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Dank Euro und Sparen zum Exportweltmeister
Dienstag, 15. Mai 2018

Deutschland ist Exportweltmeister. Kein anderes Land verzeichnet einen grösseren Leistungsbilanzüberschuss. Was steckt dahinter?

Der schwache Euro und die hohe Sparneigung sind zwei Faktoren, die den hohen Leistungsbilanzüberschuss in Deutschland begünstigen. Bild: flickr – Tim Reckmann (CC)

Deutschland hat im Jahr 2017 für 287 Milliarden Dollar mehr Güter und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als aus dem Ausland importiert. Dies entspricht einem Leistungsbilanzüberschuss von rund 8 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Woran liegt das? Dieser Frage gehen zwei Artikel des Online-Magazins Republik nach, indem sie zwei Faktoren erläutern, die Deutschland zum Exportweltmeister machten.

Ein wichtiger Faktor ist die Währung. In einem System mit flexiblen Wechselkursen werden Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz durch den sogenannten Wechselkursmechanismus ausgeglichen: Ist der Exportüberschuss in einem Land gross, besteht eine hohe Nachfrage nach der inländischen Währung, da das Ausland seine Schulden gegenüber diesem Land begleichen muss.

Dadurch wertet sich die inländische Währung auf was zu einer Verteuerung der Güter dieses Landes auf dem Weltmarkt führt. Gleichzeitig werden importierte Güter günstiger. Folglich sinken die Exporte und steigen die Importe, womit der Leistungsbilanzüberschuss wieder abnimmt.

Durch den Beitritt in die europäische Währungsunion zur Jahrtausendwende hat Deutschland seine eigene Währung aufgegeben und Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz werden nicht mehr automatisch ausgeglichen. Die deutsche Wirtschaft hat in den letzten Jahren vom schwachen Euro profitiert. Würde man in Deutschland noch heute mit der D-Mark bezahlen, hätte sich diese gegenüber den Fremdwährungen längst aufgewertet.

Ein anderer Faktor, der einen Leistungsbilanzüberschuss begünstigen kann, ist eine hohe Sparneigung. Vereinfacht gesagt lässt sich eine Volkswirtschaft in folgende vier Sektoren unterteilen: Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland. Jeder Sektor hat Einnahmen und Ausgaben. Übersteigen die Einnahmen die Ausgaben, spart der Sektor. Sind die Ausgaben höher als die Einnahmen, verschuldet er sich.

Jeder Sektor weist also für einen bestimmten Zeitraum entweder einen positiven (sparen) oder negativen (verschulden) sogenannten Finanzierungssaldo aus. Per Definition muss die Summe der Finanzierungssaldi der vier Sektoren null ergeben. Dies bedeutet, dass sich ein Sektor verschulden muss, wenn ein anderer spart. Es ist nicht möglich, dass alle Sektoren sparen oder sich alle verschulden.

In den letzten Jahren wurde in Deutschland viel gespart. Alleine die deutschen Haushalte haben im Jahr 2016 rund 161 Milliarden mehr eingenommen, als sie ausgaben. Doch die deutsche Sparsamkeit beschränkte sich nicht nur auf die Haushalte, auch die beiden anderen inländischen Sektoren – die Unternehmen und der Staat – haben gespart.

In dieser Situation erstaunt es nicht, wenn das Ausland einen negativen Finanzierungssaldo aufweist. Was nichts anderes bedeutet, als dass Deutschland im Inland einen Ersparnisüberschuss hat und sich das Ausland gegenüber Deutschland verschulden muss, um all die deutschen Produkte und Dienstleistungen kaufen zu können.

Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss widerspiegelt also auch eine zu schwache Inlandnachfrage. Sprich, deutsche Haushalte, Unternehmen und der Staat konsumieren oder investieren zu wenig im Inland. Die dadurch entstehenden Sparüberschüsse werden ins Ausland exportiert, was sich in der Leistungsbilanz als Exportüberschuss niederschlägt.

Die vollständigen Artikel finden Sie hier:

Republik. Das Dilemma des Euro in einer Grafik (16.04.2018)
Republik. Sparen im Übermass ist keine Tugend (30.04.2018)

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