Lippenstifte, Fast-Food und die Konjunktur
Beschäftigung, Einkommen, Konjunktur
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Lippenstifte, Fast-Food und die Konjunktur
Sonntag, 15. Februar 2015

Was verraten Rocklänge, Lippenstifte und Fast-Food über den Zustand der Wirtschaft? Mehr über fünf aussergewöhnliche Konjunkturindikatoren.

Der «man-gönnt-sich-ja-sonst-nichts»-Effekt: In Rezessionen sollen mehr Lippenstifte verkauft werden. Bild: Wikipedia.

Mal geht sie hoch – mal wieder runter: Die Konjunktur. Doch wie fühlt man überhaupt den Puls der Wirtschaft? Einigermassen zuverlässige Daten über die Wirtschaftsleistung sind erst mit einiger Verzögerung vorhanden. Das ist unpraktisch. Schliesslich möchte man möglichst früh wissen, wie es der Wirtschaft gerade geht. Oder noch besser: Wie sich die Wirtschaft in Zukunft entwickelt.

Ökonominnen und Ökonomen schenken ihre Aufmerksamkeit daher Konjunkturindikatoren. Indikatoren sind nicht perfekt. Doch lässt sich damit zumindest ein grobes Bild über den Zustand der Wirtschaft skizzieren. Immer noch besser, als total im Dunkeln zu tappen.

Neben «seriösen» Indikatoren, wie der Konsumentenstimmung, Aktienkursen oder der Arbeitslosenquote, welche regelmässig von Instituten erhoben und analysiert werden, gibt es auch einige – sagen wir mal – etwas «weichere» Indikatoren. Diese sind zwar nicht über jeden wissenschaftlichen Zweifel erhaben, dafür umso amüsanter. Hier eine unvollständige Auflistung:

1. Lippenstifte

In Krisenzeiten sollen mehr Lippenstifte verkauft werden. Die Idee dahinter ist, dass Menschen auch in wirtschaftlich mageren Zeiten weiterhin Luxusartikel konsumieren wollen. An die Stelle der teuren Handtasche tritt jedoch der Lippenstift. Der ist zwar kein Vergleich zur Markenhandtasche – doch er versprüht zumindest einen kleinen Hauch von Luxus. Expertinnen und Experten sind sich allerdings uneins, ob dieser Effekt tatsächlich auftritt. Mehr dazu in einem Artikel von «The Economist» (22.09.2009, englisch).

2. Rocklänge

Dies ist der wohl bekannteste unter den «weichen» Indikatoren. Er besagt, dass in wirtschaftlich schlechten Phasen die Rocksäume der Frauen länger werden. Dies funktionieren unbewusst: Herrscht gerade Ebbe im Portemonnaie, so soll auch das Auftreten nicht zu frivol wirken. Anscheinend lässt sich dieser Effekt bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen. Mehr darüber in einem Artikel des «Süddeutschen Zeitung Magazins» (04.2008). Übrigens: Ähnlich vermag es sich gemäss Recherchen der IBM mit der Absatzhöhe von Frauenschuhen verhalten.

3. Anzahl «First-Dates»

Partnervermittlungsdienste sind stärker gefragt in Krisenzeiten. Die amerikanische Vermittlungsagentur «match.com» erklärt dies damit, dass sich Menschen in schlechten Zeiten Zuflucht bei jemand anderem wünschen. Ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Mehr dazu in einem Artikel (12.06.2009, englisch) von «Yahoo».

4. Fast Food

Geht es der Wirtschaft schlecht, hat Ronald McDonald gut lachen. Etwas weniger gut lachen hat die Figur: In den USA ernähren sich Menschen in Rezessionen fettiger, weil billiger. Experten sprechen liebevoll von den «Rezessionspfunden». Bemerkenswert ist, dass wir heute in westlichen Ländern ein Wohlstandsniveau erreicht haben, in welchem Menschen in harten Zeiten nicht ab, sondern zunehmen. Ein Artikel (24.07.2008) des «Spiegels» erklärt mehr.

5. Attraktivität von Kellnerinnen

Harzt die Wirtschaft, läuft es sich auch auf dem Laufsteg nicht mehr wie geschmiert. Weil Models dann weniger Aufträge bekommen, halten sich einige von ihnen mit Bar-Jobs über Wasser. Daher soll gemäss dem «New York Magazine» (02.08.2009, englisch) die durchschnittliche Attraktivität der Bedienung in Krisenzeiten höher sein. Wie diese Attraktivität gemessen wird, ist ebenso fraglich, wie die Glaubwürdigkeit dieses Indikators.

Wer diesen Indikatoren zu wenig Vertrauen entgegenbringen kann, dem sei das iconomix Modul «Konjunkturtendenzen» ans Herz gelegt.

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Zum Thema:

Patrick Keller,
Masterstudent in Volkswirtschaft an der Universität Zürich und ehemaliger Praktikant bei iconomix.

Dies ist ein Gastbeitrag. Inhaltlich verantwortlich ist der jeweilige Autor, die jeweilige Autorin.

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