Wer hat, dem wird gegeben
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Wer hat, dem wird gegeben
Monday, 22. January 2018

Das Realeinkommen der unteren 50% der US-Bevölkerung hat sich seit 1980 nicht verändert. Dies zeigt eine neue Studie eines Forscherteams um Thomas Piketty.

Geld wächst und gedeiht nicht in jedermanns Garten gleich gut. Bild: pexels (CC)

Gemeinsam mit seinem Kollegen, Emmanuel Saez, und seinem ehemaligen Doktoranden, Gabriel Zucman, nimmt der französische Ökonomieprofessor Thomas Piketty in einer neuen Studie die Einkommensverteilung der USA von 1980 bis 2014 unter die Lupe. Im Fokus der Ökonomen steht dabei die Frage, welche Einkommensgruppe wie viel vom Wirtschaftswachstum profitiert hat.

Das Bruttonationaleinkommen (BNE) der USA, das alle von US-Bürgern und -Bürgerinnen im In- oder Ausland erzielten Einkommen aus Arbeit oder Vermögen erfasst, ist seit 1980 pro Erwachsenen um rund 60% gestiegen. Der reale durchschnittliche Jahreslohn in der unteren Hälfte der Einkommensverteilung hat sich in derselben Periode von 16'000 auf 16'200 USD erhöht. Dies entspricht einem Wachstum von 1,25%.

Die Hälfte der erwachsenen US-Bevölkerung hat also über 34 Jahre praktisch nicht vom Wirtschaftswachstum profitiert. Ein ähnlich tristes Bild zeigen auch Vergleiche der jährlichen Wachstumsraten. In den USA wuchs das BNE in besagter Periode im Schnitt um 1,4% per annum. Ein Blick auf die Einkommensverteilung zeigt, dass die Löhne der unteren 88% der US-Bürger und -Bürgerinnen eine tiefere Wachstumsrate als der Durchschnitt aufwiesen.

Dabei muss erwähnt werden, dass diese Zahlen nicht konkreten Individuen über die Zeit zugeordnet werden können, sondern aufgrund der Einkommensverteilung im jeweiligen Jahr berechnet werden. Zudem folgen die Ergebnisse aus dem Vergleich der Einkommen vor Steuern und Leistungen, wie beispielsweise Sozialversicherungsbeiträge oder die in den USA abgegebenen Lebensmittelmarken.

Betrachtet man die Verteilung nach Steuern und Leistungen, haben sich die Einkommen der unteren 50% seit 1980 durchschnittlich um 20% verbessert. Die Studie zeigt also auch, dass das Einkommenswachstum bei den Ärmsten vor allem der Umverteilung durch den Staat zu verdanken ist. Da diese 20% aber ein gutes Stück unter der durchschnittlichen Einkommenszunahme von 60% liegen, hat die Ungleichheit von 1980 bis 2014 trotz der staatlichen Interventionen stark zugenommen.

 

Im Podcast-Gespräch mit Russ Roberts von EconTalk berichtet Co-Autor Gabriel Zucman weitere erstaunliche Resultate und erläutert die Methodologie der Studie.

Der französische Ökonomieprofessor Thomas Piketty lehrt seit 2007 an der Paris School of Economics und hat 2013 mit seinem Buch «Das Kapital im 21. Jahrhundert» die Debatte um die Ungleichheit neu angeheizt.

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