Steuern einfach erklärt
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Steuern einfach erklärt

Die vielfältige Schweizer Steuerlandschaft

Steuern begleiten uns ein Leben lang. Wir zahlen sie auf unser Einkommen, aber auch auf den Produkten, die wir einkaufen, hat es Steuern. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die Vielfalt und die kantonalen Unterschiede bei den Steuern.

«Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: der Tod und die Steuer.» Dieses Zitat wird Benjamin Franklin zugeschrieben, einem der sieben Gründerväter der Vereinigten Staaten. An seiner wohl etwas scherzhaft gemeinten Aussage ist etwas Wahres dran, denn auf die Steuern können wir uns bisher verlassen. Und das wird sich in naher Zukunft auch nicht ändern.

Die Wenigsten zahlen gerne Steuern. Doch viele Leistungen des Staates setzen wir als selbstverständlich voraus: die öffentliche Sicherheit, die Bildung, das Rechtssystem, Strassenreinigung und -beleuchtung, Schneeräumung im Winter, etc. Gewisse vom Staat erbrachte Leistungen werden ganz oder teilweise den Nutzern in Rechnung gestellt. Dies geschieht zum Beispiel bei der Abfallentsorgung, wo man mit der Sackgebühr mindestens einen Teil der Kosten selber bezahlt.

Andere Leistungen werden vollständig vom Staat finanziert. So ist die obligatorische Schulbildung für die Schüler kostenlos. Es wäre zwar theoretisch möglich, von den Eltern kostendeckende Schulgebühren zu verlangen, doch das tun wir aus sozialpolitischen Gründen nicht. Und wie sollen die Kosten für die Schneeräumung oder die öffentliche Sicherheit auf die Nutzer abgewälzt werden? Dies ist wohl nicht einmal theoretisch möglich. Damit sind Steuern zur Finanzierung gewisser öffentlicher Leistungen unausweichlich.

Die verschiedenen Steuerarten

In der Schweiz erheben alle drei Staatsebenen, der Bund, die Kantone und die Gemeinden, zur Erfüllung ihrer Aufgaben verschiedene Arten von Steuern.

Die wichtigste Einnahmequelle für den Bund ist die Mehrwertsteuer. Bei den Kantonen und Gemeinden dominieren die Einkommenssteuern für natürliche Personen und die Gewinnsteuern für Unternehmen. Über alle Staatsebenen hinweg sind die Einkommenssteuern die wichtigste Einnahmequelle; sie bringen pro Jahr rund 54 Milliarden Franken oder rund 38 Prozent der gesamten Steuereinnahmen ein.

An zweiter Stelle folgt die Mehrwertsteuer mit rund 23 Milliarden Franken. Die Mehrwertsteuer müssen Sie nie selbst bezahlen, doch in der Regel wälzen die Unternehmen diese auf den Preis ab. Die Steuer steckt also gewissermassen im Preis drin (deshalb können Sie auf der Quittung Ihres Einkaufs sinngemäss lesen «inkl. Mehrwertsteuer»). Praktisch gleichauf folgen auf dem dritten Platz die Gewinnsteuern der Unternehmen mit einem Aufkommen von jährlich 21 Milliarden Franken (14 Prozent).

Abbildung 1 stellt die Anteile der drei einnahmenmässig gewichtigsten Steuerarten an den gesamten Steuerinnahmen dar.

Erfolgreicher Föderalismus oder «Kantönligeist»?

Sie haben mit Sicherheit schon gehört (oder selbst erlebt), dass in der Schweiz die Steuerbelastung von Kanton zu Kanton und sogar von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich sein kann. Das ist in der Tat so und hat damit zu tun, dass die Schweiz ein Bundesstaat ist, in dem die Kantone viel Gestaltungsfreiheit haben. Dies gilt auch bei den Steuern. Sie dürfen die Steuersätze, also die Steuerbelastungen in Prozent des steuerbaren Einkommens, selbst und nach eigenem Gutdünken festlegen (man spricht von kantonaler Tarifautonomie). Im Weiteren steht es den Kantonen frei, jede erdenkliche Steuer einzuführen, die sie möchten (sofern es das Bundesrecht nicht ausdrücklich verbietet). Die Steuerpolitiker in den Kantonen und Gemeinden zeigen sich dabei durchaus kreativ, wie Hunde-, Schenkungs-, Billett-, Motorfahrzeug- oder Beherbergungssteuer beweisen. Diese kantonale Vielfalt in der Ausgestaltung der Steuerpolitik wird – je nach Perspektive – häufig als erfolgreicher Föderalismus gelobt oder als Kantönligeist kritisiert.

