Kommentar für die Lehrperson

Demografischer Wandel

Übersicht

Thema und Inhalt

Das vorliegende Modul zeigt einen Weg auf, wie das wichtige, aber abstrakte Thema «Demografischer Wandel» im Unterricht aufgegriffen werden kann.

Das Studium der Demografie als Teil der Wirtschaftswissenschaften hat eine lange Tradition und reicht zurück bis Thomas Robert Malthus (1766-1834). Deren Bedeutung für die Wirtschaft kann gar nicht überschätzt werden. Zu den volkswirtschaftlichen Grössen, die durch die Bevölkerungsentwicklung beeinflusst werden, gehören die Wachstumsrate einer Volkswirtschaft, deren Produktivität, die Sparquote, die langfristige Arbeitslosenquote, der Gleichgewichtszinssatz, die Trends auf dem Wohnungsmarkt und die Nachfrage nach Finanzanlagen. Zudem beeinflussen Unterschiede in der demografischen Entwicklung zwischen Ländern die Migrationsströme, die Leistungsbilanzen und die Wechselkurse. Besonders wichtig ist ein Verständnis für die Rolle des demografischen Wandels mit Blick auf künftige Herausforderungen der Altersvorsorge.

Didaktisches Format

Im Mittelpunkt des Moduls steht eine Excel-Simulation. Es handelt sich dabei um eine didaktisch vereinfachte Version des Modells, welches das Bundesamt für Statistik (BFS) für seine demografischen Vorausschätzungen verwendet. Bei der Herleitung von Szenarien zum Bevölkerungswachstum macht man sich die Tatsache zunutze, dass die Grösse der Bevölkerung eines Landes und ihre Altersverteilung zu jedem beliebigen Zeitpunkt von der Entwicklung von drei Schlüsselgrössen abhängt: der Geburtenrate, der Sterberate und dem Wanderungssaldo (der Differenz zwischen Zu- und Abwanderung).

Das nötige Wissen erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler schrittweise mithilfe einer Serie von handlungsorientierten Aufträgen: Aufgabenset 1 dient dazu, zentrale Begriffe, Konzepte und Fakten wie Geburtenrate, Lebenserwartung und Migration einzuführen. Im Rahmen der Bearbeitung von Aufgabenset 2 setzen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Excel-Simulation auseinander.

Dauer

Je nach Vertiefung zwei bis vier Lektionen.

Geeignete Fächer

Wirtschaft und Recht, Geografie, Geschichte und Staatskunde.

Anspruchsniveau

Mittel bis anspruchsvoll. Das Modul eignet sich vorwiegend für gymnasiale Klassen mit dem Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht.

Ressourcen zum Modul

Das Modul «Demografischer Wandel» umfasst den Kommentar und folgende Unterrichtsmaterialien:

  • Excel-Simulation (für Lehrpersonen: Download, für Lernende: edu.iconomix.ch)
  • Foliensatz «Die Bevölkerungsalterung der Schweiz»
  • Kurzfoliensatz zu den Aufgabensets 1 und 2
  • Aufgabenset 1 (Grundkonzepte)
  • Aufgabenset 2 (Arbeit mit der Excel-Simulation)
  • Lösungshinweise für die Lehrperson (zu Aufgabenset 1 und Aufgabenset 2)

Kompetenzorientierte Lernziele

Die Lernenden können …

  • … Einflussfaktoren der Bevölkerungsentwicklung nennen und verstehen.
  • … Die demografische Entwicklung in der Schweiz im Zeitverlauf verstehen.
  • … Künftige Bevölkerungsszenarien anhand einer Excel-Simulation herleiten und analysieren.
  • … Möglichkeiten und Grenzen von demografischen Vorausschätzungen und generell von Modellen kritisch reflektieren.

Hinweise zum Modul

Zum ökonomischen Hintergrund

Die Sterblichkeit in allen Phasen des Lebens geht seit Jahrzehnten zurück, zeitlich versetzt dazu sinkt auch die Geburtenrate. Noch wächst die Weltbevölkerung zwar, doch irgendwann gegen Ende dieses Jahrhunderts dürfte sie den Höchststand erreicht haben und zu schrumpfen beginnen. In Europa wird dieser Punkt bereits in wenigen Jahren erreicht sein, danach wird Europas Bevölkerung schrumpfen und altern.

Auch die Bevölkerung der Schweiz altert stetig. Die Gründe dafür sind konstant niedrige Geburtenraten, die unterhalb des bestandserhaltenden Niveaus liegen, und eine steigende Lebenserwartung, vor allem in der Gruppe der älteren Menschen (bei Kindern und Personen im erwerbsfähigen Alter ist die Sterblichkeit schon seit längerem sehr niedrig). Auch der vergleichsweise hohe Wanderungssaldo (höhere Zu- als Abwanderung) kann die «Überalterung» der Schweizer Bevölkerung nicht aufhalten. Der Anteil der über 65-Jährigen nimmt dadurch laufend zu; gleichzeitig sinkt der Anteil von Personen im erwerbsfähigen Alter (15-64).

