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Wann ist der Lohn eines CEO zu hoch?
Beschäftigung, Einkommen, Konjunktur
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Wann ist der Lohn eines CEO zu hoch?
Donnerstag, 07. März 2013

Die Weltwoche veröffentlichte ein Interview[1] mit der Unternehmensberaterin Robin Ferracone zum Thema Managementsaläre. Wann der Lohn eines CEOs zu hoch ist und wieso guten Managern der Lohn gar nicht so wichtig ist. 

Bild: Wikipedia

Robin Ferracone berät international tätige Firmen ü̈ber faire, leistungsorientierte und marktgerechte Vergütungssysteme fü̈r CEOs und Verwaltungsräte. Zu den Kunden der Forbes-Kolumnistin gehören auch zwei in der Schweiz domizilierte Firmen. Die Amerikanerin hat sich deshalb sowohl mit der Minder-Initiative als auch mit der inzwischen rückgängig gemachten Abgangsentschädigung von Daniel Vasella befasst.

Wir veröffentlichen hier einen Auszug:

Weltwoche (Pierre Heumann): Wann ist der Lohn eines CEO zu hoch?

Robin Ferracone: Wenn er eine saftige Entschädigung bezieht, aber der Shareholdervalue langfristig nicht steigt. Auch muss sich der Lohn eines CEO mit dem marktüblichen Niveau der Branche vergleichen lassen. Schliesslich ist auch das soziale Umfeld zu berücksichtigen.

Was verstehen Sie darunter?

CEOs werden gut bezahlt, weil sie harte Entscheide treffen müssen. Dazu gehört manchmal ein Stellenabbau, damit die Firma konkurrenzfähig bleibt. Wenn bei einem CEO die Bezüge steigen, während die Arbeitnehmer leiden, kann das bei den Leuten schlecht ankommen.

Gibt es ein Niveau, bei dem Sie von kriminell hohen Bezügen sprechen würden?

Nein, denn die Entlöhnung hängt von drei Dingen ab.

Und die wären?

Je grösser die Firma ist, umso grösser ist auch die Aufgabe, und desto höher sind dann auch die Löhne. Zudem werden CEOs je nach Branche und den dort üblichen Standards unterschiedlich entlöhnt. Zudem kommt es drittens auf die Performance der Firma an. Wenn ein CEO aufgrund dieser Kriterien zu viel bezieht, würde ich von einer exzessiven Entlöhnung sprechen. Das ist dann sicher keine «inspirierende Unternehmensführung».

Jeder Verwaltungsrat oder CEO versucht doch, ein Maximum an Bezügen herauszuholen. Inspiration ist nicht wirklich ihr primäres Anliegen.

Das sehe ich anders. Guten Managern ist der Lohn oft nicht so wichtig. Eine wirklich gute Firma aufzubauen und zu führen, ist für sie wichtiger als hohe Bezüge.

Oft entsteht aber der Eindruck, dass Verwaltungsräte das Unternehmen als eine Art Geldautomaten betrachten, an dem sie sich frei bedienen können.

In privaten Firmen, die im Besitz des Managements sind, kann dieses im Prinzip so viel Gewinn aus der Firma nehmen, wie es will. Sobald aber Manager und Aktionäre nicht identisch sind, ist das Management den Aktionären verantwortlich. Dann hat der Verwaltungsrat auch die Interessen der Aktionäre zu berücksichtigen.

Das mag in der Theorie so sein. In der Praxis stellt man immer wieder exorbitante Bezüge fest. Sollten Aktionäre deshalb nicht das Recht haben, über die Gestaltung der VR-Bezüge zu entscheiden, also das Recht auf das sogenannte «say on pay»?

Die «say on pay»-Abstimmung, die eine den Verwaltungsrat nicht verpflichtende Empfehlung der Aktionäre ist, hat sich in den USA bewährt. Sie hat zu einer besseren Berücksichtigung der Aktionärsinteressen geführt. Die Aktionäre müssen mindestens einmal in drei Jahren, und in den meisten Fällen einmal im Jahr, darüber abstimmen, ob sie die Managerlöhne annehmen oder ablehnen. Es ist aber eine rein konsultative Abstimmung.

Was bringt das?

Der Verwaltungsrat und das Management verstehen, dass sie bei den Löhnen und Entschädigungen eine gewisse Disziplin an den Tag legen müssen, weil sonst das Risiko besteht, dass die Aktionäre unzufrieden sind.

Ein schwaches Instrument!

Ganz und gar nicht. Diese Art von Mitbestimmung hat die Lohnpakete des Topmanagements in den USA nachhaltig gemässigt.

Wäre es Ihrer Meinung nach nicht besser, wenn die Abstimmung den Verwaltungsrat verpflichten würde, so wie das die Minder-Initiative vorsieht?

Nein, eine Abstimmung, die den Verwaltungsrat verpflichtet, ist keine gute Idee. Aktionäre sind in der Regel nicht in der Lage, so nuanciert zu entscheiden, wie das der Verwaltungsrat kann. Sie kennen schlicht nicht alle Fakten. Deshalb stellen sie den Verwaltungsrat ja an, damit er für sie arbeitet.

Weshalb halten Sie es für richtig, den Aktionären, die ja Eigentümer der Firma sind, den Entscheid über das Entschädigungspaket zu verwehren?

Aktionäre in den USA ziehen in der Regel eine nicht bindende Abstimmung vor, weil sie das Gefühl haben, damit das Lohnsystem der Exekutive auf eine vernünftige Weise beeinflussen zu können, ohne dafür direkt verantwortlich zu sein. Sie wollen den Job des Verwaltungsrates oder der Unternehmensleitung nicht machen. Wenn die Aktionäre das letzte Wort haben, wird es für den Verwaltungsrat schwieriger, seine Funktionen wahrzunehmen. Zudem sind die Diskussionen im Verwaltungsrat zu komplex und beinhalten zu viele Themen, als dass man sie der Generalversammlung anvertrauen könnte.

Zu reden gibt in der Schweiz der Fall von Daniel Vasella, dem während sechs Jahren bis zu 72 Millionen Franken hätten ausbezahlt werden sollen.

Gemessen an US-Standards wäre das schon ein sehr hohes Abgangspaket gewesen. Aber bei der Diskussion geht es ja auch darum, ob dieses Abgangspaket den Aktionären rechtzeitig mitgeteilt und bewilligt worden ist. Im Fall von Herrn Vasella sieht es so aus, als ob diese Vereinbarung nicht im Voraus kommuniziert worden ist. Damit hat das Unternehmen ein wichtiges Prinzip verletzt. In den USA sind vollkommene Information und Transparenz über die Kompensation zentrale Forderungen. Der Aktionär muss ins Bild gesetzt werden und eine Möglichkeit haben, zur Gesamtposition Stellung zu nehmen.

Lesen Sie auch: Gegen die Abzockerei

Zum Thema:

  • SRF. Vasellas Machtsystem. Der Chefredaktor der «Bilanz» zum Fall Vasella.(20.02.0213 – 8:12)
  • F.A.Z. Der Lohn der Manager. Erklärt, weshalb Aktionäre über Managementvergütungen bestimmen sollen.(06.03.2013)
  • iconomix-Baustein: Spitzenverdiener
  • iconomix-Baustein: Die AG in Aktion

Für das iconomix-Team
Patrick Keller

[1] Interview von Pierre Heumann «Schon ein sehr hohes Abgangspacket» erschienen in der Weltwoche Ausgabe 09/2013.

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