37 Millionen Tausendernoten
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37 Millionen Tausendernoten
Freitag, 15. März 2013

Über die Hälfte der Geldscheine im Umlauf sind Tausendernoten. Seit der Finanzkrise nahm ihre Anzahl um 13 Millionen Stück zu. Trotzdem bekommt man sie im Alltag nur selten zu sehen. Erklärungsversuche verschiedener Medien.

Bild: Wikipedia

Im Statistischen Monatsheft gibt die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekannt, dass sich gegen Ende Dezember über 37 Millionen Tausendernoten im Umlauf befanden. Vor zehn Jahren waren es noch 22 Millionen Stück. Gemäss der SNB deutet diese Zunahme darauf hin, dass die Noten nicht nur als Zahlungs- sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel gebraucht werden.

Der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann macht in einem Blogbeitrag darauf aufmerksam, dass der Umlauf der Tausendernoten ein guter Krisenindikator ist. In der Vergangenheit nahm der Umlauf der höchsten Schweizer Banknote in Krisen schlagartig zu. Sobald die Krise jedoch ausgestanden war, nahm ihr Umlauf wieder ab. Die anhaltende Zunahme interpretiert Tobias Straumann damit, dass die Eurokrise noch nicht vorüber ist. Aus Angst vor einem Währungs- und Bankenkollaps flüchten viele Menschen noch immer mit dem als sicher empfundenen Schweizer Franken in die Bargeldhaltung.

Gemäss 20 Minuten Online kann dieser Kriseneffekt aber nicht die ganze Zunahme erklären. Trotz der Entspannung der Eurokrise seit Sommer 2012 steigt der Umlauf der Note mit dem Kopf des Kunsthistorikers Jacob Burckhardt ununterbrochen an. Das Newsportal ist der Ansicht, dass der Run auf die Tausender mit der Diskussion zur Aufhebung des Bankgeheimnisses zusammenhängt. Aus Angst vor einer möglichen Besteuerung oder Anklage, heben Steuerflüchtlinge Bargeld vom Konto ab – und dies geht am effizientesten mit dem Tausenderschein.

Auch andere Medien bezweifeln, dass die Zunahme der Tausendernoten nur auf Gründen der krisenbedingten Wertaufbewahrung basiert. So schreibt die «Zeit», dass in der Schweiz die Grossbanken eine implizite und die Kantonalbanken eine explizite Staatsgarantie geniessen. Zudem legen Menschen und Unternehmen, die Banken misstrauen, ihre Notreserven eher in Gold als in Bargeld an.

Die «Zeit» meint weiter, dass die Schweiz eine attraktive Währung für Geldwäscherei und kriminelle Aktivitäten zur Verfügung stelle. Bargeld ist in illegalen Kreisen sehr beliebt – hinterlässt es doch wenig Spuren. Jedoch ist der Transport mit Risiko und Aufwand behaftet. Je mehr Bargeld in einem Koffer passt, desto praktischer.

Die Tausendernote ist nach dem Singapur-Zehntausender die wertvollste Banknote der Welt. Zum Vergleich: In den USA ist die höchste Banknote nur 100 US-Dollar wert. Gemäss der «Zeit» passen in eine Zigarettenschachtel 20‘000 Euro oder 40‘000 Schweizer Franken. «Dies ist eine Menge Geld in einer soliden Währung.»

Der Wert einer Banknote ist allerdings relativ und kann sich über die Zeit ändern. So sah die Situation bei der Einführung des Euro noch ein weniger anders aus: Die höchste Note der europäischen Gemeinschaftswährung – der 500-Euro-Schein – war damals gut 800 Schweizer Franken wert (Euro-CHF Kurs Januar 1999: 1.61 CHF).

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Für das iconomix-Team
Patrick Keller

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