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iconomix-Team, Sonntag, 11. Dezember 2016, 00:12

«Tiefe» Kindersterblichkeit – ein neues Phänomen

Die Kindersterblichkeit ist weltweit massiv gesunken. Während sie 1960 bei 18,2% lag, betrug sie 2015 noch 4,3%. Lesen Sie hier mehr über die Ursachen der «tiefen» Kindersterblichkeit.


Bild: pixabay – drkiranhania 

Natürlich sind auch 4,3% zu viel – 2015 starben insgesamt 5,9 Millionen Kinder, was gut 16‘000 pro Tag entspricht. Doch ist die massive Reduktion der Kindersterblichkeit ein Erfolg. Oxford-Ökonom und Gründer der Online-Plattform «Our World In Data» Max Roser gibt in seinem englischsprachigen Artikel «Child Mortality» einen fundierten Einblick in die Entwicklung der Kindersterblichkeit weltweit.

«Tiefe» Kindersterblichkeit – ein neues Phänomen

Die Kindersterblichkeit in der Schweiz liegt heute bei ungefähr 0,4%. Doch das war nicht immer so: Anfang des 20. Jahrhunderts waren es noch knapp 20%. Die Entwicklung der Schweiz ist dabei beispielhaft für jene der reichen Industrienationen.

In Entwicklungsländern ist die Kindersterblichkeit zwar deutlich höher, hat aber in den letzten Jahren – und insbesondere in den letzten zehn – ebenfalls rasant abgenommen. Während beispielsweise in Uganda 2003 125 von 1000 Kindern starben, waren es 2013 noch 66.

Die folgende interaktive Grafik zeigt unter anderem die Entwicklung Ugandas und der Schweiz. Die Zeitreihen weiterer Länder können hinzugefügt werden.

Kindersterblichkeit von 1751 bis 2013 in ausgewählten Ländern. Bild: OurWorldInData.org/child-mortality/ (CC BY-SA)

Ursachen für die sinkende Kindersterblichkeit

Als Ursachen für die sinkende Kindersterblichkeit nennt Roser…

  • ...die geringere Anzahl humanitärer Krisen. Wie in der obigen Grafik anhand der Zeitreihen der datenreichen Länder Frankreich und Schweden zu erkennen ist, unterlag die Kindersterblichkeit im 18. und 19. Jahrhundert deutlich höheren Schwankungen als in den beiden darauffolgenden Jahrhunderten. Diese Glättung über die Zeit reflektiert die sinkende Anzahl Kriege, Hungersnöte und sonstiger humanitärer Krisen. «Der Rückgang von Krisen ist ein wichtiger Treiber des immer höheren Lebensstandards», so Roser.
  • …das Wirtschaftswachstum. Wenig überraschend: Das durchschnittliche Einkommen ist mit der Kindersterblichkeit eines Landes negativ korreliert. Entsprechend verringert das Wirtschaftswachstum die Kindersterblichkeit.
  • …das höhere Bildungsniveau von Frauen. Viel wichtiger als das Wirtschafswachstum ist jedoch das Bildungsniveau der Frauen: Mehr als die Hälfte der Reduktion der globalen Kindersterblichkeit zwischen 1970 und 2010 kann gemäss Experten darauf zurückgeführt werden. Denn mit dem höheren Bildungsstand gehen eine vorausschauende Familienplanung sowie eine bessere Ernährung und Hygiene von Mutter und Kind einher. Grosses Potential, die Kindersterblichkeit zu verringern, haben Bildungsinterventionen dabei vor allem in Regionen mit einem relativ tiefen Bildungsniveau.
  • …Gesundheitsreformen. Ebenfalls wenig überraschend: Höhere Ausgaben im Gesundheitsbereich verringern die Kindersterblichkeit eines Landes.

Im Artikel von Max Roser finden Sie weitere Informationen, Tabellen und Grafiken und erfahren, warum eine tiefere Kindersterblichkeit nicht zur Überbevölkerung beiträgt:

Max Roser. «Child Mortality». (2016)


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Für das iconomix-Team,
Laura Felber

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