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Ökonomen sind Superhelden
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Ökonomen sind Superhelden
Dienstag, 11. Dezember 2018

Der Wirtschaftsjournalist Malte Buhse zeigt in seinem Buch, wie Ökonomen und Ökonominnen Verbrecher jagen und Menschenleben retten.

Bild: pixabay (CC)

Die Finanzkrise 2007/2008 hat das Ansehen der Ökonomen und Ökonominnen in der Welt arg ramponiert. Obwohl sie komplizierte Modelle bedienen, die für Uneingeweihte so undurchsichtig wie die allgemeine Relativitätstheorie scheinen, hat der Grossteil der Finanzbranche die Finanzkrise nicht vorhersehen können. Die Ökonomie hat versagt, so lautet das Urteil der Gesellschaft.

Der Wirtschaftsjournalist und Volkswirt Malte Buhse schreibt in der Einleitung zu seinem Buch «Ökonomen retten die Welt», dass dieser Vorwurf berechtigt ist. Die Ökonomie ist mitschuldig daran, dass die Finanzkrise nicht verhindert wurde. Aber aufgrund dieser Vorkommnisse darf nicht die gesamte Wirtschaftswissenschaft als nutzlos abgetan werden.

Ökonomen und Ökonominnen sind nämlich moderne Superhelden und leisten Herausragendes:

  • Die Harvard-Ökonomin Melissa Dell hat beispielsweise mittels Netzwerkforschung die Schmuggelrouten von mexikanischen Drogenkartellen simuliert und dadurch den Ermittlern die für den Drogenhandel günstigsten Transportwege aufzeigen können. Auf den vom Modell empfohlenen Routen waren die Fahnder tatsächlich erfolgreich.
  • Einem ähnlichen Problem gingen die Wirtschaftswissenschafter Eliana La Ferrara und Stefano DellaVigna mit einem komplett anderen Ansatz auf den Grund: Um illegalen Waffentransporten auf die Spur zu kommen, verfolgten die Forscher Aktienkursentwicklungen von kleineren Waffenherstellern und kombinierten diese Daten mit dem Verlauf von Bürgerkriegen in Ländern wie Angola oder Liberia. Schlugen die Kurse nach bestimmten Ereignissen nach oben aus, erregte das den Verdacht auf Waffenschmuggel. Mithilfe dieser Daten konnten Zollbeamte das Waffenembargo besser durchsetzen.
  • Ein Ökonomen-Superheld, der für seine Arbeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, ist Alvin Roth. Er hat ein Marktsystem entworfen, das Menschen mit einer unheilbaren Nierenkrankheit zu einer lebensrettenden Transplantation verhelfen kann. Oft besteht das Problem, dass die Erkrankten zwar eine spendenbereite Person im nahen Umfeld finden, diese aber aufgrund der Blutgruppe nicht als Spender in Frage kommen. Die Marktlösung besteht nun darin, dass solche Spenderpaare zusammengeführt werden und die Angehörigen für die ihnen fremde Person – sozusagen übers Kreuz – die Niere spenden. So können mit simplen ökonomischen Überlegungen Leben gerettet werden.

Malte Buhse. Ökonomen retten die Welt. FinanzBuch Verlag München, 2013.

Malte Buhse ist Ökonom und schreibt als freier Wirtschaftsjournalist, für Tageszeitungen, Magazine und Online-Medien wie das Handelsblatt, die ZEIT, den Tagesspiegel und Spiegel Online.

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