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«Chagall» - ein Modell für die Zukunft?
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«Chagall» - ein Modell für die Zukunft?
Freitag, 23. März 2018

Chancen angleichen und Bildungsbarrieren abbauen: Ein im Jahr 2007 vom Zürcher Gymnasium Unterstrass lanciertes Programm zeigt, wie dies gehen könnte.

Das Chagall-Programm öffnet Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Türe für einen Mittelschulabschluss. Bild: Pierre Hugot (CC)

Ein interessantes und zugleich vielversprechendes Programm wurde 2007 vom Zürcher Gymnasium Unterstrass unter dem Namen Chagall lanciert. Was auf den ersten Blick nach Kunst tönt, steht in Wirklichkeit für «Chancengleichheit durch Arbeit an der Lernlaufbahn».

Mit Chagall werden Jugendliche gefördert, die Potenzial für eine höhere Schulbildung haben, dieses aufgrund ihrer bescheidenen sozioökonomischen Verhältnisse oder Sprachschwierigkeiten nicht abrufen können. Mit dem Förderprogramm werden somit gezielt begabte Migrantenkinder angesprochen, die zu Hause möglicherweise nicht die nötige Unterstützung erhalten.

Demnach besuchen besonders lernwillige Sekundarschülerinnen und Sekundarschüler jeden Mittwochnachmittag und Samstagmorgen zusätzlich zum obligatorischen Pensum den Förderunterricht am Gymnasium Unterstrass. Dort verbessern sie nicht nur ihre Deutsch- und Französischkenntnisse, sondern erlernen auch soziale Kompetenzen.

Chagall - eine Erfolgsgeschichte

Der Mehraufwand bereitet die Chagall-Teilnehmenden auf einen möglichen Eintritt in das Gymnasium oder in eine Fach- oder Berufsmittelschule vor. Mit erstaunlichem Erfolg: Rund 70 Prozent der teilnehmenden Jugendlichen schafft den Sprung in eine höhere Schule ihrer Wahl. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Erfolgsquote aller Mittelschulaspiranten im Kanton Zürich liegt bei knapp unter 50 Prozent.

Auch Erfolgsgeschichten wie diejenige von Samira Cabdulle geben dem Programm Recht: Die Somalierin nahm am Chagall-Programm teil und studierte in der Folge Umweltingenieurwissenschaften an der ETH Zürich. Laut eigener Aussage hat Chagall einen wichtigen Anteil an ihrem positiven Werdegang.

Da das Chagall-Programm noch in den Kinderschuhen steckt, profitieren im Augenblick nur wenig Jugendliche in der Schweiz davon. Es sind deshalb Bemühungen im Gange, das Programm auf weitere Berufs- und Mittelschulen auszuweiten. Die Zukunft wird zeigen, ob Chagall ein Modell für die gesamte Schweiz wird – die Vorzeichen dafür stehen gut.

Bilden Sie sich entweder direkt auf der offiziellen Website oder durch einen ausführlichen NZZ-Artikel selbst ihre Meinung über Chagall.

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