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Die Welt ist besser als wir denken
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Freitag, 01. Juni 2018

Früher war alles besser? Hans Rosling beweist das Gegenteil.

Der schwedische Statistiker Hans Rosling versuchte, mit spannend aufbereiteten Fakten aufzuzeigen, weshalb es uns heutzutage besser geht als je zuvor. Er war unter anderem berühmt für seine informativen und unterhaltsamen TED-Talks. Letztes Jahr ist er verstorben. Nun ist ein Buch erschienen, das er gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter geschrieben hat.

In «Factfulness» zeigen sie mit Zahlen und Grafiken auf leicht verständliche Weise, welche Fortschritte die Menschheit erzielt hat. So hat sich zum Beispiel die Zahl der Kinder, die einen Schulabschluss machen, in den letzten fünfzig Jahren stark erhöht.

«Factfulness» ist ein Wort, das die Roslings erfunden haben. Es steht für die «stressreduzierende Gewohnheit, nur Meinungen zu haben, die von zuverlässigen Fakten gestützt werden». Ziel des Buchs ist es, uns zu zeigen, wie wir die Welt positiver betrachten können.

Die zehn Instinkte

Gemäss den Roslings hindern uns zehn «Instinkten» daran, die Welt faktengetreu wahrzunehmen. Die Roslings zeigen im Buch, wie wir mit diesen Instinkten umgehen können. Alle diese Instinkte dienen (oder dienten ursprünglich) einem nützlichen Zweck, können uns aber auch in die Irre führen. Im Folgenden sind drei der Instinkte zusammengefasst:

  • Der Negativitätsinstinkt: Wir haben einen Hang dazu, das Schlechte eher zu bemerken als das Gute. Der Negativitätsinstinkt hängt mit drei weiteren Angewohnheiten der Menschen zusammen:
    • Falsches Erinnern: Beim Älterwerden werden wir nostalgisch und erinnern uns eher an gute Ereignisse als an schlechte.
    • Selektive Nachrichten: Die Schlagzeilen sind fast ausschliesslich gefüllt mit negativen Ereignissen.
    • Dem Gefühl, dass es unsensibel ist, zu sagen, dass Dinge besser werden, solange sie noch schlecht sind.
      Diese Tendenzen sorgen dafür, dass wir positiven Ereignissen zu wenig Gewicht geben und die Welt uns schlechter vorkommt, als sie tatsächlich ist.
  • Der Angstinstinkt: Unwahrscheinliche Gefahren, vor denen wir am meisten Angst haben, erscheinen uns bedrohlicher als Dinge, die statistisch gesehen gefährlicher sind. Beispielsweise haben manche Leute grosse Angst, dass das Flugzeug, in dem sie sitzen, abstürzt. Die Chance bei einem Autounfall umzukommen, ist jedoch um ein Vielfaches höher. Hier hilft es (zumindest gegen die Flugangst), sich bewusst zu machen, dass das Risiko unter anderem davon abhängt, wie oft man etwas tut. Wir bewegen uns täglich im Strassenverkehr, während die meisten von uns nicht jeden Tag in ein Flugzeug steigen. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu sein, beim Auto zwangsläufig höher als beim Flugzeug.

  • Der Generalisierungsinstinkt: Es liegt in der Natur des Menschen, alles zu kategorisieren und generalisieren. Das ist im Allgemeinen auch ganz nützlich, da wir sonst in Alltag nicht funktionieren könnten. Der Instinkt kann uns jedoch auch täuschen. So haben wir das Gefühl, dass «die anderen» alle gleich sind. Beispielsweise haben wir ein relativ klares Bild davon, wie es in Afrika aussieht. Allerdings gibt es sehr grosse Unterschiede zwischen den Ländern und den Kontinenten. Wir haben das Gefühl, dass eine Ebola-Epidemie in Sierra Leone den Tourismus in Kenia beeinflusst. Diese Länder sind jedoch weiter voneinander entfernt, als London von Teheran, und eine Beeinflussung ist daher eher unwahrscheinlich.

Diese Effekte verstärken sich auch gegenseitig. Zudem ist es dank neuer Technologien möglich, sofort und mit eindrücklichen Bildern oder Videos von Katastrophenereignissen zu berichten. Diese bleiben deutlich besser in Erinnerung als die Schlagzeile an sich.

Fortschritt geschieht im Gegensatz zu vielen Katastrophen nicht von heute auf morgen. Die Lebensbedingungen verbessern sich laufend in kleinen Dosen. So hat sich zum Beispiel die Anzahl von Menschen, die in extremer Armut leben, in den letzten zwanzig Jahren halbiert. Solche stetigen, kleinen Verbesserungen sind kaum in den Medien präsent. Deshalb sind sie uns oft nicht bewusst.

Die Roslings betonen jedoch, dass trotz dem allgemeinen Trend zum Besseren noch lange nicht alles gut ist. Wir sollen uns aber nicht entmutigen lassen, sondern den bisherigen Fortschritt als Ansporn nutzen, um weitere Verbesserungen zu erzielen.

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Die Autoren erklären, weshalb sie «Factfulness» geschrieben haben

«Factfulness» soll dabei helfen. Idealerweise würden wir uns bei jeder Schreckensnachricht fragen, ob wir von einem damit zusammenhängenden positiven Ereignis gehört hätten. Wenn wir zum Beispiel erfahren, dass die Anzahl Masernerkrankungen gestiegen ist, sollten wir uns immer auch fragen, ob die vorhergehende stetige Reduktion der Fälle auch kommuniziert wurde. So können wir Nachrichten objektiver beurteilen und lassen wir uns von negativen Schlagzeilen weniger stressen.

 

Hans Rosling, Ola Rosling, Anna Rosling Rönnlund. Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist (April 2018).

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Dies ist ein Gastbeitrag. Inhaltlich verantwortlich ist der jeweilige Autor, die jeweilige Autorin.

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