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Die Zukunft des internationalen Handels
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Die Zukunft des internationalen Handels
Dienstag, 22. Januar 2019

«Mittelfristig werden die WTO-Mitgliedstaaten einsehen, wie wichtig die Errungenschaften der Handelsliberalisierung für sie sind», erklärt der Ökonom Ralph Ossa im Interview zum Thema Handelskriege.

Bild: pixabay – Marcus-Trapp (CC)

Als Ralph Ossa mit seiner Forschung zu den Folgen eines globalen Handelskriegs begann, schien das Themengebiet noch eher ein theoretisches Gedankenspiel zu sein - heute sind seine Erkenntnisse aktueller denn je.

Im Interview mit der Universität Zürich erklärt Ossa, dass im globalen Handelssystem ein klassisches Gefangenendilemma vorliegt und der internationale Handel deshalb so fragil ist. Das Dilemma besteht darin, dass die WTO-Mitgliedstaaten nur solange von der WTO profitieren können, wie sich alle an die gemeinsam festgelegten Handelsvereinbarungen halten. Einseitige Abweichungen von diesen Vereinbarungen können zu Vergeltungsschlägen und schliesslich zu Handelskriegen führen.

Der Handelskrieg, wie er aktuell zwischen den USA und China herrscht, bringt die WTO in eine verzwickte Lage. Die USA warf China vor, geistige Eigentumsrechte zu verletzen und umging das Streitbeilegungsgremium der WTO, indem es auf bilateralem Weg Massnahmen gegen China ergriff. Unterstützt die Welthandelsorganisation die USA bei ihrem Vorhaben, bilateral Vergeltungszölle gegen China zu erheben, könnten weitere Länder dem Beispiel der USA folgen und ebenfalls neue Zölle einführen. Stellt sie sich dagegen, droht der Austritt der USA aus der WTO.

Durch die Arbeit der WTO konnten in der Vergangenheit die Zölle weltweit auf ein tiefes Niveau gebracht werden. Laut Ossa werden deshalb andere Aspekte der ökonomischen Integration zunehmend wichtiger. Insbesondere in der «Deep Integration» liegt die Zukunft der Handelspolitik. Dies beinhaltet unter anderem die Regulierung der Wettbewerbspolitik, der Investorenrechte, der Produktstandards, des öffentlichen Beschaffungswesens, der geistigen Eigentumsrechte und der Steuerpolitik. Hier muss die WTO in Zukunft eine aktive Rolle übernehmen.

Das vollständige Interview finden Sie hier:
University of Zurich. The Future of Global Trade (14.11.2018)

Ralph Ossa ist Professor an der Universität Zürich für Globalisierung und Emerging Markets und ein führender Forscher auf dem Gebiet der Handelskriege und des internationalen Handels.

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