Schweizerische Nationalbank
Zahlungsbilanz einfach erklärt
Markt und Handel
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Freitag, 06. Oktober 2017

Die Schweizerische Zahlungsbilanz und besonders ihre Einzelteile sind seit längerem ein heisses Thema. Doch was beinhaltet sie und wie ist sie eigentlich aufgebaut? Das Spezialthema im Bericht «Zahlungsbilanz und Auslandvermögen 2016» der Schweizerischen Nationalbank gibt Aufschluss.

Die starke Pharmaindustrie trägt wesentlich zur Schweizerischen Leistungsbilanz bei. Bild: pixabay – jarmoluk (CC)

Die Zahlungsbilanz und das Auslandvermögen werden genutzt, um zum Beispiel zu vergleichen, wie offen ein Land ist oder wie stark es an der Globalisierung beteiligt ist. Da sie auf den gleichen statistischen Grundlagen des IWF basieren, kann z.B. die Höhe des Leistungsbilanzsaldos in Prozenten des BIP zwischen Ländern direkt verglichen werden und es müssen keine komplizierten Umrechnungen vorgenommen werden.

Die Zahlungsbilanz ist keine Bilanz im eigentlichen Sinne, sondern eine Aufstellung grenzüberschreitender Transaktionen. Die nachfolgende Grafik bietet einen Überblick über ihren Aufbau.

Teilbilanzen

Die Zahlungsbilanz besteht aus drei Teilbilanzen:

  • Die Leistungsbilanz beinhaltet Einnahmen und Ausgaben aus dem Waren- und Dienstleistungshandel mit dem Ausland. Zudem sind in ihr die Einnahmen und Ausgaben von Arbeit und Kapital sowie laufende Übertragungen mit dem Ausland enthalten.
  • Die Bilanz der Vermögensübertragungen stellt Transaktionen dar, in denen «etwas gegen nichts» getauscht wird. Solche Transaktionen kommen in der Schweizerischen Zahlungsbilanz nur sehr selten vor und machen nur einen kleinen Teil der Zahlungsbilanz aus. Ein Beispiel für eine solche Transaktion wäre der Kauf von Nutzungsrechten für natürliche Ressourcen. Dabei wird ein nicht-produzierter und nicht-finanzieller Vermögenswert verkauft.
  • In der Kapitalbilanz werden grenzüberschreitende Transaktionen von finanziellen Vermögenswerten (vor allem Geld und Wertpapiere) erfasst. Die Art des finanziellen Vermögenswertes entscheidet darüber, welcher Komponente der Kapitalbilanz er zuzuordnen ist. So werden z.B. Aktienkäufe in der Komponente Portfolioinvestitionen verbucht. Auf der Aktivseite der Kapitalbilanz werden Zugang und Abbau von ausländischen finanziellen Vermögenswerten im Eigentum des Inlands verbucht und auf der Passivseite Zugang und Abbau von inländischen finanziellen Vermögenswerten im Eigentum des Auslands.

Der Saldo der Kapitalbilanz muss in der Regel gleich gross sein wie die Summe der Saldi aus der Leistungsbilanz und der Bilanz der Vermögensübertragungen. Ist dies nicht der Fall, treten «statistische Differenzen» auf.

Das Auslandvermögen ist im Gegensatz zur Kapitalbilanz eine Bestandsstatistik. Die (quartalsweise) Veränderung der Bestände im Auslandvermögen werden zum einen durch die Transaktionen der Kapitalbilanz erklärt, zum anderen durch Wertveränderungen und so genannte sonstige Änderungen.

Die Kapitalbilanz ermöglicht Aussagen zur Dynamik der Verflechtungen mit dem Ausland. Das Auslandvermögen bildet den Stand der Verflechtungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ab. Die Kapitalbilanz entspricht also z.B. den einzelnen Transaktionen auf einem Bankkonto wie Lohneinzahlungen oder Warenkäufe. Das Auslandvermögen wäre in diesem Beispiel der effektive Kontostand am Ende des Monats.

Transaktionsarten

Grundsätzlich werden in der Zahlungsbilanz drei Arten von Transaktionen unterschieden, die jeweils einen «Debit-» und einen «Credit-Eintrag» nach sich ziehen. Erkunden wir sie am fiktiven Beispiel von Fritzli Bühler:

  • Waren & Dienste gegen finanzielle Vermögenswerte: Fritzli Bühler wohnt in der Schweiz und arbeitet in Deutschland. Sein Einkommen wird zum einen als «Einnahme aus Arbeitseinkommen» auf der Einnahmenseite der Leistungsbilanz als «Credit-Eintrag» erfasst. Zum anderen wird es als «Debit-Eintrag» auf der Aktivseite der Kapitalbilanz verbucht, da die Schweiz so finanzielle Vermögenswerte aus dem Ausland erhält.
  • Finanzielle Vermögenswerte gegen finanzielle Vermögenswerte: Fritzli Bühler hat soeben seine gesamten Ersparnisse in Aktien eines amerikanischen Glacékonzerns investiert. Ungeachtet der Weisheit dieses Entscheids wird der Kauf nun folgendermassen verbucht: In der Kapitalbilanz gibt es einen Zugang von Aktiven («Debit-Eintrag») und gleichzeitig einen Zugang von Passiven («Credit-Eintrag»). Es wurden Vermögenswerte (Aktien) gegen Vermögenswerte (Schweizer Franken) getauscht.
  • Finanzielle Vermögenswerte gegen nichts: Fritzli Bühler hat einem Freund in Deutschland Geld geliehen, das dieser bisher nicht zurückzahlen konnte. Fritzli beschliesst nun, dem Freund die Schulden zu erlassen. Diese gute Tat wird mit einem Abbau von Aktiven in der Kapitalbilanz («Credit-Eintrag») und einem «Debit-Eintrag» in der Bilanz der Vermögensübertragungen verbucht. Durch seinen Verzicht auf die Rückzahlung überträgt Fritzli Vermögen ohne Gegenleistung ans Ausland.

Die Zahlungsbilanz besteht also aus drei Teilbilanzen und jede Buchung kann mit einer der drei Transaktionsarten vorgenommen werden. Ausführlichere Erklärungen zur Zahlungsbilanz finden Sie im Kapitel 4 des Berichts «Zahlungsbilanz und Auslandvermögen 2016».

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