Diese veränderte Altersstruktur wirkt sich über zwei Kanäle auf das Wohlstandsniveau gemessen am BIP pro Einwohner aus: zum einen über den Arbeitseinsatz und zum anderen über die Arbeitsproduktivität. Der Arbeitseinsatz sinkt aufgrund der abnehmenden Erwerbsbevölkerung klar. Offen ist die Frage, wie weit dieser Rückgang durch eine steigende Arbeitsproduktivität kompensiert werden kann.

Die Arbeitsproduktivität hängt u. a. von der Kapitalintensität – also dem Kapitaleinsatz je Erwerbstätigen – ab. Deren Beeinflussung durch die Alterung der Gesellschaft ist schwierig abzuschätzen. Gehen wir hier einmal davon aus, dass der Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter eher nicht durch eine steigende Arbeitsproduktivität kompensiert werden kann. In diesem Fall dürfte die Bevölkerungsalterung das Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum über die Zeit signifikant bremsen – ganz einfach weil der Arbeitseinsatz sinkt. Gleichzeitig wird der Abhängigkeitsquotient zunehmen – dies weil die Zahl der Personen, die jünger als 15 und älter als 64 Jahre sind, im Verhältnis zu erwerbsfähigen Bevölkerung zunimmt.

Beide Entwicklungen – der Rückgang des Pro-Kopf-Wirtschaftswachstums und die Zunahme des Abhängigkeitsquotienten – werden für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft einschneidende Konsequenzen haben. Namentlich die öffentlichen Finanzen werden vor grosse Herausforderungen gestellt: Steigende Rentenverpflichtungen (Umlageverfahren) und steigende Kosten für die Gesundheits- und Langzeitpflege (Zunahme der Hochaltrigkeit) werden die Budgets der öffentlichen Hand belasten.

Gewisse Entwicklungen dürften diese Belastung indes abmildern: Ältere Arbeitnehmende werden im Schnitt besser qualifiziert sein als heute, besser ausgebildet, gesünder und später in Rente gehen. Neue Technologien werden dazu beitragen, dass mehr Menschen – unabhängig von ihrem Alter – produktiv sein können. Neuen Technologien werden die Arbeitskräfte sowohl ersetzen als auch ergänzen, und sie werden die Arbeit flexibler machen. Eine wichtige Rolle dürften auch ehrenamtliche Arbeiten – namentlich Betreuungsarbeiten – durch ältere Menschen spielen.

Mit diesen Beispielen soll hier nur angedeutet werden, wie grundlegend der demografische Wandel Wirtschaft, Staat und Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten prägen wird.

Verwendete Quellen
  • Reto Föllmi, Torsten Schmidt und Philipp Jäger (2019): «Demografischer Wandel und dessen Auswirkungen auf die Produktivität und das Wirtschaftswachstum». Grundlagen für die Wirtschaftspolitik Nr. 1. Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Bern.
  • David E. Bloom (March 2020): “Changing Demographics and Economic Growth”. IMF Finance & Development, Vol. 57.
  • David Amaglobeli, Era Dabla-Norris, and Vitor Gaspar (March 2020): “Getting Older but Not Poorer”. IMF Finance & Development, Vol. 57.

Mögliches Unterrichtsszenario

Im Zentrum des Moduls steht eine Excel-Simulation. Die Excel-Simulation beruht auf dem Ansatz, den das Bundesamt für Statistik (BFS) zur Herleitung der Bevölkerungsszenarien bzw. der Bevölkerungsprognosen für die Schweiz verwendet. Diese demografischen Vorausschätzungen des BFS dienen als Basis für die Planung in zahlreichen Wirtschafts- und Politikbereichen, bspw. der Raumplanung.

Als Einstieg in das Thema dient Aufgabenset 1. Mit der Bearbeitung der darin enthaltenen Aufträge lernen die Schülerinnen und Schüler zentrale Begriffe, Konzepte und Fakten wie Lebenserwartung, Geburtenrate, Migration und Altersquotient kennen. Das darauf aufbauende Aufgabenset 2 führt in die Excel-Simulation ein und bietet anschliessend die Leitschnur zur Erarbeitung weiterführender Fragestellungen. Die Auswertung und Reflexion der Antworten der Schülerinnen und Schüler im Plenum werden durch die Lösungshinweise für die Lehrperson unterstützt.

Die Kompetenzen, die in den Lernzielen abgebildet sind, können über folgende drei Schritte entwickelt werden:

Phase 1: Einstieg

Zur Einstimmung teilt die Lehrperson die Klasse in vier Gruppen ein. Jede Gruppe erhält den Auftrag, eine Grafik aus dem ersten Teil des Foliensatzes «Die Bevölkerungsalterung der Schweiz» (Folien 4 bis 7) der Klasse zu präsentieren. Für die Bearbeitung des Auftrags erhalten die Gruppen 5 Minuten Zeit; danach präsentiert jede Gruppe kurz «ihre» Grafik. Dabei können sich die Schülerinnen und Schüler beispielsweise an folgenden Leitfragen orientieren:

  • Was lesen Sie aus der Grafik heraus? (Achsen und Verlauf der Kurven oder Balken)
  • Was ist die Hauptaussage der Grafik? (Trend, mögliche Erklärungen)

Alternativ zur Gruppenarbeit kann die Lehrperson zur Einstimmung den ersten Teil aus dem Foliensatz «Die Bevölkerungsalterung der Schweiz» (bis und mit Folie 7) der Klasse vortragen. Zur eigenen Vorbereitung können die Lösungshinweise zu Aufgabenset 1 verwendet werden.

