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Weniger Lohn für CEOs!
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Weniger Lohn für CEOs!
Donnerstag, 16. November 2017

Wir haben es schon immer geahnt: Die Löhne von CEOs sind ungerechtfertigt hoch. Zusammen mit 70 weiteren ökonomischen Theorien geht es in einem neuen Buch den Spitzenlöhnen an den Kragen.

Bild: flickr – Pictures of Money (CC)

In einem von Bruno S. Frey und David Iselin editierten Buch werden «ökonomische Ideen zum Vergessen» vorgestellt. 71 Forschende aus Wirtschafts- und Sozialwissenschaften nehmen dabei jeweils eine ihrer Meinung nach überholte Theorie aufs Korn.

Dabei wird unter anderen propagiert, dass Religion und Wirtschaft doch etwas miteinander zu tun haben und dass mehr Auswahlmöglichkeiten nicht immer besser sind. So entscheiden sich die Leute meistens lieber zwischen sechs Konfitüren als zwischen 21. Wenn die Auswahl zu gross ist, entscheiden sich viele dafür, gar keine Entscheidung zu treffen und keine der Konfitüren zu kaufen.

In einem anderen Kapitel zerlegt Margrit Osterloh von der Universität Zürich den Leistungslohn. Sie legt dar, wieso der Leistungslohn bei hochkomplexen Arbeiten nicht geeignet und oft sogar kontraproduktiv ist. Das liegt daran, dass durch den variablen Leistungslohn die intrinsische Motivation, also eine innere Motivation ohne äussere Anreize, durch eine extrinsische – konkret: möglichst viel Geld zu verdienen – ersetzt wird.

Auch die hohen CEO-Löhne bleiben nicht unkommentiert. Katja Rost, Soziologieprofessorin an der Universität Zürich, nimmt die üblichen Begründungen dafür auseinander.

Der oft genannte Grund für die hohen Löhne von CEOs ist ihr Talent. Gemäss der landläufigen Meinung gibt es zu wenige Spitzentalente und um diese anzuwerben, wird jeweils viel Geld in die Hand genommen. Und weil nur das Beste gut genug ist, wird überproportional viel investiert, um den oder die beste Kandidat/-in für das eigene Unternehmen zu gewinnen.

Das Hauptproblem bei dieser Theorie ist die Schwierigkeit, Leistung zu messen. Besonders Managementjobs, die vor allem aus Team- und Projektarbeit bestehen, erlauben keine eindeutige Leistungsmessung. Es ist deutlich einfacher, schlecht arbeitende zu identifizieren, als die allerbesten Leistungen dingfest zu machen. Das führt dazu, dass gar keine klare Rangordnung aufgrund der Leistung der CEOs möglich ist.

Rost sieht zudem ein Problem darin, dass Leute, die bereits einmal befördert wurden, oft so oder so weiter befördert werden, selbst wenn die entscheidende Person gar nicht unbedingt von den Qualitäten überzeugt ist. Die vorigen Beförderungen dienen als «Qualitätssignal», das ein stärkeres Gewicht hat, als der persönliche Eindruck.

Diese Gründe sorgen dafür, dass nicht zwingend die Besten die höchsten Gehälter erhalten. Dadurch wird das Argument für die hohen Löhne hinfällig. Gemäss Rost entspricht der Weg zur Spitze einer Lotterie, bei der Tausende mitmachen und die Gewinner deshalb übermässig stark belohnt werden.

Bruno S. Frey und David Iselin (2017). «Economic Ideas You Should Forget» Springer

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