Die Kantone geniessen zwar weitgehende Tarifautonomie, das Bundesgesetz macht ihnen aber genaue Vorgaben, wie das steuerbare Einkommen bestimmt wird. Überall in der Schweiz müssen Sie bspw. das Erwerbs- und Vermögenseinkommen (zum Beispiel Zinsen) versteuern und die Berufskosten (bspw. für den Arbeitsweg oder die auswärtige Verpflegung während der Arbeit) dürfen abgezogen werden. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Nettoprinzip. Sie müssen also nicht Ihren gesamten erzielten Lohn versteuern, sondern Sie dürfen die Kosten, die sie hatten, um den Lohn zu erwirtschaften, bei den Einkommenssteuern abziehen. Die Steuererklärung sieht deshalb in allen Kantonen sehr ähnlich aus.

Die grossen steuerpolitischen Freiheiten der Kantone beim Festsetzen der Steuersätze sind verknüpft mit der Aufgabenverteilung zwischen Bund und Kantonen. Der Bund übernimmt nur diejenigen Aufgaben, die ihm die Bundesverfassung ausdrücklich überträgt. Dazu gehören zum Beispiel die Landesverteidigung oder die Geld- und Währungspolitik. Alles, was nicht ausdrücklich dem Bund übertragen ist, ist Sache der Kantone. Man denke etwa an die Bildung, die Gesundheitsversorgung oder die Polizei, um nur einige Beispiele zu nennen, bei denen die Kantone weitgehende Gestaltungsspielräume haben und grösstenteils auch für die Finanzierung aufkommen müssen.

Die Bedeutung der Kantone in der Steuer- und Ausgabenpolitik kommt in folgenden Zahlen zum Ausdruck: Rund 53 Prozent der gesamten Steuereinnahmen in der Schweiz fliessen zu Kantonen und Gemeinden. Die verbleibenden 47 Prozent gehen zum Bund. Die Bedeutung der regionalen und lokalen Staatsebenen (in der Schweiz nennen wir sie Kantone und Gemeinden) ist damit im internationalen Vergleich ausgesprochen hoch. Mit Ausnahme von Kanada wird in keinem anderen Industrieland ein so grosser Anteil der Steuereinnahmen von regionalen und lokalen Behörden erhoben.

Unterschiedliche Steuerbelastungen in den Kantonen und Gemeinden

Wie bereits angetönt, führen diese föderalistisch geprägten Spielregeln zu grossen Unterschieden in der Steuerbelastung.

Die nachfolgenden Abbildungen zeigen die Steuerbelastung in Prozent für jede Schweizer Gemeinde. Abgebildet sind zwei sehr unterschiedliche Haushaltskonstellationen. Abbildung 2 zeigt die Steuerbelastung in Prozent für eine ledige Person ohne Kinder mit einem Bruttoeinkommen von 500 000 Franken, Abbildung 3 für ein Zweiverdiener-Ehepaar mit 2 Kindern und einem Bruttoeinkommen von 100 000 Franken. Die obere Abbildung ist also für eine sehr einkommensstarke alleinstehende Person massgebend, die untere für eine klassische Mittelstandsfamilie. Die Farbskala geht von Dunkelblau über Grün bis Rot. Gemeinden mit niedriger Steuerbelastung sind blau eingefärbt, Gemeinden mit hoher Steuerbelastung sind rot eingefärbt.

Aus den Grafiken lassen sich folgende Erkenntnisse zur Schweizer Steuerlandschaft ablesen.

  1. Die Unterschiede in den Steuerbelastungen zwischen den Kantonen und Gemeinden in der Schweiz sind gross. Für die ledige Person mit einem Bruttoeinkommen von 500 000 Franken reicht das Spektrum von rund 19% bis knapp 37%. Auch beim Zweiverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern und einem Einkommen von 100 000 Franken spielt der Wohnort eine bedeutende Rolle: Die Steuerbelastung variiert zwischen knapp 1% und rund 9%.
  2. Die Grafiken bringen ein geografisches Muster zum Ausdruck. Tendenziell steigt die Steuerbelastung an, wenn Sie sich in Richtung Westen des Landes bewegen. Gerade die französischsprachige Schweiz hat traditionell einen stärker ausgebauten Staat und dementsprechend in der Tendenz auch eine höhere Steuerbelastung. Besonders steuergünstig lebt es sich in den kleinen Zentralschweizer Kantonen.
  3. Die zwei abgebildeten Karten sind sich farblich zwar ähnlich, doch es gibt auch Unterschiede. Diese Unterschiede widerspiegeln den Gestaltungsspielraum der Kantone in der Steuerpolitik. So sind diverse kleine Kantone, wie diejenige in der Zentralschweiz oder Appenzell Innerrhoden, für den gut verdienenden Ledigen besonders attraktiv; für die Mittelstandsfamilie liegen die gleichen Kantone in Bezug auf die Steuerbelastung hingegen im Schweizer Mittelfeld. Umgekehrt gehören zum Beispiel die Kantone Genf, Tessin und Wallis für die abgebildete Mittelstandsfamilie zu den steuerlich attraktiveren, für den gut verdienenden Alleinstehenden sind sie hingegen eher teuer.

Quellen

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