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Herrschaft über 673 Milliarden Franken
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Herrschaft über 673 Milliarden Franken
Freitag, 23. Mai 2014

Die Schweizer Pensionskassen verwalten enorme Vermögenswerte, welche in ihrer Höhe das Bruttoinlandprodukt des Landes übersteigen. Dieses Vermögen gehört uns allen. Grund genug, einen genaueren Blick auf die Funktionsweise der Pensionskassen zu werfen.

Reichen die Rentenbeträge aus? (Bild: Wikimedia)

Die Schweizer Altersvorsorge stützt sich auf drei Säulen. Die AHV bildet mit dem Ziel der Existenzsicherung die erste Säule. Gemeinsam mit der zweiten Säule soll sie die Fortführung des gewohnten Lebensstandards gewährleisten.

Während die AHV die Beiträge der arbeitenden Bevölkerung direkt an die Rentenbezüger ausbezahlt, funktioniert die zweite (und auch die dritte) Säule nach dem sog. Kapitaldeckungsverfahren. Dabei wird mit den Beiträgen Kapital gebildet, also Geld angehäuft. Im Alter lebt der Beitragszahler quasi von seinem eigens über die Pensionskassen angesparten Geld.

Vom Brutto- zum Nettolohn

Von wenigen Ausnahmen abgesehen müssen alle Arbeitnehmer obligatorisch Alterskapital der zweiten Säule aufbauen, sofern das Jahreseinkommen 21‘060 Franken übersteigt (Stand 2014). Neben den obligatorischen AHV-Beiträgen fliessen dabei ab dem vollendeten 25. Altersjahr 7% des Bruttolohns direkt in die Pensionskasse zur Kapitalbildung. Gemäss Gesetz muss der Arbeitgeber mindestens denselben Betrag ebenfalls aufs Pensionskassenkonto des Angestellten überweisen. Mit steigendem Alter steigt dieser Satz bis auf 18% an und erhöht damit die Lücke, welche zwischen den Lohnkosten des Arbeitgebers und dem netto effektiv an den Arbeitnehmer überwiesenen Lohn klafft.

Die Pensionskassen verwalten das so angehäufte Vermögen in Höhe von insgesamt 673 Milliarden Franken (Stand Ende 2012). Sie achten bei ihrer Vermögensanlage auf eine breite Streuung auf verschiedene Anlagekategorien wie festverzinsliche Anlagen (Obligationen), Aktien, Immobilien und alternative Anlagen wie Rohstoffe oder Hedge Funds aus verschiedenen Branchen und Ländern.

So gesehen können wir uns alle als Aktionäre bezeichnen, profitieren wir doch von positiven Entwicklungen an den Finanzmärkten bzw. leiden finanziell unter Verwerfungen.

Zankapfel I: Mindestverzinsung

Unabhängig von der Anlagestrategie müssen die Pensionskassen ihren Versicherten auf die Vorsorgeguthaben eine Mindestverzinsung gutschreiben. Dieser Satz wird jährlich vom Bundesrat aufgrund einer Beurteilung des Renditepotentials an den Finanzmärkten sowie der finanziellen Situation der Pensionskassen bestimmt.

Die Bundesregierung sieht sich dabei jeweils mit gewichtigen politischen Interessengruppen konfrontiert. Während Gewerkschaften tendenziell die Renten in Gefahr sehen und auf eine höhere Mindestverzinsung pochen, fordern Arbeitgeber- und Versicherungsverbände mit Blick auf die dünnen Wertschwankungsreserven der Pensionskassen tendenziell eine tiefere Mindestverzinsung.

Für das Jahr 2014 wurde der Satz von 1,5% auf im historischen Vergleich immer noch tiefe 1,75% erhöht. Die Forderungen der Interessengruppen reichten im Vorfeld von 1,25% bis 2,25%.

Zankapfel II: Umwandlungssatz

Erreicht der Versicherte das Rentenalter und geht in Pension, bekommt er bis zu seinem Tod pro Jahr einen bestimmten Prozentsatz seines angesparten Kapitals als Rente ausbezahlt.1 Dieser Prozentsatz ist gesetzlich geregelt und wird als Umwandlungssatz bezeichnet. Je höher die Restlebenserwartung zum Zeitpunkt der Pensionierung, desto länger muss das angesparte Kapital reichen.

Im Zuge der gestiegenen Lebenserwartung hat das Parlament deshalb im Jahre 2003 eine Senkung des Umwandlungssatzes von 7,2% auf die heute noch geltenden 6,8% beschlossen. Für 100‘000 Franken angespartes Kapital bekommt also der Versicherte pro Jahr 6‘800 Franken ausbezahlt.

Im Jahre 2009 sah das Parlament eine weitere Anpassung angezeigt und senkte den Satz auf 6,4%. Gegen diese Gesetzesänderung wurde jedoch aus Gewerkschaftskreisen das Referendum ergriffen und damit eine Volksabstimmung mit entsprechend breit geführter politischer Debatte herbeigeführt. Von Seiten der Gegnerschaft wurde die Senkung des Umwandlungssatzes als Rentenklau gebrandmarkt. Die Befürworter versuchten erfolglos, das Volk von der Notwendigkeit der Rentenanpassung zu überzeugen, die Senkung des Umwandlungssatzes scheiterte an der Urne.

Der Umwandlungssatz liesse sich im Grundsatz aus der Lebenserwartung und den zu erwartenden Renditen an den Finanzmärkten versicherungsmathematisch bestimmen. Selbst ein solcher regelgebundener Satz böte jedoch Raum für Diskussion, da sich insbesondere die zukünftigen Renditen nicht exakt prognostizieren lassen. Der Umwandlungssatz wird also auch in Zukunft Spielball der politischen Debatte um die berufliche Vorsorge sein. Die nächsten Rentenreformvorschläge stehen an.

Zum Thema:

1Es besteht auch die Option der vollständigen Kapitalauszahlung bei Erreichen des Rentenalters.

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