Schweizerische Nationalbank
Das Ende des Bargeldes?
Geld, Währung, Finanzen
()
117 Aufrufe
Das Ende des Bargeldes?
Dienstag, 09. Dezember 2014

Harvard-Professor Kenneth Rogoff plädiert für die Abschaffung des Bargeldes. Was wären die Konsequenzen?

Geht es nach Rogoff, sollen sie bald der Vergangenheit angehören: Banknoten und Münzen (Bild: Wikimedia)

Machen wir zuerst eine kurze Reise durch die Zeit: Im 7. Jahrhundert vor Christus entsteht das erste Geld in Form von einfachen Goldklumpen. König Krösus von Lydien (auf dem Gebiet der heutigen Türkei) prägte wenig später die ersten einheitlichen Münzen. Nach und nach verbreiteten sich diese über den gesamten Mittelmeerraum.

Standardisiertes Papiergeld kommt zum ersten Mal im 7. Jahrhundert in China auf. In Europa ist es dagegen erst ab Ende des 15. Jahrhunderts bekannt. Zunächst ist es nur als Ersatzgeld für den Fall von Münzknappheit gedacht, ehe 1661 die Stockholmer Bank erstmals offizielle Banknoten herausgibt. Man erkennt, dass Papiergeld für den Zahlungsverkehr viel effizienter ist als der Einsatz knapper Edelmetalle.

Anfänglich hält sich die Begeisterung für Papiergeld jedoch in Grenzen. Papier besitzt kaum Materialwert, man misstraut deshalb den Papierscheinen.

Um 1800 hat der Schotte John Law schliesslich die Idee, auf Banknoten die Bemerkung hinzuzufügen, dass jede Note jederzeit gegen die entsprechende Anzahl Münzen eingetauscht werden kann.1 Was sich wie ein Detail anhört, verhilft den Banknoten zum endgültigen Durchbruch: Die Leute schenken dem Papiergeld von nun an mehr Vertrauen. Heute garantieren übrigens Zentralbanken den Wert der Banknoten. Es ist daher essentiell, dass den Zentralbanken (als Notenherausgeber) vertraut wird.

Bargeld als Relikt vergangener Zeiten?

Die Gegenwart: Banknoten und Münzen reichen zum Bezahlen längst nicht mehr aus. Für Geldtransfers innert kurzer Zeit über grosse Distanzen eignet sich der bargeldlose Zahlungsverkehr besser. Bezahlen wir mit Plastikkarten (Kredit- und Debitkarte), werden nur noch Geldbeträge auf Konten gutgeschrieben oder belastet, es wird dazu keinerlei Papiergeld benötigt.

Wie viel Bargeld gibt es noch? (Bild: Modul «Du und das Geld», Zeitung «Du und das Geld», 2013, Seite 7. Zahlen aus Statistisches Monatsheft, SNB, März 2013)

Wie aus der obigen Grafik hervorgeht, wird heute in der Schweiz noch etwa 7% des Geldes in Banknoten und Münzen gehalten (in Grossbritannien sind es gar nur 3%). Der Rest existiert rein elektronisch. Bargeld verliert zunehmend an Bedeutung. Ist es gar überflüssig geworden?

Ja, sagt der renommierte amerikanische Ökonom und frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kenneth Rogoff.

Folgen der Bargeldabschaffung

Eine Welt ohne Bargeld hätte diverse Vorteile: Ohne Bargeld wird die Gefahr des Falschgeldes auf einen Schlag eliminiert und illegale Geldgeschäfte können nachverfolgt werden, da Transaktionen nur noch elektronisch getätigt werden können. Der Staat kann enorm profitieren, da Steuerhinterziehung ungleich schwerer wird und zusätzliche Einnahmen aus der Schattenwirtschaft dazu kommen. Ein weiterer grosser Vorteil sieht Rogoff in der erleichterten Umsetzung der Geldpolitik für die Zentralbanken.

Die Notenbanken, argumentiert Rogoff an einer Veranstaltung des Ifo-Instituts in München, müssten die Wirtschaft ankurbeln. Zwar liegt der Zins der Zentralbanken vielerorts schon bei null, aber Unternehmen zögern Investitionen weiter hinaus. «Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken», so Rogoff. Wenn es kein Bargeld gäbe, das man horten kann, hätten die Notenbanken mehr Kontrolle. Die Abschaffung des Bargeldes, so Rogoff weiter, «wäre eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem.»

Die Umsetzung der Bargeld-Abschaffung wäre jedoch kaum reibungslos möglich. Würde das Publikum dies einfach so hinnehmen? Neben der drohenden Wertverminderung des Vermögens, könnten auch Bedenken bezüglich dem Verlust der Privatsphäre aufkommen: alle Transaktionen wären nachverfolgbar. Ausserdem wäre eine Flucht in ausländische Währungen oder Bitcoins ein denkbares Szenario.

Als mögliche Alternative böte sich ein «Barausstieg light» an, bei dem nur grosse Scheine aus dem Verkehr gezogen würden. Kleine, alltägliche Geldtransaktionen wären weiterhin in Bar möglich, ohne Verlust der Privatsphäre, während kriminelle Machenschaften der «dicken Fische» erschwert würden.

Ob diese Ideen nur in den Köpfen einiger Ökonomen bleiben oder tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden, wird sich zeigen.

Zum Thema:

Für das iconomix-Team
Pascal Züger

1Auf der britischen Pfundnote ist übrigens auch heute noch die die Aufschrift: «I promise to pay the bearer on demand the sum of one pound» zu lesen.

× Vielen Dank für Ihren Kommentar. Er wurde erfolgreich zur Überprüfung übermittelt.

Kommentare

Anzahl verbleibender Zeichen: 800
captcha

Diese Seite wurde noch nicht kommentiert.

Verfassen Sie den ersten Kommentar.