Elektroautos in China
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Elektroautos in China
Monday, 15. July 2013

Elektroautos werden von Peking angesichts der Energieprobleme und Umweltverschmutzung massiv gefördert. Doch niemand kauft sie. Das totale Versagen einer Strategie.

Der Kauf eines Elektroautos wird China extrem subventioniert. Doch ohne Aufladestationen nutzt das dem geneigten Käufer nicht viel. (Bild: E.Tester)

Seit März hat China die USA als grösster Rohölimporteur der Welt überholt und ist nach Amerika der zweitgrösste Ölkonsument. Das ist nur zum geringeren Teil der jüngsten Energierevolution in den USA zuzuschreiben und zum Hauptteil dem immer rascher wachsenden Energiehunger Chinas. Schon seit längerem ist das Land der grösste Energieverbraucher der Welt, 2012 verschlang China mit 3,5 Mrd. Tonnen SCE (Standard Coal Equivalent) mehr als 20% des gesamten Weltbedarfs an Energie. Der Pro-Kopf-Konsum macht erst ein Viertel desjenigen der USA aus, doch gemäss der Internationalen Energieagentur IEA steigt der weltweite Energieverbrauch bis 2035 um mehr als ein Drittel: Für 60% der Zunahme werden Indien, der Nahe Osten und vor allem China verantwortlich sein.

Während fossile Energieträger in den OECD-Ländern an Bedeutung verlieren, steigt ihr Verbrauch in den Schwellenländern weiterhin rasant. Der Ölverbrauch in China hat sich in der letzten Dekade verdoppelt. Auf das Konto Autos fallen rund 45% des gesamten Ölbedarfs Chinas. Dabei gelangen jeden Monat 1,2 Mio. neue Fahrzeuge auf die Strassen. Nimmt der Verkehr im Ausmass der letzten Jahre zu, wird die Energiesituation Chinas noch prekärer. Und Chinas wichtigste Energiequelle Kohle stellt ein riesiges Umweltproblem dar.

Extrem subventionierte EV

Kein Wunder, steht die Energiereform ganz oben auf Pekings Prioritätenliste. Neben mehr Markt und einer flexibleren und kostennäheren Preissetzung der Energieträger will Peking in grossem Stil erneuerbare Energien fördern und die eigenen entsprechenden Ressourcen besser nutzen. Zu diesen Bemühungen gehört seit Jahren schon die massive Förderung von Elektroautos (EV) in Städten wie Schanghai und Peking.

In Schanghai zum Beispiel fahren viele Autobesitzer täglich mit ihrer Karosse zur Arbeit. Die Distanzen sind relativ kurz – zehn bis zwanzig Kilometer – und zudem vorhersehbar. Damit fällt der häufig bemängelte Nachteil von EV, nämlich die bescheidene Reichweite pro Batterieladung, kaum ins Gewicht.

Doch obwohl an den superlativen Autoshows in Schanghai oder Peking die ökologischen Fahrzeuge ins Scheinwerferlicht gestellt werden, kauft sie kaum jemand. Das ist auf den ersten Blick umso erstaunlicher, weil der Erwerb eines Elektroautos mit enormen Vergünstigungen und Anreizen einhergeht. Der Käufer in Schanghai erhält sofort und gratis ein Nummernschild. Für kraftstoffbetriebene Autos müssen an der monatlichen und zahlenmässig limitierten Nummernschildauktion 10 000 Fr. und mehr für eine Autonummer bezahlt werden. Der EV-Kauf wird landesweit mit einem Regierungszuschuss von bis zu 60 000 Yuan (9000 Fr.) subventioniert, bei einem Verkaufspreis von 130 000 Yuan für die günstigsten Modelle.

Im Nordwesten Schanghais im Distrikt Jiading, befindet sich Anting, einer der Cluster der chinesischen Automobilindustrie. Bekannt ist Anting auch wegen dem Shanghai Circuit, wo jeweils die Formel-1-Rennen stattfinden. Ebenfalls in Anting ansässig ist die EV International Pilot City, wo in grossem Stil Forschung und Entwicklung für Elektroautos betrieben wird – zu 80% von deutschen Unternehmen. Doch bislang mit wenig Markterfolg. Behördlich geplant gewesen waren bis Ende 2015 eine halbe Million Elektrofahrzeuge auf Chinas Strassen, 5 Millionen bis 2020.

Doch niemand kauft sie

Doch zurzeit gibt es in ganz China erst 28 000 EV, die meisten davon in öffentlichem Besitz. In Schanghai wurden 2010 anlässlich der Expo 2000 EV-Taxis in Betrieb gesetzt. In privatem Besitz befinden sich heute in Schanghai nur gerade rund 400 Elektroautos. Auch die EV-Projektleiter von Anting sind enorm enttäuscht und geben an, froh zu sein, wenn sich diese Zahl bis 2015 auf 2000 erhöht. Zum Vergleich: In Europa sollen 2012 rund 18 000 EV verkauft worden sein.

Weshalb hat die EV-Strategie der chinesischen Behörden bislang so kläglich versagt? Am Strompreis liegt es nicht, denn der wird ebenfalls subventioniert: Ein Kilometer Fahrt im EV kostet nur ein Fünftel der entsprechenden Kosten für ein Kraftstoffauto. Das Problem liegt einerseits an den Elektroautos selbst und anderseits an der Umsetzung der Strategie und an der chinesischen Bürokratie.

Bislang konnte keine EV-Technologie restlos überzeugen. Dazu kommt, dass in China ein Auto einen hohen Stellenwert als Statussymbol hat und Geschwindigkeit und PS diesen Status natürlich erhöhen. Wer sich ein Auto leisten kann, denkt in den wenigsten Fällen an die Umwelt oder an die Betriebskosten.

Es gibt keine Aufladestationen

Aber deutlich wichtiger für das Versagen der EV-Strategie ist ihre Umsetzung. Aufladestationen für die EV-Batterien gibt es für das Publikum zwar in Anting, aber sonst fast nirgendwo in Schanghai. Das Laden der Batterien zuhause ist in den meisten Fällen nicht möglich, da viele Garagen über keine Steckdosen verfügen. Man kann zwar für etwa 300 Fr. eine eigene Ladestation kaufen, aber die Stromabrechnung wirft in den grossen Wohnkomplexen Schanghais weitere Probleme auf. Oft wird das Aufstellen einer Ladestation erst gar nicht erlaubt.

Das Fördern von EV ist schön und gut, aber weshalb baut die Regierung nicht die nötige Infrastruktur dazu? Die Antwort liegt gemäss einer nicht repräsentativen Umfrage in der chinesischen Bürokratie. Die Gelder, die für Forschung und Entwicklung und Vorzeigeprojekte munter – auch in die Taschen der Verantwortlichen – fliessen, sind für entsprechende Infrastruktur kläglich gering. Mit Schein und Pomp können die Funktionäre mehr Geld verdienen als mit der EV-Realität. Schade, denn Elektroautos wären für eine Stadt wie Schanghai geradezu prädestiniert.

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