Daten-Themenblock «CO2-Emissionen und Erderwärmung»

Drei Fragen an Simon Schmid

Der Daten-Themenblock «CO2-Emissionen und Erderwärmung» untersucht die Verbindung zwischen der sich verändernden CO2-Konzentration in der Atmosphäre und den historischen Temperaturentwicklungen. Dank niveaumässig differenzierten Arbeitsaufträgen ist der Themenblock für alle Schultypen (ABU/DH/KV/BM/GYM) geeignet. 

 

Die Aufträge befähigen die Lernenden, selbst eine Verbindung zwischen der sich verändernden CO2-Konzentration in der Atmosphäre und den historischen Temperaturentwicklungen herzustellen. Die Lernenden analysieren dazu Daten und erstellen Grafiken. 

Der Themenblock fördert damit gezielt die Datenkompetenz der Lernenden. Dazu gehören das Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Datenquellen und das Interpretieren von Daten und Grafiken. Auf Sekundarstufe II sind dies zentrale überfachliche Zukunftskompetenzen.

Fachinhaltlicher Partner von Iconomix bei der Entwicklung dieses Daten-Themenblocks war Journalist Simon Schmid. Wir haben Simon Schmid zur Faszination des Berufs Datenjournalist und zur Relevanz von Data Literacy für die Sekundarstufe II befragt.

Wie haben sich die globalen Oberflächentemperaturen im Verlauf der Jahre verändert? Und was hat die CO2-Konzentration in der Atmosphäre damit zu tun? Im Daten-Themenblock «CO2-Emissionen und Erderwärmung» erarbeiten sich die Lernenden mithilfe von Daten selbständig Antworten auf diese Fragen.

Zum Daten-Themenblock

Iconomix: Was ist das Faszinierende am Datenjournalismus?

Simon Schmid: Eine gute Grafik sagt mehr als tausend Worte – und eine schöne Grafik prägt sich in der Erinnerung ein: Daten ermöglichen ein tieferes Verständnis von Zusammenhängen und erschliessen neue Perspektiven auf ein Thema. Sie machen uns neugierig und regen uns zum Denken an. Aber sie zwingen uns auch, unsere Vorstellungen zu hinterfragen und uns mit der Realität auseinanderzusetzen, soweit diese in Daten abgebildet werden kann.

Als Datenjournalist setze ich deshalb auf Visualisierungen, weil mir genau dies wichtig ist. Ich nutze Daten, um Thesen zu prüfen und um Theorien zu erklären – und nicht zuletzt, um mir selbst eine Meinung zu einem Thema zu bilden. Aber ich nutze Daten auch, um aufzuzeigen, wo die Grenzen gängiger Erklärungen liegen und wie schwierig es oft ist, zu einem eindeutigen Urteil zu gelangen.

Im politischen Diskurs werden oft von mehreren Seiten Daten zur Legitimation der jeweiligen Anliegen und Meinungen aufgetischt. Können Daten und Datenjournalismus überhaupt objektiv sein?

Vollständige Objektivität ist per Definition eine Unmöglichkeit. Das gilt nicht nur im Datenjournalismus, sondern bei jeder Art von wissenschaftlicher oder journalistischer Arbeit. 

Bei der Arbeit mit Daten kommt ein weiterer Gesichtspunkt hinzu: Man ist darauf angewiesen, dass es zu einem bestimmten Gegenstand überhaupt Daten gibt. Dinge, die sich gut messen lassen – wie zum Beispiel der materielle Wohlstand – erhalten dadurch automatisch einen höheren Stellenwert gegenüber anderen Dingen – zum Beispiel die psychische Lebenszufriedenheit – die ebenfalls wichtig sind, aber eben weniger zuverlässig quantifiziert werden können.

Wichtiger als die Objektivität sind deshalb andere Kriterien: Nachvollziehbarkeit, Transparenz, Ausgewogenheit. Guter Datenjournalismus posaunt nicht nur Schlussfolgerungen in die Welt hinaus, sondern zeigt auch auf, wie die Auswertungen, auf denen sie beruhen, zustande kommen. Er ordnet die Aussagekraft von Statistiken und den dahinterstehenden Methoden ein und weist darauf hin, wenn alternative Methoden zu unterschiedlichen Schlüssen führen.

Inwiefern können Lernende auf Sekundarstufe II von Data-Literacy Kenntnissen profitieren?

Wir leben nicht erst seit der Corona-Pandemie in einer Zeit, in der viele Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen in hohem Takt auf uns niederprasseln. Wir werden dabei mit Grafiken und Statistiken konfrontiert, die wir stets aufs Neue kritisch begutachten müssen: Stimmt die Botschaft, die man uns da übermitteln will? Wurde verantwortungsvoll mit Daten umgegangen? Sind die Visualisierungen nach bestem Wissen und Gewissen erstellt oder versucht hier jemand, uns mit statistischen Taschenspielertricks – zum Beispiel abgeschnittene Achsen oder falsche Vergleichsgrössen – übers Ohr zu hauen?

Um dies einzuschätzen, sind Kenntnisse in Data Literacy sehr hilfreich. Wer im Schulunterricht selbst mit Daten gearbeitet und Grafiken erstellt hat, erhält ein besseres Verständnis dafür, worauf es beim Betrachten von Daten und Visualisierungen ankommt und wird besser in der Lage sein, ernstzunehmende Informationen von überspitzten Darstellungen oder sogar von Fake News zu unterscheiden.             

Ralph Winkler

Quelle: zVg. durch Simon Schmid

Simon Schmid ist Journalist. Er hat Soziologie in Basel und Volkswirtschaft in St. Gallen studiert und eine Weiterbildung in Datenjournalismus in New York absolviert. Er unterrichtet Datenjournalismus am MAZ in Luzern und Storytelling mit Daten an der FHNW in Brugg.

Ralph Winkler

Quelle: hep Verlag

Im 2021 hat Simon Schmid mit seiner Kollegin Marie-José Kolly das Buch «Auf lange Sicht – Daten erzählen Geschichten» herausgegeben. Das Sachbuch ist eine Best-of Sammlung der seit dem Jahr 2018 regelmässig publizierten Republik-Datenkolumnen.

Hinweis: Diese Story wurde nachträglich bearbeitet.

Portrait von Patrick Stöckli
Beitrag von:
Patrick Stöckli
erstellt am 12.11.2021
geändert am 29.11.2021