen wir auch Steuern, um vom Staat beschützt zu werden.

Der Erfolg der Mafia hängt stark vom Ruf ab. Sie muss zu rücksichtslosem Einsatz von Gewalt bereit sein. Nur wenn die Mafia respektiert und gefürchtet wird, kann sie ihren Mitgliedern Schutz bieten.

Eine andere Leistung der Mafia ist ihre Vermittlungsfunktion. Die Mafia hilft beim Aufbau und beim Erhalt von Kartellen. Darunter versteht man eine Vereinbarung zwischen zwei oder mehr Firmen, um den Wettbewerb einzuschränken. Kartelle schaden der gesamten Wohlfahrt und sind daher in den meisten Ländern verboten.

In einem Preiskartell sprechen die Mitglieder die Preise untereinander ab. Für ein einzelnes Unternehmen ist es nach dieser Abmachung sehr verlockend, ihr Produkt trotzdem zu einem tieferen Preis anzubieten. Die Konsumenten würden das günstigere Produkt bevorzugen und der Absatz für das aus dem Kartell ausgebrochene Unternehmen stiege rasant an.

Sobald dies passiert, würden auch die anderen Unternehmen das Kartell verlassen und ihr Produkt zu einem tieferen Preis anbieten. Es folgt ein Dominoeffekt und schlussendlich pendelt sich wieder der Wettbewerbspreis ein. Ein Kartell ist deshalb latent instabil.

In der Ökonomie nennt man dieses Phänomen «Gefangenendilemma». Das Dilemma besteht darin, dass für alle Unternehmen ein besseres Ergebnis möglich gewesen wäre, wenn sie kooperiert hätten. Aus individueller Sicht haben die Parteien aber einen Anreiz, nicht zu kooperieren.

Drohung – ist das Stichwort, um dem Gefangenendilemma zu entgehen. Die Mafia macht den Unternehmern in einem Kartell unmissverständlich klar, dass sie bei einem Bruch der Kooperation mit einem Betonklotz am Bein Richtung Meeresgrund sinken. Damit schafft die Mafia einen starken Anreiz zur Kooperation und zur Erhaltung des Kartells.

Aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive hat die Mafia gegenüber legalen Wirtschaftsunternehmen auch einige Nachteile. So kann sie z.B. bei der Personalrekrutierung nicht einfach ein Inserat in der Zeitung aufschalten. Sie muss jeden Mitarbeiter persönlich kennen.

Durch das erforderliche Misstrauen ist eine effiziente Arbeitsteilung nur begrenzt möglich. Aus dem Mangel an Rollentrennung und Spezialisierung wächst aber der Vorteil, dass die gewonnen Mitglieder vielseitig einsetzbar sind. Mafiamitglieder sind Allrounder. Sie werden nicht wegen einzelner Fähigkeiten in die Organisation aufgenommen, sondern wegen ihrer gesamten Person.

Auch grosse Expansionszüge sind für die Mafia schwierig. Das Geschäftsfeld der Mafia ist in der Regel geographisch beschränkt. Kommunikation, Einschüchterung oder der Aufbau von Vertrauen ist über grosse Distanzen nur schlecht möglich.

Zum Thema:

Für das iconomix-Team
Patrick Keller

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