Schweizerische Nationalbank
Was ist ein Negativzins?
Geld, Währung, Finanzen
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Was ist ein Negativzins?
Freitag, 17. April 2015

Der Zins: Wer spart, erhält ihn, wer einen Kredit aufnimmt, bezahlt ihn. Aber: Gilt das auch beim Negativzins? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Quelle: Pixabay

Was ist ein Negativzins?

Normalerweise bezahlen Schuldner ihren Gläubigern eine Prämie für geliehenes Geld. Die Prämie wird üblicherweise als prozentualer Anteil des geliehenen Betrags definiert und jährlich bezahlt. Anders gesagt: Der Kreditgeber erhält vom Schuldner einen Zins.

Ist der Zinssatz jedoch negativ, so ist der Zusammenhang umgekehrt: Der Kreditgeber bezahlt den Kreditnehmer dafür, dass er sein Geld bei ihm «parkieren» kann.

Woher kommt der Negativzins in der Schweiz?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 22. Januar 2015 einen Negativzins für ihre Girokonten eingeführt: Sie belastet die Sichtguthaben, die Banken und andere Finanzmarktteilnehmer bei ihr halten, mit einem Zins von minus 0,75 Prozent.

Dieser Negativzins gilt nur für Guthaben, die einen gewissen Freibetrag übersteigen. Der Freibetrag basiert auf den Mindestreserven, welche die Banken von Gesetzes wegen halten müssen, und beträgt für alle Kontoinhaber mindestens 10 Mio. Franken. Konkret errechnet sich der Freibetrag aus dem Mindestreserveerfordernis multipliziert mit dem Faktor 20.

Hält eine inländische Bank beispielsweise bei der SNB Giroguthaben von 100 Mio. Franken und beläuft sich ihr Mindestreserveerfordernis auf 2 Mio. Franken, wird der Negativzins auf einem Betrag von 60 Mio. Franken erhoben. Bei einem Zinssatz von minus 0,75% werden somit 450‘000 Franken pro Jahr belastet.

Warum hat die Nationalbank einen Negativzins eingeführt?

Der Negativzins ist ein geldpolitisches Instrument, um Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen. Er macht das Halten von Liquidität in Franken für Finanzinstitute «kostenpflichtig» und senkt die Zinserträge auf Anlagen in Franken auf breiter Front.

Tiefe und negative Zinsen sind kein rein schweizerisches Phänomen. Im Zuge der Finanzkrise haben viele Zentralbanken ihre Leitzinsen nahe null Prozent gesenkt. Dadurch ist die Zinsdifferenz, die Anlagen in anderen Währungen gegenüber Frankenanlagen traditionell aufweisen, stark geschmolzen. Dies hat die Attraktivität des Frankens erhöht. Mit dem Negativzins wurde die Zinsdifferenz zum Ausland wieder etwas ausgeweitet. Das dämpft die Nachfrage nach Franken, der Aufwertungsdruck nimmt ab.

Quelle: iconomix

Welche Finanzinstitute sind betroffen?

Die Einführung von Negativzinsen durch die Nationalbank hat direkte und indirekte Auswirkungen. Finanzinstitute, die bei der Nationalbank mehr als ihren Freibetrag deponiert haben, sind direkt betroffen.

Der Negativzins schlägt aber auf das ganze Zinsgefüge und damit auch auf den Kapitalmarkt durch. Somit wird es für Investoren schwieriger, profitable Anlagen in Schweizer Franken zu finden: Wer auf sichere Vermögenswerten setzt, muss mit einer negativen Rendite rechnen.

Wer eine positive Rendite erzielen will, muss in risikoreichere Anlagen investieren, beispielsweise in Aktien. Viele Banken, Pensionskassen und private Anleger überdenken deshalb ihre Anlagestrategien. Auf diese Weise hat der Negativzins einen indirekten Effekt, der auch Investoren trifft, die über kein Girokonto bei der Nationalbank verfügen.

Was bedeutet der Negativzins für mich als Bankkunde?

Grundsätzlich entscheiden die Banken darüber, ob und wie sich der Negativzins auf die Kundenbeziehungen auswirkt. Erste Hinweise deuten darauf, dass Grosskunden anders behandelt werden als Kleinsparer.

Ein Grund dafür könnte sein, dass «Strafzinsen» auf dem persönlichen Sparbüchlein Kunden dazu bewegen könnten, ihre Guthaben abzuheben. Einen solchen Abzug von Spargeldern wollen die Banken aber verhindern, u.a. weil dies ihre künftigen Refinanzierungsmöglichkeiten beeinträchtigen könnte.

Lohnt es sich, Vermögen in Bargeld zu halten?

Im Gegensatz zu Geldern auf Bankkonten wird Bargeld nicht mit einem negativen Zins belastet (Bargeld hat einen Zins von null Prozent). Jedoch ist die Haltung von Bargeld nicht gratis: Wer hohe Summen in Bar halten will, bezahlt für Transport, Lagerung und Versicherung erhebliche Kosten.

Beim jetzigen Zinsstand sind diese Kosten höher als die Belastung durch den Negativzins. Bargeldhaltung lohnt sich also im Allgemeinen nicht. Bei noch tieferen Zinsen kann es ab einer gewissen Grenze zur Substitution zwischen der Haltung von Buchgeld (auf dem die Zinsen negativ sein können) und der physischen Bargeldhaltung kommen. Ausschlaggebend für diese Grenze sind die Kosten der Haltung grosser Mengen von Bargeld.

Wie steht’s um die Inflation und den Realzins?

Wenn von Zinsen gesprochen wird, ist es wichtig, zwischen realen und nominalen Zinsen zu unterscheiden. Will ich als Sparer wissen, ob ich mir in Zukunft mit dem ersparten Geld mehr oder weniger leisten kann als heute, muss ich auch die Inflation berücksichtigen.

Dazu zieht man vom Nominalzins die Inflationsrate ab und erhält so den Realzins. Momentan liegt die Inflation in der Schweiz im negativen Bereich. Das heisst, die Realzinsen sind höher als die Nominalzinsen.

So gewöhnungsbedürftig negative Nominalzinsen auch sein mögen: Der Realzins ist also nach wie vor positiv. Selbst wenn das Geld auf einem Sparkonto mit Nullzins (nominal) liegt: Man kann sich am Ende des Jahres wegen der negativen Teuerung immer noch mehr kaufen als am Anfang des Jahres.

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Für das iconomix-Team,
Samuel Berger

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