Finanzkompetenz als Schlüsselkompetenz

Viele Menschen treffen täglich finanzielle Entscheidungen – oft ohne das nötige Wissen. Die Stanford-Professorin Annamaria Lusardi gilt als wegweisende Expertin für Finanzbildung und zeigt in ihrer Forschung, wie finanzielle Kompetenz weltweit gestärkt werden kann, um Menschen den sicheren und selbstbestimmten Umgang mit Geld zu ermöglichen.

Am Ausgangspunkt der bahnbrechenden Arbeit von Annamaria Lusardi stand  eine Umfrage im Jahr 2004: Die beiden Ökonominnen Annamaria Lusardi und Olivia Mitchell durften drei kurze Fragen in eine grossangelegten Umfrage an über 50-Jährige in den USA einbauen. Thema: Zinseszins, Inflation und Risikostreuung – also das Einmaleins der Finanzwelt.

Die drei Fragen der Umfrage

Das Resultat der Umfrage zeigte, dass nur rund ein Drittel der Befragten alle drei Fragen korrekt beantworten konnte. Lusardi kam zu dem Schluss, dass ein erheblicher Verbesserungsbedarf in der finanziellen Bildung besteht.

Wissen, das ungleich verteilt ist

Die Umfrage von 2004 und viele nachfolgende Studien zeigten, dass Finanzwissen ungleich verteilt ist: Jüngere, Ältere, Menschen mit geringerer Bildung, Frauen sowie bestimmte Minderheiten schneiden schlechter ab. Lusardi und andere Forschende schätzen, dass ein grosser Teil der Vermögensungleichheit auf Unterschiede im Finanzwissen zurückgeht.

Menschen mit geringerer Finanzbildung …

  • … investieren seltener in breit gestreute Fonds,
  • … verwalten Kredite und Kreditkarten schlechter,
  • … nutzen steuerbegünstigte Vorsorgeinstrumente oder individuelle Rentenkonten seltener.

 

Was dies für den Unterricht bedeutet 

Finanzielle Fehlentscheidungen kosten viel Geld. Lusardis Antwort darauf ist klar: Bildung. Sie leitet heute an der Stanford University die Initiative for Financial Decision-Making und einen Kurs zu Finanzgrundlagen, mit dem Ziel, Finanzwissen einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen.

Lusardis Forschung liefert drei klare Botschaften für Bildungsangebote:

  1. Finanzkompetenz ist eine Basisfähigkeit, keine Spezialdisziplin für Finanzprofis.
  2. Schon wenige Kernkonzepte wie Zinseszins, Inflation und Risikostreuung haben grosse Wirkung auf Lebensentscheidungen.
  3. Frühe und systematische Bildung kann Ungleichheit mindern, bevor sie sich festigt.

Denn am Ende gilt: Die Finanzwelt wird nicht einfacher, aber wir können dafür sorgen, dass mehr junge Menschen mithalten und mitreden können.

 

Lesen Sie den ganzen Artikel auf Englisch hier.

Annamaria Lusardi: im Kurzportrait

Ernst Fehr

Quelle: Stanford Graduate School of Business

Annamaria Lusardi, geboren 1962, ist Senior Fellow am Stanford Institute for Economic Policy Research (SIEPR) und Direktorin der Initiative for Financial Decision-Making. Sie ist Gründerin des Global Financial Literacy Excellence Center (GFLEC) und eine führende Expertin für Finanzbildung. Lusardi beriet das US-Finanzministerium und leitete die Finanzbildungsstrategie Italiens.    

Portrait von Lara Kölük
Beitrag von:
Lara Kölük
erstellt am 14.01.2026

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