Schweizerische Nationalbank
Ein Jahr Mindestkurs: Die «hausgemachte» Frankenstärke
Geld, Währung, Finanzen
Markt und Handel
()
76 Aufrufe
Ein Jahr Mindestkurs: Die «hausgemachte» Frankenstärke
Montag, 24. September 2012

Die Europäische Schuldenkrise trägt dazu bei, dass der Schweizer Franken als Safe-Haven-Währung stark gefragt ist: Das Vertrauen in die Schweizer Volkswirtschaft ist traditionell sehr gross, der Schweizer Franken gilt als sichere Währung. Dies führt in Zeiten internationaler wirtschaftlicher und politischer Krisen (bzw. steigender Risiken und Unsicherheiten) zu einer steigenden Nachfrage nach Anlagen in Schweizer Franken.

Eine weitere Ursache für den anhaltenden Aufwertungsdruck liegt in Portfolioumschichtungen begründet. Diese These vertritt Thomas Moser, stellvertretendes Mitglied des SNB-Direktoriums, in einem kürzlich am KOF-Wirtschaftsforum gehaltenen Referat unter dem Titel «Wechselkursregime und die Problematik von starken Kapitalzuflüssen» (Online nicht verfügbar).
Martin Lanz hat die These  in der NZZ vom 21.09.2012 wie folgt zusammengefasst:

«Wie kommt es zur Erstarkung des Frankens? Der Franken ist bekanntlich ein sicherer Hafen: Wenn immer die Nervosität an den Finanzmärkten steigt, erstarkt der Franken und umgekehrt. Dazu kommt, dass die Schweiz seit Jahren hohe Überschüsse in der Leistungsbilanz erzielt – grob gesagt exportiert die Schweiz viel mehr, als sie importiert. Deshalb besteht eine dauerhaft hohe Nachfrage nach Franken – Abnehmer von Schweizer Gütern und Dienstleistungen im Ausland benötigen für ihre Transaktionen Franken. (…) Wie die Grafik [unten] zeigt, befriedigt normalerweise der Privatsektor diese Nachfrage, seit 2009 war dies aber kaum mehr der Fall. Das heisst, die Leistungsbilanz muss anderweitig finanziert werden, via die Nationalbank. Zu diesem Zweck gibt die SNB Franken aus und absorbiert Devisen, was sich jüngst in einem markanten Anstieg ihrer Währungsreserven geäussert hat.


Quelle: NZZ

Der Grund für diese ‹Verlagerung› ist laut Moser, dass Inländer ihre Einnahmen aus den Leistungsbilanzüberschüssen krisenbedingt nicht mehr im Ausland anlegen wollen, d. h. sie horten ihre Franken bzw. legen sie in der Schweiz an. Zudem repatriierten viele Inländer aufgrund der Finanzkrise auch ihre Auslandvermögen, was den Franken zusätzlich erstarken lässt. Mit anderen Worten: Es stecken nicht nur Ausländer hinter der gestiegenen Nachfrage nach Franken, sondern auch Inländer. Eine genaue Aufschlüsselung nach in-und ausländischen ‹Effekten› ist allerdings nicht möglich. Hingegen wird damit deutlich, dass eine Stabilisierung der internationalen Wirtschaftslage eine doppelte Dividende abwürfe: Schweizer würden wieder mehr im Ausland investieren und Ausländer weniger in den Franken fliehen. Als Resultat würde sich der Franken abschwächen.» - Dem bleibt anzufügen, dass auch Ausländer, die in der Schweiz Vermögensanlagen in Euro halten, solche Umschichtungen vornehmen dürften, nicht nur die Schweizer selber.

Zusammengefasst lassen sich demnach zwei Hauptkräfte hinter dem Aufwertungsdruck ausmachen, wobei eine Quantifizierung schwierig ist: Kapitalzuflüsse und Umschichtungen der Portfolios.

Lesen Sie auch: Rolle des Schweizer Frankes als «Carry-Trade» Währung und Leistungsbilanzen erklärt.

 

Für das iconomix-Team
Manuel Wälti
(Überarbeitet am 10.01.2013)

× Vielen Dank für Ihren Kommentar. Er wurde erfolgreich zur Überprüfung übermittelt.

Kommentare

Anzahl verbleibender Zeichen: 800
captcha

Diese Seite wurde noch nicht kommentiert.

Verfassen Sie den ersten Kommentar.