Nach der Einstimmung erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler mithilfe von Aufgabenset 1 schrittweise das Wissen zu Konzepten wie Lebenserwartung, Geburtenrate, Migration und Altersquotient – in Einzel- oder Gruppenarbeit. Eine kompakte Auswertung und Reflexion der erarbeiteten Lösungen kann darin bestehen, dass die Lehrperson die Lösungshinweise von Iconomix im Plenum präsentiert und diskutiert.

Ausgehend vom Video diskutieren die Lernenden zu zweit oder in kleinen Gruppen drei Fragen zu ihrer eigenen momentanen Wohnsituation und notieren ihre Antworten in den dafür vorgesehenen Textfeldern. Als Abschluss dieser Sequenz kann die Lehrperson einzelne individuelle Antworten im Plenum sammeln. Danach wird zur Phase 2 übergeleitet.

 

Phase 2: Arbeit mit der Excel-Simulation

Als nächstes bearbeiten die Schülerinnen und Schüler selbständig die Arbeitsaufträge aus Aufgabenset 2, Teil A («Arbeit mit der Excel-Simulation»). Dabei entwickeln und analysieren sie künftige Bevölkerungsszenarien. Die nötigen Erklärungen entnehmen sie direkt der Excel-Simulation. Benötigen die Schülerinnen und Schüler Unterstützung, kann diese durch die Lehrperson oder gegenseitig via Partnerarbeit erfolgen.

Im optionalen Aufgabenset 2, Teil B («Weiterführende Aufträge») reflektieren die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeiten und Grenzen demografischer Vorausschätzungen, stellen Ländervergleiche an und setzen sich mit der Entwicklung der Alterspyramide im Zeitverlauf auseinander.

 

Phase 3: Nachbearbeitung der Aufgaben

Für die Nachbearbeitung von Aufgabenset 2 (Teil A und optional Teil B) im Sinne einer gemeinsamen Auswertung und Reflexion bietet es sich an, von den Antworten der Schülerinnen und Schüler auszugehen. Zum Beispiel können verschiedene Antworten zu den gleichen Aufgaben in der Klasse ausgewertet werden. Es empfiehlt sich dabei, nur richtige Antworten zu präsentieren bzw. zur Diskussion zu stellen, damit nicht falsche oder irreführende Antworten Verwirrung stiften.

Die Herausforderung für die Lehrperson liegt in der zielführenden Moderation der Phase 3. Wichtig ist, in dieser Phase eine gemeinsame Wissensbasis zu erstellen und die zentralen Begriffe und Konzepte herauszuarbeiten. Als Minimaloption können die Lösungshinweise für die Lehrperson im Plenum präsentiert und diskutiert werden (die Hinweise sind bewusst ausführlich gehalten).

Möglicher Ablauf im Überblick

  Schritte Beschrieb Medien/Unterlagen Zeit
Phase 1
Sich einlassen

45-60 Min.
Einstieg Gruppenarbeit:
Vier Gruppen bilden (eine für jede Grafik); Gruppenarbeit

Plenum:
Präsentation durch die vier Gruppen
Computer und Beamer;
Foliensatz «Die Bevölkerungsalterung der Schweiz», Teil 1
20 Min.
Grundkonzepte erarbeiten Einzel- oder Gruppenarbeit:
Bearbeitung von Aufgabenset 1
Aufgabenset 1 (Zugang am besten über das schuleigene LMS); individuelle Tablets oder Laptops; WLAN-Anschluss 15-20 Min.
Diskussion Plenum:
Auswertung der Ergebnisse aus Aufgabenset 1
Computer und Beamer
Lösungshinweise zu Aufgabenset 1
10-20 Min.
Phase 2:
Wissen erweitern und anwenden

30-45 Min.
Arbeit mit der Excel-Simulation Gruppenarbeit:
Bearbeitung von Aufgabenset 2 Teil A und optional Teil B (Letzterer allenfalls ausserhalb des Unterrichts)
Aufgabenset 2 und Excel- Simulation (Zugang am besten über das schuleigene LMS) 30-45 Min.
Phase 3:
Sich austauschen und reflektieren

30-45 Min.
 
Diskussion Plenum:
Auswertung der Ergebnisse aus Aufgabenset 2 Teil A und optional Teil B
 
Computer und Beamer
Als Hintergrundinformation für die Lehrperson: Foliensatz (Teil 2 und 3)
30-45 Min.