Gibt es einen Röstigraben der Finanzkompetenz?

Unterscheidet sich das Finanzwissen von deutsch- und französischsprachigen Schülerinnen und Schülern? Und welche Rolle spielt dabei die Kultur? Eine Studie aus dem Jahr 2017 gibt Antworten.

Eine Studie von Martin Brown (Universität St. Gallen), Caroline Henchoz (Universität Freiburg) und Thomas Spycher (Universität St. Gallen) aus dem Jahr 2017 befasst sich mit dem Finanzwissen von Jugendlichen in der Schweiz. Im Rahmen der Studie wird analysiert, wie gut Schülerinnen und Schüler des 9. Schuljahrs im Kanton Freiburg zehn Fragen zum Thema Finanzwissen beantworten können. Die zehn Fragen wurden bereits in früheren Studien verwendet und haben sich bewährt, um Finanzwissen zu messen.

Hintergrund
Neben den Fragen zum Finanzwissen ermitteln die Studienautoren Eigenschaften wie Risikobereitschaft, soziale Normen und die Erziehung in finanziellen Angelegenheiten. Der Kanton Freiburg wurde  gewählt, weil er zweisprachig ist (F/D). Da die befragten Schülerinnen und Schüler aus demselben Kanton stammen, sollten Unterschiede aufgrund verschiedener Gesetzgebungen oder Institutionen vernachlässigbar sein. 

Dieses besondere Setup erlaubt es, Unterschiede allein aufgrund der Sprache zu identifizieren. Dabei gehen die Studienautoren davon aus, dass die Sprache ein entscheidender Faktor der Kultur ist – und somit Unterschiede zwischen den deutsch- und den französischsprachigen Schülerinnen und Schülern darauf zurückgeführt werden können.

Kultur wird im Rahmen der Studie definiert als «Einstellungen, Normen und Präferenzen, die eine Gruppe teilt, und die relativ unverändert von Generation zu Generation weitergegeben werden». Diese haben einen Einfluss auf die Finanzkompetenz.

Einfluss der Kultur

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die deutschsprachigen Schülerinnen und Schüler im Durchschnitt eine Antwort mehr richtig beantworten konnten als als ihre französischsprachigen Kolleginnen und Kollegen. Die Kultur scheint also einen erheblichen Einfluss auf die Finanzkompetenz zu haben. Schüler hatten dabei eine richtige Antwort mehr als Schülerinnen; dieser geschlechterspezifische Unterschied findet sich auch in Untersuchungen mit Erwachsenen.

Die Studie macht deutlich, dass die befragten Schülerinnen und Schüler mit den Fragen zu Rabatten und Risikodiversifikation wenig Mühe hatten. Die Themen Zinseszins und Inflation dagegen bereiteten Schwierigkeiten: Nur ein Drittel beantwortete die betreffenden Fragen richtig.

Die nebst dem Finanzwissen abgefragten Eigenschaften wie Geduld, Risikobereitschaft und Erziehung in finanziellen Angelegenheiten bieten ebenfalls interessante Erkenntnisse: Die französischsprachigen Schülerinnen und Schüler erhalten tendenziell später Taschengeld und haben mit höherer Wahrscheinlichkeit noch kein eigenes Bankkonto.

Die finanzielle Sozialisierung, also beispielsweise wie früh man als Kind von seinen Eltern Taschengeld kriegt, hat gemäss Studie einen deutlich grösseren Einfluss auf das Finanzwissen als andere Faktoren wie die Risikopräferenz oder die Einstellung zu Geld. Weil diese finanzielle Sozialisierung eng mit der Kultur verknüpft ist, ist sie auch der Kanal, über den die Kultur die Finanzkompetenz am stärksten beeinflusst.

Fazit

Im Einklang mit der bisherigen Forschung zeigt die Studie, dass die beiden Faktoren Geduld und frühe selbständige Finanzentscheide mit einem höheren Finanzwissen einhergehen. Neu ist die Erkenntnis, dass die finanzielle Sozialisierung stark von der jeweiligen Kultur abhängt und einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss haben kann. Das zeigt, wie wichtig es ist, den kulturellen Hintergrund in finanziellen Bildungsprogrammen zu berücksichtigen.

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Dieser Beitrag wurde aus dem Iconomix-Blog-Archiv übernommen und leicht redigiert; erstmals erschienen ist er am 18. August 2017.

Daniela Waser
Beitrag von:
Daniela Waser
erstellt am 22.12.2021
geändert am 17.02.2022