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Crowdfunding – wenn viele einen kleinen Beitrag leisten
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Crowdfunding – wenn viele einen kleinen Beitrag leisten
Dienstag, 31. Mai 2016

Crowdfunding entwächst in der Schweiz nach und nach den Kinderschuhen. Erfahren Sie hier, was sich alles mit Crowdfunding finanzieren lässt und wo man das eigene Projekt am besten inseriert.

Crowdfunding: Das Konzept ist einfach, die Möglichkeiten sind vielzählig. Bild: flickr – Rocío Lara (CC)

Geld für Kinder auf der Flucht sammeln, die Titelseite von 20minuten kaufen oder die erste Produktionsrunde von innovativen Wurmkompostier-Systemen einläuten – Crowdfunding machts möglich. Noch nie war es einfacher Spenden zu sammeln, Statements zu setzen und Unternehmen zu gründen. Bei der sogenannten «Schwarmfinanzierung» übers Internet nehmen viele Menschen in der Regel relativ wenig Geld in die Hand, um ein Projekt zu unterstützen.

Bei Hilfsprojekten besteht dabei meistens die Möglichkeit allgemein oder für einen konkreten Bedarf zu spenden. Bei weniger selbstlosen Projekten erhalten die Financiers (im Fachjargon «Backers» genannt) in der Regel eine Gegenleistung: Für 20 Franken beigesteuertes Kapital wird die Unterstützung des Wurmkompostier-Startups beispielsweise mit 1,5 Litern Wurmkompost-Tee (einem Düngemittel aus – wie soll es auch anders sein – Kompost) belohnt. Für einen Beitrag von 230 Franken gibts den Wurmkomposter für die eigene Küche.

Was lässt sich alles mit Crowdfunding finanzieren?

So gut wie alles, aber Crowdfunding ist nicht gleich Crowdfunding: Das Hauptkriterium zur Unterscheidung verschiedener Typen von Crowdfunding-Projekten ist die Art der Gegenleistung. Finanzprofessor Andreas Dietrich und Simon Amrein von der Hochschule Luzern analysieren die Entwicklung des Crowdfundings in der Schweiz. In ihrem seit 2014 jährlich erscheinenden «Crowdfunding Monitoring» unterscheiden sie vier Kategorien:

  • Crowddonating bezeichnet Projekte, welche zu Spenden aufrufen. Eine Gegenleistung gibt es in der Regel nicht. Denkbar sind Sammelaktionen für soziale und kulturelle Projekte oder auch für politische Kampagnen.
  • Crowdsupporting umfasst Kampagnen, bei denen die Geldgeber eine, meist einmalige Gegenleistung erhalten.
  • Beim Crowdlending, auch «Peer-to-Peer» oder «Social Lending» genannt, werden Kredite gegen Zins vergeben.
  • Beim Crowdinvesting beteiligen sich die Geldgeber grundsätzlich über Eigenkapital an einem Unternehmen und haben als Gegenleistung teil am Unternehmenserfolg. Zu dieser Kategorie zählt auch das sogenannte «Real Estate Crowdfunding», bei welchem die Geldgeber Miteigentümer der entsprechenden Immobilie werden und als Gegenleistung Mieteinnahmen und einen allfälligen Gewinn bei einem Verkauf der Immobilie erhalten.

Wer profitiert von Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist insbesondere für Jungunternehmen attraktiv: Da beim Crowdinvesting die Stimmrechte oftmals limitiert seien, ermögliche diese Form der Unternehmensfinanzierung Gründern und Gründerinnen relativ viel Entscheidungsfreiheit beizubehalten, so das oben genannte «Crowdfunding Monitoring».

Gemäss NZZ profitieren aber auch die Kleinanleger vom neuen Finanzierungsmodell: An den Börsen lasse sich heutzutage kaum Geld machen, so Denes Ban, Geschäftsführer der israelischen Crowdfunding-Plattform Our Crowd. Viel Geld verdiene man aber mit Jungunternehmen. Im Normalfall benötigen Investoren dazu Beziehungen und vor allem viel Geld. Dank Crowdinvesting haben nun auch Investoren mit einem kleinen Geldbeutel die Möglichkeit, sich bei lukrativen Unternehmensfinanzierungen zu beteiligen.

Wie ist die Situation in der Schweiz?

Der Crowdfunding-Markt in der Schweiz ist am boomen: Gemäss «Crowdfunding Monitoring» haben 2015 über 90 000 Personen auf rund 40 Crowdfunding-Plattformen rund 27,3 Millionen Franken für 1 342 Kampagnen ausgegeben. 64,6 Prozent aller lancierten Projekte konnten so erfolgreich durchgeführt werden. Im Vergleich zum Vorjahr hat das gehandelte Volumen insgesamt um 73 Prozent zugenommen. Das grösste Wachstum wurde in der Kategorie Crowdlending verzeichnet (+ 126 Prozent). Für 2016 wird gar eine Verdoppelung des Gesamtvolumens erwartet.

Entwicklung erfolgreich finanzierter Kampagnen. Bild: Screenshot «Crowdfunding Monitoring», Seite 9

Trotz deutlichem Wachstum seien diese Zahlen aber als bescheiden zu beurteilen, so das «Crowdfunding Monitoring». Zum einen sei das absolute Volumen des Crowdfunding-Marktes noch immer als gering einzustufen. Im Vergleich zu anderen Finanzierungsquellen nähme Crowdfunding in der Schweiz eine unbedeutende Rolle ein. Zum andern sei die Bedeutung von Crowdfunding in der Schweiz im Vergleich zum Ausland und insbesondere zum angelsächsischen Raum eher bescheiden.

Gemäss «Crowdfunding Monitoring» ist Grossbritannien mit einem Volumen von 4,7 Milliarden Franken (2015) der am stärksten entwickelte Crowdfunding Markt in Europa. Hier hat Crowdlending im Unternehmensbereich bereits den grössten Anteil des alternativen Finanzierungsmarktes inne: Rund 14 Prozent des Kreditvolumens an KMUs und 15 Prozent des Investitionsvolumens von Startups werden in Grossbritannien bereits durch Crowdfunding-Gelder abgedeckt.

Wer investiert?

In einem Interview mit SRF 4 charakterisiert Professor Dietrich den typischen Crowdfunding-Investor: Zum einen seien überproportional viele Frauen investiert. Zum andern würden Investoren überwiegend aus urbanen Gebieten stammen. Entgegen den Erwartungen sei die Geldausleihe und Beschaffung übers Internet ausserdem eine sehr lokale, regionale Angelegenheit. Zwischen Kapitalgeber und Kapitalsuchenden lägen im Schnitt nur 12 Kilometer Distanz.

Vor Missbrauch müssten die Investoren in der Schweiz zudem keine Angst haben, so Dietrich. Auf Schweizer Plattformen sei ihm kein Fall bekannt, bei dem Geld gesammelt wurde, ohne dass das Projekt je verwirklicht wurde. In der Schweiz würden die Kapitalsuchenden oftmals persönlich überprüft, was das Risiko stark verringere.

Wo inseriere ich mein eigenes Projekt am besten? Wo finde ich die für mich interessanten Projekte?

Je nach Art des Projekt, das Sie ins Leben rufen möchten oder das Sie unterstützen möchten, empfehlen sich verschiedene Crowdfunding-Plattformen. In ihrem «Crowdfunding Monitoring» (Seite 6) nennen Dietrich und Amrein die folgenden für die Schweiz relevanten Plattformen:


Zum Thema:


Für das iconomix-Team,
Laura Felber

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