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Ungleiche Entwicklung der Löhne in der Schweiz
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Ungleiche Entwicklung der Löhne in der Schweiz
Freitag, 20. März 2015

Die Löhne von gut und schlecht Verdienenden steigen in der Schweiz stärker an als die Mittelklasselöhne. Die Hauptgründe sind der technologische Fortschritt und die Globalisierung.

Bild: iStockphoto

Über die letzten Jahrzehnte sind die Löhne in der Schweiz stetig gestiegen. Zwischen den Einkommensklassen bestehen jedoch Unterschiede. Die hohen und die tiefen Löhne wachsen seit zwei Jahrzehnten stärker als die mittleren.

Ein solcher Verlauf beobachtet man in vielen hoch entwickelten Ländern. Wie kommt es dazu? Unsere Löhne werden durch Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bestimmt: Unternehmen suchen sich ihre Angestellten, Arbeitsuchende bieten ihre Fähigkeiten an.

Ist die Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten gross und die Zahl der verfügbaren Arbeitenden mit der benötigten Qualifikation klein, so steigt der Marktwert der Fähigkeit und mit ihr das Entgelt. Sinkt hingegen der Bedarf an Arbeitskräften mit diesen Fähigkeiten, bleibt der Lohn gleich.

Maschinen erledigen Routinejobs

Weshalb aber verändert sich der Bedarf an einer bestimmten Qualifikation? Treibender Faktor ist – neben der Globalisierung –die Technologie: Erfindungen wie die Glühbirne, der Verbrennungsmotor oder der Mikrochip haben unser Produktionsvermögen erhöht.

Diese Entwicklung ist nicht neu. Neu ist, dass die heutigen Erfindungen und Technologien in erster Linie die Wissensarbeit betreffen. Anwaltskanzleien benutzen heute Software, um Routinefälle zu bearbeiten. Banken lassen Programme für sie arbeiten, die ihnen die Investitionsentscheide abnehmen. Spitäler nutzen Roboter, die Standardoperationen ausführen. Das Smartphone wird zum tragbaren Labor, mit dem Patientinnen und Patienten selbst Bluttests durchführen können.

Durch diese Entwicklung sinkt die Nachfrage nach durchschnittlich qualifizierten Wissensarbeitern. Da sich zugleich viele Personen mit diesem Profil auf dem Arbeitsmarkt befinden, sinkt deren Marktwert. Die Löhne im mittleren Einkommensbereich geraten unter Druck.

Gewinner und Verlierer

Computer und Maschinen können aber längst nicht alle Arbeiten ausführen: Für anspruchsvolle Analysen oder schwierige Entscheide braucht es noch immer den Menschen. Der technologische Wandel hat zudem neue Stellen geschaffen, die mit hoher Ausbildung und verantwortungsvoller Position einhergehen. Aus diesem Grund sind die Nachfrage nach Hochqualifizierten und die Top-Löhne gestiegen.

Auch im Niedriglohnsegment gibt es Jobs, die durch die technologischen Entwicklung nicht bedroht sind. Dabei handelt es sich um Tätigkeiten, die Menschen günstiger oder besser verrichten können als Maschinen: Haare frisieren etwa, oder Service– und Reinigungsarbeiten.

Die technologische Entwicklung hat also die Arbeitskräfte im hohen Einkommenssegment eher unterstützt. Die Arbeitskräfte im Tieflohnsegment sind bis anhin weniger stark betroffen. Unter Druck geraten dürften vor allem die Tätigkeiten im mittleren Einkommenssegment.

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Dieser Beitrag ist eine leicht gekürzte Fassung von «Des einen Freud, des andern Leid» aus der iconomix-Zeitung «Lohnunterschiede». 

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Kommentare

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Alex Im - Nachgrübeln

Herzlichen Dank für diesen Beitrag. Es ist sehr zum drüber nachdenken.

28.03.2015 Antworten