Warum Eigenkapital sexy ist
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Warum Eigenkapital sexy ist
Montag, 29. April 2013

Bankenkrisen zu verhindern ist einfach: Gib den Banken mehr Eigenkapital und höre nicht auf die Banker!, so Anat Admati und Martin Hellwig in ihrem neuen Buch «The Banker’s new Clothes».

Bild: Princeton Press

Eine Bäckerei macht Verluste. Die Eigentümer stehen mit ihrem Eigenkapital dafür ein. Reicht das Eigenkapital nicht aus, geht die Bäckerei Konkurs.

Je mehr Eigenkapital die Bäckerei hat, desto besser ist sie gegen vorübergehende Verluste gepolstert. Geht sie trotzdem Konkurs, ist dies eine Tragödie für die Besitzer und ärgerlich für die Stammkunden. Hohe Wellen wird dieser Konkurs aber kaum schlagen.

Bei Banken sieht das anders aus. Ihr Konkurs kann einen Tsunami auslösen, der das ganze Finanzsystem zum Einsturz bringen kann. Weil dies hohe Kosten für die Bevölkerung und die Realwirtschaft mit sich bringt, will der Staat Bankkonkurse verhindern. Im Notfall rettet er die Bank mit Steuergeldern.

Die Bank weiss das. Sie braucht sich gar nicht erst mit einer dicken Eigenkapitaldecke zu polstern. Fährt sie Verluste ein, so wird der Staat sie schon retten. Schliesslich will dieser ja keine Bankenkrise riskieren, denkt die Bank.

Dies kommt den Banken sehr gelegen. Eigenkapital finden sie nämlich äusserst unsexy. Grund dafür ist eine Kennzahl: die Eigenkapital-Rendite. Banker verehren sie wie eine Gottheit – nicht zuletzt, weil in der Regel die Boni der Bankmanager daran gekoppelt sind.

Die Eigenkapital-Rendite wird folgendermassen berechnet:

Eigenkapital-Rendite = Gewinn / Eigenkapital

Je tiefer das Eigenkapital, desto höher ist die Eigenkapital-Rendite. Wie allgemein bekannt ist, steigt mit höherer Rendite aber auch das Risiko. Nicht so bei Banken – zumindest nicht bei denjenigen Banken, deren Untergang einen Finanz-Tsunami auslösen würde: Für sie gibt es kein Risiko nach unten. Die Verluste übernimmt im schlimmsten Fall der Steuerzahler.

Mehr Rendite ohne höheres Risiko. Mal ehrlich: Wer würde diesem Deal nicht zustimmen?

Die Leidtragenden sind die Steuerzahler. Sie subventionieren das ertragreiche, aber auch risikoreiche Geschäft der Banken und leiden im Falle eines Crashs unter den wirtschaftlichen Folgen einer Bankenkrise.

Aber: Warum zwingt man die Banken nicht einfach mehr Eigenkapital zu halten?

Diese Frage haben sich die beiden hochkarätigen Wissenschaftler Anat Admati und Martin Hellwig in ihrem Buch «The Banker’s new Clothes» gestellt. Admati ist Professorin in Standford und Hellwig zählt zu den wichtigsten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. 

Ihre Antwort: Es besteht ein Konflikt zwischen den Interessen der Banker und dem Gemeinwohl.

Mit falschen Argumenten haben die Banker Politiker, Aufsichtsbehörden und Wähler in die Irre geführt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen. «80% der Argumente der Banker sind unbrauchbar», so Hellwig.

Ein klassisches Argument der Banken: «Eigenkapital ist teuer. Wenn wir mehr davon haben, müssen wir die Kredite an die Realwirtschaft verteuern. Darunter wird unsere Volkswirtschaft leiden.»

«Unsinn», kontern die beiden Autoren. Eigenkapital ist nur teuer, wenn die Banken wenig davon halten. Weil das Risiko dann grösser ist, müssen sie die Aktionäre auch mit einer höheren Eigenkapital-Rendite entschädigen. Mehr Eigenkapital führt zu geringeren Eigenkapitalkosten. Punkt.

Admati und Hellwig verlangen eine Eigenkapitalquote von 20% bis 30%. Für Banker astronomische Zahlen. Zum Vergleich: Die Eigenkapitalquote der UBS vor Ausbruch der Finanzkrise betrug 2.5%. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt aber, dass Banken zu Beginn des 20. Jahrhunderts ähnlich hohe Eigenkapitalquoten aufwiesen, wie sie von den Autoren gefordert wird.

Ein anderes, vielgehörtes Argument der Banker gegen Regulierung lautet, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Banken darunter leidet. Dies schmälert deren Gewinne und somit auch den Betrag, den die Banken in den Steuertopf einzahlen.

Hier muss der Staat aber Kosten und Nutzen gegeneinander abwägen. Die volkswirtschaftlichen Kosten einer potentiellen Bankenkrise sind enorm und um einiges höher, als die entgangenen Steuereinnahmen.

Die faktische Subventionierung der Banken führt auch zu einer ineffizienten Verteilung der Ressourcen. Banken benötigen für ihre risikoreichen und komplexen Tätigkeiten hochqualifizierte Akademiker, wie Physiker oder Mathematiker. Die subventionierten Banken können diese Fachkräfte mit hohen Salären für sich gewinnen. Möglicherweise wären diese teuer ausgebildeten Fachkräfte aber in anderen Branchen produktiver.

Der grösste Verdienst der beiden Autoren liegt darin, dass sie das Bankgeschäft entmystifizieren. Nicht-Bankern wird gerne Unwissenheit vorgeworfen, sollten sie sich kritisch gegenüber Banken äussern. Nach der Lektüre dieses Buches wird allen klar, dass auch Banker nur mit Wasser kochen.

The Banker‘s New Clothes: What’s Wrong with Banking and What to Do about It. Anat Admati und Martin Hellwig. Princeton University Press. (2013) – zur Zeit nur auf Englisch erhältlich.

Update (November 2013): Das Buch ist nun auch auf Deutsch erhältlich.

Lesen Sie auch: Bank Run in Zypern? oder Zahlungsverkehr der Schweiz

Zum Thema:

Für das iconomix-Team
Patrick Keller

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Cezmi Ben Dispinar - Interview mit der Autorin des Buches

Ein aktuelles Interview mit Anat Admati über das Buch findet sich in diesem Blog: goo.gl/1s2N5

01.05.2013 Antworten