Fallbeispiel
Einstieg ins Investieren
Im Mittelpunkt dieses neuen Fallbeispiels steht der 19-jährige Max, der kurz vor dem Abschluss seiner Lehre als Automatiker steht und künftig einen...

Iconomix bietet neu im Modul «Einstieg ins Investieren» das Add-on-Faktenblatt «Nachhaltiges Investieren» an. Das Thema wurde zudem in das Kapitel «Geld sparen und anlegen» der Lernplattform Finanzkompetenz integriert.
In beiden Fällen war der Ökonom Tobias Wekhof inhaltlicher Partner von Iconomix. Im Gespräch mit ihm gehen wir der Frage nach, warum nachhaltiges Anlegengerade für junge Menschen wichtig ist, welche Missverständnisse häufig auftreten und wie ein fundierter Einstieg gelingt.
Einstieg ins Investieren
Im Mittelpunkt des Fallbeispiels «Einstieg ins Investieren» steht der 19-jährige Max, der kurz vor dem Abschluss seiner Lehre als Automatiker steht und künftig einen Teil seines Einkommens sinnvoll investieren möchte.
Finanzkompetenz
Die Lernplattform Finanzkompetenz vermittelt alltagsnahes Grundwissen und wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten für den verantwortungsvollen Umgang mit Geld.
Tobias Wekhof: Nachhaltigkeit ist für viele junge Menschen längst Teil des Alltags, ob bei Ernährung, Mobilität oder Konsum. Da ist es nur konsequent, auch bei Geldanlagen genauer hinzuschauen. Anlegen wird zunehmend nicht nur als Mittel zur Rendite gesehen, sondern auch als Möglichkeit, eigene Werte auszudrücken.
Gleichzeitig hat nachhaltiges Anlegen in der Schweiz stark an Bedeutung gewonnen und macht heute einen grossen Teil des Marktes aus. Das Interesse ist also da, aber beim konkreten Verständnis und der Umsetzung gibt es oft noch Unsicherheiten. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich viele junge Anlegerinnen und Anleger.
Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass «nachhaltig» klar definiert sei. In der Praxis gibt es aber kein einheitliches Gütesiegel – unterschiedliche Anbieter setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Produkte können also sehr verschieden sein, auch wenn sie ähnlich klingen.
Ein zweiter Punkt betrifft die Wirkung. Viele gehen davon aus, dass nachhaltige Anlagen automatisch einen positiven Effekt haben. Das stimmt so nicht. Eine direkte Wirkung entsteht meist nur, wenn neues Kapital in Projekte fliesst oder wenn Anleger aktiv Einfluss nehmen, etwa über Stimmrechte. Beim Kauf von Aktien oder ETFs ist dieser Effekt oft begrenzt.
Und schliesslich wird auch das Thema Rendite häufig missverstanden. Nachhaltige Anlagen sind nicht automatisch sicherer oder rentabler. Grundprinzipien wie Diversifikation, Kosten und Risikobewusstsein bleiben genauso wichtig wie bei klassischen Anlagen.
Der wichtigste erste Schritt ist, das Produkt wirklich zu verstehen. Man sollte sich nicht einfach auf Begriffe wie «grün» oder «ESG» verlassen, sondern genauer anschauen, nach welchen Kriterien investiert wird. Wird mit Ausschlüssen gearbeitet? Werden die «Besten» einer Branche ausgewählt? Oder liegt der Fokus auf bestimmten Themen wie Klima?
Zweitens sollte man sich überlegen, was man eigentlich erreichen möchte. Geht es darum, bestimmte Branchen auszuschliessen? Steht der Klimaschutz im Vordergrund? Oder möchte man möglichst eine direkte Wirkung erzielen? Je klarer die eigenen Ziele sind, desto einfacher wird die Auswahl.
Und drittens hilft ein realistischer Blick: Nicht jedes nachhaltige Produkt hat automatisch eine messbare Wirkung, und nicht alles, was nachhaltig klingt, ist es auch. Achten sollte man deshalb auf konkrete Kriterien, Ziele und Berichte.
Für Einsteiger können breit diversifizierte Produkte wie ETFs sinnvoll sein – aber auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, nach welchen Nachhaltigkeitskriterien investiert wird.
Quelle: Tobias Wekhof
Wie treffen Menschen nachhaltige Anlageentscheidungen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Ökonom Tobias Wekhof in seiner Forschung. Er arbeitet als Senior Researcher und Postdoc an der ETH Zürich sowie am Geneva Finance Research Institute.
Seine Forschung thematisiert, wie Wissen über nachhaltige Finanzprodukte entsteht, und wie es Anleger:innen dabei unterstützt, fundiertere Entscheidungen zu treffen.