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Schweizerische Nationalbank

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Montag, 27. September 2010,
10:52

SF Börse-Game startet Ende September

Stellen Sie sich vor, Sie sind Börsenmaklerin oder Börsenmakler und können nach Belieben Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Das Besondere dabei: Echtes Geld gibt es keines zu verlieren!

Diese Idee greift das SF Börse-Gamewww.sf.tv/... auf, das nach 2009 dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt wird. Die Teilnehmenden starten mit einer virtuellen Summe von 10 000 Franken, die sie an in- und ausländischen Börsenplätzen wie der Schweizer Börse SIX oder der New Yorker Stock Exchange (NYSE) in Echtzeit investieren können. Vom 4. Oktober an haben die Teilnehmenden drei Monate Zeit, durch den Handel mit Titeln von vier bekannten Indizes (und in eingeschränktem Mass auch von einfachen Optionen) eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Dem Gewinner winkt ein Portfolio im Wert von «echten» 5000 Franken.

Die Teilnahme ist kostenlos. Das Mindestalter beträgt 19 Jahre («ab vollendetem 18. Lebensjahr»). Anmeldeschluss ist der 29. September 2010.

Für das iconomix-Team
Carolin Straus

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Freitag, 24. September 2010,
17:40

Gesundheit fürs Portemonnaie

Man hat sich bereits daran gewöhnt: Jahr für Jahr erhöhen Kranken­kassen ihre Prämien, weil die Versicherungsausgaben für Gesundheit zugenommen haben. Laut Statistik betrug das durchschnittliche Kostenwachstum im Bereich der obligatorischen Krankenversicherung seit 1998 rund 4,5 Prozent pro Jahr. In den zehn Jahren bis 2008 sind die jährlich pro Person abgerechneten Beträge gesamthaft um über 50 Prozent angestiegen:[1]

Allgemeine Tendenzen wie die Alterung der Bevölkerung, der medizinische Fortschritt oder die gestiegenen Gesundheitsansprüche erklären diesen Kostenanstieg nur zum Teil. Mit verantwortlich für den Kostenschub ist ein grundsätzliches versicherungsökonomisches Problem: Gesundheitsleistungen, die über die Krankenkasse abgerechnet werden, sind aus der Perspektive der versicherten Personen zu billig.

Oder anders gesagt: Es gibt ein Problem des moralischen Risikos; Gesundheitskosten lassen sich zu leicht auf die Allgemeinheit überwälzen. Ist die Jahresprämie einmal bezahlt, so liegen die zusätzlichen Kosten eines weiteren Arztbesuchs oder eines zusätzlichen Spitaltages nahe bei Null. Dieser verzerrte Anreiz verringert die Bemühungen der Versicherten, ihren Leistungsbezug in Grenzen zu halten und hat zur Folge, dass zu viele «unnötige» Leistungen beansprucht werden.

Wie das Verhalten der Versicherten in eine entgegengesetzte Richtung zu lenken sei, dafür gibt es diverse Ideen. Einige davon wurden bereits verwirklicht: Beispielsweise wurde es Krankenkassen erlaubt, in ihre Versicherungsmodelle eine Franchise und einen Selbstbehalt einzubauen. So erhöhen sich die Grenzkosten, die dem Versicherten beim Bezug einer Gesundheitsleistung anfallen. Weil dies eine Senkung der fixen Versicherungsprämie erlaubt, wählen bereits heute über 50 Prozent der Versicherten eine Franchise, die über den Mindestwert von 300 Franken hinaus geht.

Ebenfalls etabliert haben sich sogenannte Hausarztmodelle. Diese Modelle gewähren dem Versicherten eine Prämienreduktion, wenn er sich verpflichtet, vor jedem Besuch eines Spezialarztes seinen Hausarzt zu konsultieren. Dem Hausarzt kommt in diesem, von über einem Drittel der Versicherten gewählten Versicherungstyp die Rolle eines «Gatekeepers» zu: Er entscheidet über den Zugang zum System bzw. darüber, ob die Kosten eines Spezialarztbesuches von der Versicherung übernommen werden müssen.

