Schweizerische Nationalbank
The winner takes it all
Markt und Handel
China
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Dienstag, 10. April 2018

Nicht nur im Sport verdrängen die Besten ihre Mitstreiter vom Podest und aus dem Rampenlicht. Auch andere Märkte unterliegen dem «Winner takes it all»-Prinzip, wie das Beispiel des Bikesharing-Markts in China zeigt.

Bild: Wikimedia – 螺钉 (CC)

«The winner takes it all, the loser standing small», diese Textzeile von ABBA beschreibt ein Prinzip, das in der Sport- und Musikbranche allgegenwärtig ist: Nur einige wenige Athleten und Musiker schaffen es, die Aufmerksamkeit des Publikums und somit auch der Sponsoren auf sich zu richten. Dies führt dazu, dass sich die Besten eine goldene Nase verdienen, während ihre Mitstreiter quasi leer ausgehen.

Nebst der Unterhaltungsbranche gibt es auch viele andere Märkte, an denen das «Winner takes it all»-Prinzip vorherrscht und der Marktführer derart dominiert, dass die Herausforderer nicht mehr mithalten können. Ein Artikel der Republik veranschaulicht das Prinzip am Bikesharing-Markt in China und zeigt, welche Schattenseiten der Kampf um die Marktführerschaft haben kann.

Die Idee hinter dem chinesischen Bikesharing-Markt ist einfach: günstige Mietvelos bereitstellen, mit denen man sich unkompliziert fortbewegen kann und an keine vorgegebenen Mietstationen gebunden ist. Nach einer einmaligen Depotzahlung lassen sich die Mietvelos über eine App entriegeln. Damit dieses Angebot genutzt wird, müssen die Velos allgegenwärtig sein. Es lohnt sich für einen Anbieter nicht, nur einige hundert Velos bereitzustellen. Es müssen hunderttausende sein, am besten in mehreren Städten.

Zu Beginn der Bikesharing-Euphorie gab es zwei Anbieter, doch mit der Zeit kamen rund ein Duzend weitere hinzu. Angesichts der hohen Konkurrenz wurde schnell klar, dass sich nur die Anbieter am Markt durchsetzen werden, die über das attraktivste Angebot verfügen. Schliesslich lädt niemand zehn verschiedene Mietvelo-Apps herunter und leistet zehn Depotzahlungen. Da die Qualität der Velos und der Apps vergleichbar waren, setzten die Anbieter auf Quantität: Eine grosse Flotte an Mietvelos sollte schnellstmöglich in Umlauf gebracht werden um die Marktführerschaft zu sichern.

Es folgte ein Wettrüsten, bei dem in den vergangenen eineinhalb Jahren mehrere Milliarden Dollar in den Aufbau von Mietvelo-Flotten flossen. Dabei haben sich die beiden Anbieter Ofo und Mobike, mit jeweils einer Flotte von mehr als sieben Millionen Fahrrädern, als Marktführer etabliert. Die meisten anderen Bikesharing-Anbieter gingen Konkurs.

Das Resultat dieses Kampfs um die Marktführerschaft sind neben enormen Überinvestitionen auch Millionen von Fahrrädern, die niemand mehr braucht. Diese liess man zu Tausenden auf verlassenen Grundstücken, in Parkanlagen oder am Strassenrand zurück.

Den vollständigen Artikel mit eindrücklichen Bildern zum Ausmass der Verwüstung durch die ungenutzten Velos finden Sie hier:

Republik. Ein kleines Lehrstück über den Kapitalismus (28.03.2018)

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