Fintech: Blockchain
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Wissenstext

Fintech: Blockchain

Blockchain – Revolution oder Hype?

Der technologische Wandel verändert unser Leben immer wieder aufs Neue – und spätestens seit dem letzten Jahrhundert in einem immer schnelleren Rhythmus: vom Auto und Flugzeug über Telefon und Radio zu Computer und Internet. Diese Fortschritte innerhalb der Transport- und Kommunikationstechnologie eröffneten jeweils nicht nur Raum für neue Geschäftsideen, sie ermöglichten zudem, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und Transaktionskosten zu senken.

Als Transaktionskosten werden all jene Kosten verstanden, die bei einem Geschäftsabschluss anfallen. Also zum Beispiel die Transport- oder die Vertragskosten. Wollten im 19. Jahrhundert zwei Parteien einen Vertrag abschliessen, waren die Verhandlungen viel aufwendiger, da man diese entweder per Brief oder mündlich führen musste. Die Briefe oder Vertragsparteien reisten noch mit der Eisenbahn und trugen damit zur langen Verhandlungsdauer bei.

Schon alleine das Telefon konnte diese Transaktionskosten erheblich senken. Auto und Flugzeuge reduzierten die Transportkosten, und denkt man ans Internet und an die Geschwindigkeit, mit der heute Dokumente geteilt werden können, wird klar, wie viel technologische Neuerungen zur Effizienz und zum Minimieren von Transaktionskosten beitragen können.

Der nächste Schritt

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Viele Experten meinen, dass der nächste Wandel mit der Blockchain-Technologie ansteht. Aber was kann eine Blockchain überhaupt?

In der heutigen vernetzten Welt versenden wir viele sensible Daten über das Internet und diese werden meist über eine zentrale Instanz weitergeleitet. Unsere Whatsapp-Nachricht oder Kreditkartenzahlung geht nicht direkt an das Gegenüber, sondern wird von Dienstleistern in verschlüsselter Form übermittelt. Will eine Person in der Schweiz Geld nach Amerika überweisen, macht sie das via Bank und bezahlt entsprechende Gebühren für die Transaktion. Möchte eine Person eine gute Geschäftsidee gegenüber anderen schützen, muss sie dies beim Patentamt gegen einen Unkostenbeitrag machen.

All diesen Beispielen ist eines gemein: Eine zentrale Instanz, ein sogenannter Intermediär, vermittelt zwischen den Parteien. Dies ist nicht per se etwas Schlechtes, es birgt aber ein gewisses Risiko, da eine einzelne Partei über unsere privaten Daten verfügt.

Dies schafft zum einen ein Vertrauensproblem: Können wir den Intermediären vertrauen, dass sie keinen Datenmissbrauch begehen oder die Informationen nicht zu ihren Gunsten verändern? Zum anderen besteht ein Sicherheitsproblem: Werden Daten nur von einer Partei verwaltet, bietet diese Datenbank ein verwundbareres Ziel für Hackerangriffe.

So argumentieren jedenfalls die Blockchain-Befürworter, denn die Blockchain bietet die Möglichkeit, zentrale Instanzen zu umgehen. Eine Blockchain ist allgemein gesprochen eine Datenbank, die dezentral geführt wird. Das heisst, die Daten sind auf vielen verschiedenen Geräten gespeichert und die Nutzer selbst pflegen und verwalten die Datenbank. Dass die Informationen in vielen Kopien abgelegt sind, erschwert deren Fälschung, und die Blockchain stellt sicher, dass kein Nutzer im Nachhinein Bestände verändern kann.

Transaktionskosten senken

Die Blockchain kann demnach Intermediäre ersetzen. Und entfällt der Schritt über eine Drittpartei, können wiederum Transaktionskosten gespart werden. Dies ist das grosse Potenzial der neuen Technologie.

Wo kann dieses Potenzial am ehesten genutzt werden? Zum Beispiel bei den Kryptowährungen. Dank der Blockchain kann elektronisches Geld (z. B. Bitcoin) weltweit verschickt werden, ohne dass persönliche Daten oder Gebühren an eine Bank entrichtet werden müssen. Eine weitere mögliche Anwendung der Blockchain-Technologie findet sich beim Schutz von geistigem Eigentum. Daten, wie Geschäftsideen, Erfindungen usw., können verschlüsselt abgelegt werden. Da die Blockchain bei jedem Eintrag die genaue Zeit festhält und fälschungssicher ist, könnte sie als dezentral geführte Datenbank für geistiges Eigentum fungieren und Patentämter obsolet machen.

Spinnt man den Faden noch weiter, könnte man Verträge an die Blockchain anbinden, die autonom agieren und, abhängig von gewissen Zuständen der Blockchain, Ereignisse auslösen können. So könnten zum Beispiel Autos ihren Mietern den Dienst verweigern, sollte die Bezahlung der Miete nicht erfolgt und in der Blockchain ersichtlich sein. Smart contracts («intelligente Verträge») nennt man eine solche Kombination der Blockchain-Technologie mit dem Internet der Dinge.

Noch in den Anfängen

Diese Aufzählung nennt nur einen Bruchteil der Verwendungsmöglichkeiten von dezentralen Datenbanken. Trotzdem gibt es heute nur wenige sichtbare Anwendungen der neuen Technologie. Und auch bei der Kryptowährung Bitcoin, die die Blockchain in die Öffentlichkeit getragen hat, wird das Potenzial nicht ausgeschöpft.

Einige Experten fühlen sich an die Anfänge des Internets erinnert. Eine neue Technologie ist da, aber niemand weiss genau, wie man sie optimal einsetzen kann. Ob sich diese Geschichte mit der Blockchain-Technologie wiederholen wird, bleibt abzuwarten.

 

Dieser Text wurde von Joachim Setlik verfasst und stammt aus dem iconomix-Blog-Archiv. Blockchain – Revolution oder Hype? (16.03.2018)