Noch weiter gehen sogenannte «Managed Care Modelle». Diese Modelle basieren auf Zusammenarbeitsverträgen zwischen Krankenversicherern und Ärzten und sehen für letztere eine Budgetverantwortung vor: Wird das für einen Versicherten festgelegte, jährliche Gesamtbudget überschritten, so beteiligen sich die Ärzte an den zusätzlich entstehenden Kosten. Laut einer Studie des CSS-Instituts können mit Managed Care Modellen bis zu 20 Prozent an Kosten eingespart werden.[2]

Eine der umstrittenen Massnahmen ist die Aufhebung des Vertragszwangs unter Krankenversicherungen und Leistungserbringern. Laut den gegenwärtigen Bestimmungen sind Versicherer verpflichtet, alle Ärzte, Kliniken und Spitäler als Vertragspartner zu akzeptieren und deren Rechnungen zu bezahlen. Eine Aufhebung dieser Regel würde den Wettbewerb unter den Leistungserbringern intensivieren und die Verhandlungsmacht von Versicherungen stärken. Kein Wunder, dass sich Ärzte und Spitäler gegen diese Idee zur Wehr setzen – bislang erfolgreich.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 26. September 2010www.iconomix.ch/....

[1] BAG (2010): «Statistik der obligatorischen Krankenversicherung 2008».

[2] Konstantin Beck (2009): «Effizienzsteigerung dank Managed Care?www.css-institut.ch/...»

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Donnerstag, 23. September 2010,
09:29

… news zu den Spreads

Über die griechische Staatsschuldenkrisewww.iconomix.ch/... haben wir zuletzt im Juni dieses Jahres berichtet – höchste Zeit, einen Blick darauf zu werfen, wie die Finanzmärkte die Situation einige Monate nach dem Beinahe-Staatsbankrott des Landes einschätzen (Klick aufs Bild um zu vergrössern):

Die Renditen auf zweijährige griechische Staatsanleihen scheinen sich nach ihren Höhenflügen im April und Mai nun auf einem Wert von rund 10 Prozent einzupendeln. Offenbar trauen die Märkte dem griechischen Staat einigermassen zu, dass er seine kurzfristigen Schulden zurückzahlen kann.

Anders sieht es bei den zehnjährigen Staatsanleihen aus: deren Renditen sind über den Sommer hinweg angestiegen und liegen nun beinahe wieder auf dem Niveau des Krisenhöhepunktes. Dies kann dahingehend gedeutet werden, dass die längerfristige Zahlungsfähigkeit des griechischen Staates pessimistischer beurteilt wird.

Weshalb? Die Finanzhilfewww.iconomix.ch/... von EU und IWF läuft in drei Jahren aus – wie es danach aussieht, weiss auch an den Finanzmärkten noch niemand.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

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Dienstag, 21. September 2010,
11:57

Start spreading the news...

In der Blogserie «Rezensionenwww.iconomix.ch/...» verweist das iconomix-Team auf interessante Zeitungsberichtewww.iconomix.ch/..., herausragende Bücherwww.iconomix.ch/... oder aussergewöhnliche Videofilmewww.iconomix.ch/.... Wir picken für Sie diejenigen Medienbeiträge heraus, die uns beim Durchstöbern von Zeitung und Web positiv auffallen und aus unserer Sicht zum besseren Verständnis der wirtschaftlichen Aktualität beitragen.

Unsere heutige Aufmerksamkeit gilt der gekürzten Ausgabe der New York Times, die dem Tages-Anzeigerwww.tagesanzeiger.ch neu jeweils am Montag beiliegt. Bereits in der ersten Ausgabe vor zwei Wochen liess der Frontartikel zur aktuellen Wirtschaftslage in China und den USA unsere Ökonomenherzen höher schlagen: Unter dem Titel «Two Economies, Different Remedies(1.8 MB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/10/Different_economies.pdf» wird aufgezeigt, wo den beiden Wirtschaftsmächten jeweils der Schuh drückt und was nach ökonomischer Expertenmeinung dagegen zu unternehmen wäre.

Auch die gestrige Ausgabe wartet auf der Frontseite mit einem ökonomischen Dauerbrenner auf. Der Artikel «The Resource Trap(1.4 MB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/10/Resource_trap.pdf» illustriert am (unerwarteten) Beispiel von Chile, wie sich Länder in einer «Rohstoffalle» verfangen können und so am wirtschaftlichen Fortkommen gehindert werden – ein Thema, das auch den iconomix-Blogwww.iconomix.ch/... schon beschäftigt hat. Spannend zu lesen waren auch die Berichte über chinesische Textilunternehmen in Italien und über die Jobsorgen junger Japanerinnen und Japaner, die im hinteren Teil der Zeitung zu finden sind.

Sogar die Krugman-Kolumnekrugman.blogs.nytimes.com ist in der NY-Times-Kurzausgabe originalgetreu abdruckt – was uns als gelegentliche Krugman-Referenten natürlich besonders freut.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

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Freitag, 17. September 2010,
11:47

Kollektives Entscheiden

Eine Vielzahl richtungsweisender Debatten wird im Rahmen von Expertengruppen geführt. Man denke beispielsweise an die vom Bundesrat eingesetzte Kommission zur Limitierung von volkswirtschaftlichen Risiken durch Grossunternehmen (Too Big to Fail).

