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Macht Lotto süchtig?
Das staatlich garantierte Monopol auf Lotterien wird gemeinhin damit begründet, dass Glücksspiele süchtig machen können. Wird eine Lotterie von einer gewinnorientierten Unternehmung bereitgestellt, so bestehen Anreize, aus dem Suchtpotential des Glückspiels Kapital zu schlagen. Wird das Glücksspiel hingegen verboten, so droht die Abwanderung in die Illegalität.
Die gegenwärtige Ausgestaltung vieler staatlichen Lotterien ist aus ökonomischer Sicht dennoch kritisch zu beurteilen. Einerseits wird das Suchtpotential von Lotterien bestätigt.[1] Andererseits weist eine Vielzahl von Studien darauf hin, dass insbesondere Haushalte mit tiefen Einkommen überdurchschnittlich viel von ihrem Budget für Lotterien verwenden.[2]
Problematisch ist dies, weil ein Grossteil der Spieleinsätze nicht an die Spieler zurück fliesst, sondern an die öffentlichen Kassen verteilt wird. Würden solche Gelder ausschliesslich zur Deckung der von den Spielern verursachten gesellschaftlichen Kosten verwendet werden (den negativen Externalitäten), so wäre wenig dagegen einzuwenden.
Dies ist aber nicht der Fall.[3] Vielmehr besteht mit den Lotterien ein Modell, welches in seiner Wirkung den verbreiteten Gerechtigkeitsüberlegungen zuwider läuft. Weniger vermögende Haushalte zahlen relativ mehr für die daraus finanzierten Leistungen. Ähnlich kann bei der Tabaksteuer argumentiert werden. Auch hier werden die gesellschaftlichen Kosten mehrheitlich tiefer ausgewiesen, als die damit verbundenen Steuereinnahmen.[4]
Für hohe Tabaksteuern spricht hingegen die gut dokumentierte Verhaltensweise, dass der gegenwärtige Nutzen aus dem Konsum deutlich höher gewichtet wird als der zukünftige. So wird die Absicht, zum Neujahr mit dem Rauchen aufzuhören, nur selten umgesetzt. Am besagten Tag ist der erwartete Nutzen aus dem Konsum einer Zigarette deutlich höher, als man noch vor Monaten gedacht hatte. Hier soll eine Verteuerung der Tabakerzeugnisse dazu führen, dass eine alternative Verwendung des Geldes attraktiver erscheint. Die Steuer dient dazu, einem verbreiteten Selbstkontroll-Problem entgegen zu wirken.
Ein Mechanismus zum Selbstschutz findet sich auch bei der hiesigen Lotterie wieder. So soll das Ausschütten von nur 54% der Spieleinsätze zu einer verminderten Attraktivität des Glücksspiels führen. Das regelmässige Erreichen von Höchstständen in Millionenhöhe lässt hingegen an der Wirksamkeit des Mechanismus zweifeln.
Sinnvollerweise beschränkt man daher den eigenen Lotto-Konsum auf jenen Geldbetrag, den man für gemeinnützige Projekte ohnehin auszugeben bereit wäre. Der zusätzliche Nervenkitzel ist der Lohn für die gute Tat.
Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser
[1] Guryan und Kearney (2009): «Is Lottery Gambling Addictive?» Working Paper 14742, National Bureau of Economic Reserach.
[2] Bspw. Worthington (2001): «Implicit Finance in Gambling Expenditures,» Public Finance Review, 29, 326-342.
[3] Bspw. fliessen 30% der bei Swisslos gespielten Spieleinsätze in kantonale Fonds. 323 Mio. Franken waren es für das Jahr 2008. Die kantonalen Fonds unterstützen damit gemeinnützige Projekte in den Bereichen Kultur, Natur, Soziales und Entwicklungshilfe.
[4] Gruber und Köszegi (2001): «Is Addiction Rational? Theory And Evidence,» The Quarterly Journal of Economics, 116, 4, 1261-1303.
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