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Freitag, 07. Juni 2019

Der Schweizer FinTech-Markt wächst und gewinnt zunehmend an Bedeutung, wie eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern zeigt.

Bild: Pixabay - rawpixel (CC)

Der Schweizer FinTech-Markt wächst und konnte sich in den letzten Jahren als eines der global führenden FinTech-Zentren etablieren. Dies zeigt die vierte jährliche Studie «IFZ FinTech Study 2019 - An Overview of Swiss FinTech» des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern.

Was ist Fintech?

Der Begriff FinTech ist die Abkürzung für Finanztechnologie. Die Autoren der Studie definieren FinTech als Softwarelösungen für innovative digitale Produkte, Dienstleistungen und Prozesse in der Finanzbranche. Dabei verbessern, ergänzen oder ersetzen FinTech-Lösungen bereits bestehende Finanzdienstleistungen. Folglich liegt die Hauptaktivität von FinTech-Unternehmen in der Entwicklung solcher FinTech-Lösungen.

Die Studie des IFZ zeigt, dass die Schweiz ganz vorne mit dabei ist, was die Attraktivität als FinTech-Standort anbelangt. Die Städte Zürich und Genf sind, direkt nach Singapur, an zweiter und dritter Stelle im weltweiten Ranking. Grund für das gute Abschneiden der Schweiz sind vor allem das stabile politische und gesetzliche Umfeld.

Schweizer FinTech-Markt

Laut der Studie sind Ende 2018 in der Schweiz 356 Unternehmen im Bereich FinTech tätig. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 62%. Nicht nur die wachsende Anzahl Unternehmen, sondern auch die steigende Anzahl Mitarbeiter sowie die hohe Kapitalisierung der Unternehmen unterstreicht den zunehmenden Reifegrad der Branche.

Die Autoren der Studie haben die Schweizer FinTech-Unternehmen in sechs Kategorien unterteilt:

  • Analytics: Algorithmen-basierte Datenanalyse (z.B. Machine Learning)
  • Banking Infrastructure: Neue Banken-Software und –Tools (z.B. User Interface)
  • Distributed Ledger Technology: Technologie zur dezentralisierten Speicherung von vergangenen Transaktionen (z.B. Blockchain)
  • Deposit & Lending: Crowdfunding, alternative Finanzierungsmöglichkeit mithilfe einer grossen Anzahl Geldgeber (z.B. Crowdinvesting)
  • Investment Management: Online Anlegen von Geldern (z.B. Robo Advisor)
  • Payment: Neue Zahlungsmethoden (z.B. Mobile Payment)

Die Verteilung der FinTech-Unternehmen in der Schweiz lässt sich in der folgenden Abbildung nach Kategorie und über die Zeit ablesen. Die Abbildung zeigt, ein enormes Wachstum im Jahr 2018. Dieses ist vor allem auf Unternehmen im Bereich «Distributed Ledger Technology» zurückzuführen. Diese haben sich mehr als verdreifacht im letzten Jahr und machen mittlerweile mehr als ein Drittel der Schweizer FinTech-Unternehmen aus.

Der Grossteil der Unternehmen des «Distributed Ledger Technology»-Bereichs sind im Kanton Zug vorzufinden, der inzwischen bereits als «Crypto Valley» der Schweiz bezeichnet wird. 111 FinTech-Unternehmen zählt der Kanton Zug im Jahr 2018 und liegt damit nur knapp hinter dem Kanton Zürich mit 114 FinTech-Unternehmen.

Fin ist lokal, Tech ist global

Der Grossteil der Schweizer FinTech-Unternehmen ist international tätig. Dies liegt daran, dass der Schweizer Markt eher klein ist und besonders für Geschäftsmodelle, die auf Privatkunden ausgerichtet sind, Schwierigkeiten birgt. Aus diesem Grund haben sich die meisten Schweizer FinTech-Unternehmen vorwiegend auf eine internationale Tätigkeit und auf Geschäftskunden spezialisiert.

Diese globale Ausrichtung ist besonders in den technologieintensiven Bereichen «Distributed Ledger Technology» und «Analytics» zu beobachten.  Bereiche wie «Deposit & Lending» oder «Payment», deren Fokus darauf liegen, innovative Lösungen für traditionelle Finanzprodukte, -dienstleistungen und -prozesse anzubieten, sind demgegenüber eher auf den Binnenmarkt ausgerichtet.

Positionierung der traditionellen Banken

Der herkömmliche Bankensektor ist bereits heute am Schrumpfen, sowohl bezüglich der Anzahl Unternehmen als auch hinsichtlich der Anzahl Angestellter. Ein Grund dafür könnte das Wachstum des FinTech-Marktes sein, der eine Herausforderung für den Bankensektor darstellt. Banken sind auf verschiedene Arten von FinTech-Lösungen betroffen. Diese sind oft schneller und effizienter als traditionelle Finanzdienstleistungen.

Beispiele wie UBER oder AirBnB umgehen die Einbindung von Banken im Zahlungsprozess, während Robo-Advisor günstigere Alternativen zu traditionellen Bankdienstleistungen anbieten. Aus diesem Grund sind Banken der Gefahr ausgesetzt, durch neue FinTech-Lösungen teilweise ersetzt zu werden oder ihr traditionelles Geschäftsmodell anpassen zu müssen.

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