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Wer investiert besser: Schimpanse oder Finanzanalyst?
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Wer investiert besser: Schimpanse oder Finanzanalyst?
Sonntag, 27. April 2014

Ein Experiment einer Schwedischen Zeitung zeigt Verblüffendes: Der Affe erzielte höhere Renditen. Haben Affen einfach tierisch gute Instinkte? Wahrscheinlich ist die Antwort viel einfacher.

Wohin bewegen sich die Kurse? (Bild: Wikimedia)

Fondsmanager werden dafür bezahlt, täglich die Finanzmärkte zu beobachten und dabei Firmen und andere Investitionsmöglichkeiten hinsichtlich allfälliger Unter- oder Überbewertungen zu durchleuchten. Bei einer vermuteten Unterbewertung geht der Finanzanalyst davon aus, dass der aktuelle an der Börse gehandelte Aktienpreis zu tief ist und in Zukunft wieder steigen wird. Er gibt dementsprechend für die Aktie eine Kaufempfehlung ab. Bei einer Überbewertung empfiehlt er den Verkauf der Aktie.

Auf der Suche nach Unter- oder Überbewertungen von Unternehmen helfen den Finanzanalysten Bilanzen und Erfolgsrechnungen (beispielsweise Gewinnzahlen), getätigte oder bevorstehende strategische Entscheidungen oder Prognosen zur Entwicklung der relevanten Märkte.

Experimente: Primat gegen Finanzanalyst

Lohnen sich diese aufwändigen Analysen der Finanzmärkte? Die Schwedische Tageszeitung Expressen hat ein einfaches Experiment gemacht und den Schimpansen Ola gegen fünf Börsenmakler antreten lassen. Die Probanden mussten eine Auswahl von Aktien treffen und so 10‘000 Schwedenkronen an der Börse anlegen. Während die Börsenmakler ihr Finanzwissen und ihre Fachkompetenz in die Waagschale warfen, traf der Schimpanse seine Auswahl mittels eines Dartpfeils und einer Liste mit den Titeln der Stockholmer Börse. Das Ergebnis: Der Affe schlägt die Börsenmakler.

Wie ist dies zu erklären? Wer einen ausserordentlichen Zufall oder eine Schwäche der Gegner des Schimpansen vermutet, sei darauf hingewiesen, dass Ola nicht der einzige Primat ist, welcher es mit Börsenmaklern aufgenommen hat. Auch der russische Schimpanse Lula oder der amerikanische Kapuzineraffe Adam Monk schnitten in ähnlichen Experimenten besser ab als die meisten Investitionsfonds. Auch ein südkoreanischer Papagei schaffte es im Duell mit zehn Börsenmaklern auf die vorderen Plätze.

Wissenschaftlich durchgeführte Studien zeigen: Der Zufall schneidet im Durchschnitt etwa gleich gut ab wie ein Finanzanalyst. Der Schimpanse als Verkörperung des Zufalls setzt sich also in gewissen Fällen gegen einen Börsenmakler durch, er hat aber ebenso oft das Nachsehen. Nur in ersterem Fall entsteht jedoch eine medienträchtige Geschichte. Die oben erwähnten tierischen Experimente sind also eine verzerrte Auswahl von denjenigen Primaten, welche sich zufällig gegen professionelle Börsianer durchgesetzt haben und so den Sprung in die Medien geschafft haben. 

Aktienkurse reagieren schnell

Wenn ein Dartpfeil ebenso gute Anlageentscheidungen liefert, erscheint das Lesen von Finanznachrichten und das Studieren von Verläufen von Aktienkursen als Zeitverschwendung. Warum ist es so schwierig, Aktienkurse vorherzusehen? Der Hauptgrund liegt in der Schnelligkeit der Informationsverarbeitung an der Börse. Relevante Informationen wie beispielsweise unerwartete Gewinnsteigerungen, Fusionen oder Firmenübernahmen finden sich bereits nach wenigen Sekunden in den Kursen wieder. Wenn die amerikanische Zentralbank die Zinsen verändert, reagieren die Aktienkurse innerhalb einer halben Sekunde. Die Finanzanalysten aus den oben erwähnten Experimenten stützen sich also auf Informationen, auf welche die Kurse schon längst reagiert haben. Zu spät, um daraus Kapital zu schlagen.

Effizienz der Märkte

Wenn sich alle öffentlich zugänglichen Informationen in den Aktienkursen widerspiegeln und damit das Lesen der Finanzpresse nicht mehr zu besseren Anlageentscheidungen verhilft, spricht man von effizienten Märkten. Auch aus der Analyse des vergangenen Verlaufs der Aktienkurse lassen sich in diesem Fall keine zählbaren Schlussfolgerungen ableiten.

Eine Information ist dann wertvoll, wenn sie noch nicht kommuniziert ist. Geschäftsführer kennen die Gewinnzahlen ihrer Unternehmen bevor sie publik sind. Auch strategische Entscheide wie Firmenübernahmen sind bereits vor Veröffentlichung einem kleinen Personenkreis bekannt. Wer im Besitz solcher sogenannter Insiderinformationen ist hat einen wertvollen Wissensvorsprung gegenüber den anderen Marktteilnehmern. Das Nutzen von Insiderinformation zum eigenen Vorteil ist jedoch strafbar. Wer sich also nicht auf illegale Pfade begeben will, hat es sehr schwer, besser abzuschneiden als der Zufall.

Abschliessend können aus obigen Überlegungen folgende bestechend simple generelle Anlagetipps abgeleitet werden: Misstrauisch oder mindestens kritisch gegenüber Expertenmeinungen sein, welche gewisse Anlagen zum Kauf oder Verkauf empfehlen. Wenig handeln (kaufen und verkaufen) und damit die Transaktionskosten tief halten, d.h. nicht alle paar Monate aufgrund einer aufwändigen Neubeurteilung der Lage das Portfolio umschichten. Zur Reduktion des Risikos ist es schliesslich ratsam, nicht «alle Eier in einen Korb zu legen», sondern das angelegte Vermögen über verschiedene Firmen, Branchen und Märkte breit zu streuen.

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