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Lebenserwartung: 100 Jahre
Freitag, 19. Oktober 2018

Mit einer Lebenserwartung von 100 Jahren sind nicht nur Probleme, sondern auch Chancen verbunden. Dies zeigt das Buch «The 100-Year Life», das in Japan zum Bestseller wurde.

Quelle: Pixabay – cegoh (CC)

Im Jahr 2016 erschien das Buch «The 100-Year Life» zum Thema Langlebigkeit und sozialer Wandel in englischer Sprache. Das Buch von Lynda Gratton und Andrew Scott, zwei Professoren der renommierten London Business School, war kein sofortiger Verkaufsschlager.

Erst als das Buch auf Japanisch übersetzt wurde, gingen die Verkaufszahlen durch die Decke. Das Buch traf den Nerv der Zeit in Japan und löste im Land mit der weltweit zweithöchsten Lebenserwartung eine öffentliche Debatte aus.

Die Problematik

Das Buch legt nahe, dass Individuen, Institutionen und Regierungen dringend Vorbereitungen für eine Zeit treffen müssen, in der ein Grossteil der Bevölkerung das 100. Lebensjahr erreichen wird. Die Autoren des Buches betonen dabei, dass die Langlebigkeit nicht nur Probleme darstellt, sondern auch Chancen bietet, sofern die richtigen Massnahmen ergriffen werden.

Die Problematik der Langlebigkeit äussert sich dadurch, dass eine immer älter werdende Bevölkerung über einen immer längeren Zeitraum nach der Pensionierung eine Rente beziehen muss. Bleibt gleichzeitig die Anzahl Berufsjahre konstant, wird es für die Arbeitnehmenden immer schwieriger, aus eigener Kraft für die Rentenfinanzierung aufzukommen.

Als Konsequenz müssten Arbeitnehmende heute länger arbeiten und einen höheren Prozentsatz ihres Einkommens in die Pensionskasse einbezahlen. Insbesondere die Erhöhung der Lebensarbeitszeit macht es notwendig, dass Anpassungen im Lebensstil vorgenommen werden müssen, so die Hauptbotschaft des Buches. Wie einige dieser Anpassungen aussehen könnten, wird im Folgenden beschrieben.

Mehr Flexibilität im Alter

In Zukunft werden wir vom traditionellen dreistufigen Lebensweg – Ausbildung, Arbeitsleben, Rente – wegkommen müssen. Eine einmalige Ausbildung wird kaum für 60 Jahre ausreichen, da sich unsere Berufe über diese Zeitspanne auch verändern. Stattdessen müssen wir uns ständig weiterbilden bzw. umschulen. Vor diesem Hintergrund werden Universitäten und andere Schulen gezwungen sein, ihr Angebot anzupassen und über zeitmässigere Kanäle wie Onlinekurse zu verbreiten, so die Autoren.

Sollten künftige Generationen bis ins 80. Lebensjahr einer Arbeit nachgehen müssen, setzt dies eine gute Gesundheit im hohen Alter voraus. Um dies zu gewährleisten, sollten alte Menschen beim Ausüben ihrer beruflichen Tätigkeit entlastet werden. Dies kann beispielsweise durch neue Technologien wie Roboter geschehen.

Da nicht jeder Person im hohen Alter dieselbe Arbeit zugemutet werden kann, befürworten die Autoren mehr Flexibilität bei der Strukturierung von Massnahmen: Wer sich im Alter gesund und fit fühlt, soll während fünf Tagen die Woche einer Arbeit nachgehen können. Wem eine 5-Tages-Woche hingegen zu anstrengend ist, dem soll die Möglichkeit geboten werden, seine wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren. Ähnlich verhält es sich gemäss den Autoren beim Renteneintrittsalter: Das einheitliche Renteneintrittsalter sollte durch ein mehrstufiges Modell ersetzt werden.

Wie Sie sich persönlich auf das 100-Jahre-Leben vorbereiten können, zeigt das folgende englischsprachige Video:

Video
The 100-Year Life
Japan: Chance der Überalterung

Japan verzeichnet seit Jahren abnehmende Geburtenraten während die Sterberate konstant ansteigt. Dies hat zur Folge, dass das Land zunehmend einen Arbeitskräftemangel aufweist und die Kosten für die Altenbetreuung stark angestiegen sind. 

In diesem Umfeld stiess das Buch von Lynda Gratton und Andrew Scott auf grossen Anklang und löste eine öffentliche Debatte aus. Dies hat dazu geführt, dass das Land erste Vorkehrungen getroffen hat: Das herstellende Gewerbe Japans hat die gegenwärtige demografische Entwicklung zum Anlass genommen, um davon ausgehend neue Technologien zu produzieren. Die Investitionen hatten zum Ziel, den Problemen der älter werdenden Bevölkerung Japans entgegenzuwirken.

Im Laufe der Zeit hat sich Japan so zu einem Marktführer in der Herstellung von Robotern und Exoskeletten entwickelt. Beide Produkte werden zunehmend in den Arbeitsalltag eingebunden und wirken dem Arbeitskräftemangel entgegen. Die Roboter auf direkte Weise – und die Exoskelett-Technologie, indem sie Japanerinnen und Japanern ermöglicht, länger arbeiten zu können.

Lynda Gratton und Andrew Scott. The 100-Year Life: Living and Working in an Age of Longevity (April 2016). 

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