Ausschlaggebend für das Delegieren eines Auftrages an eine Expertengruppe ist die Überlegung, dass jedes Mitglied hochwertige persönliche (private) Informationen besitzt, welche im Meinungsaustausch öffentlich gemacht werden. Der Entscheidungsträger kann dadurch auf das gesammelte Wissen aller Experten zurückgreifen, was zu einem besseren Urteil führen sollte.

Die Erfahrung aber lehrt uns, dass Gruppenentscheide einer eigenen Dynamik ausgesetzt sind. Als Beispiele für weitreichende Fehlentscheide von Expertengruppen werden häufig die Invasion in der Schweinebuchtde.wikipedia.org/... oder das Challenger-Unglückde.wikipedia.org/... angeführt. Aber auch aktuellere Geschehnisse wie der Irakkrieg 2003 oder die Subprimekrise können damit begründet werden.

Die wohl bekanntesten Erklärungsversuche liefert dabei der Psychologe Irving Janis mit seinen Überlegungen zum «Gruppendenkende.wikipedia.org/...». Gefahren sieht er vor allem im ausgeprägten Einigkeitsbestreben, was dazu führen kann, dass sich einzelne Mitglieder nicht gemäss ihrer persönlichen Überzeugung sondern gruppenkonform verhalten. Gruppendynamische Prozesse können so zu deutlich extremeren Positionen führen, als wenn jedes einzelne Mitglied ohne vorhergehende Beratung im Kollektiv seine Meinung bekannt machen würde. Besonders deutlich trete dieses Verhalten innerhalb homogener, von der Aussenwelt abgeschirmter Gruppen zu Tage.

Dem psychologischen Ansatz, welcher die Irrationalität als wichtiges Motiv identifiziert, kann das ökonomische Deutungsmuster zur Seite gestellt werden. Dieses erklärt das beobachtete Verhalten anhand individueller, rationaler Entscheide. Unter dem Begriff des «rationalen Herdenverhaltens» wird dabei untersucht, unter welchen Gegebenheiten die eigene Meinung zugunsten jener der Gruppe aufgegeben wird respektive ob und wie die «Wahrheit» erfahren werden kann. Zum besseren Verständnis sei ein Beispiel angebracht:

Das 12-köpfige «Federal Open Market Committeede.wikipedia.org/...» (FOMC), welches als eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Gremien über die Geldpolitik der USA entscheidet, findet sich zur Besprechung ein. Frage: In welcher Reihenfolge sollen die Experten ihre Meinung kundtun, damit möglichst alle persönlichen Informationen öffentlich gemacht werden? Eines vorweg: eine für alle Situationen optimale Regel gibt es leider nicht, denn die jeweils beste Antwort hängt von der Überzeugungskraft jedes einzelnen Mitglieds, der Grösse der Gruppe und dem institutionellen Rahmen ab.

Grundsätzlich aber macht es in den wenigsten Situationen Sinn, das stärkste Mitglied an erster Stelle sprechen zu lassen. Der nachfolgende Sprecher nämlich zieht die neu gewonnene Information in seine Entscheidungsfindung mit ein. Da diese Information als besonders verlässlich gilt, wird er sich – auch bei einer ursprünglich anderslautenden Ansicht – der Position des stärkeren Mitglieds anschliessen, will er doch mit seiner Empfehlung möglichst richtig liegen.

Nach derselben Logik könnte das individuell stärkste Mitglied aber auch schwächer sein als zwei (oder mehr) leicht schwächere Experten zusammen. Sprechen diese zuerst und in ihrer Meinung übereinstimmend, so tritt erneut ein rationales Herdenverhalten auf, und zwar selbst dann, wenn alle nachfolgenden Experten persönlich anderer Auffassung sind. Einzig dann, wenn ein Mitglied derart überzeugend ist, dass es sich auch als einzelner gegen die vorherrschende Meinung durchzusetzen vermag, spielt die Reihenfolge der Meinungsäusserung keine Rolle.

Wirksam ist dieser Mechanismus, wenn die eigene Meinungsäusserung mit einem starken Gewinn (oder Verlust) an Reputation einhergeht. Insofern ist auch das oft besungene Mantra, dass mehr Transparenz besser sei, mit Vorsicht zu geniessen. Werden Beschlüsse nicht mit einer Stimme nach aussen getragen, so werden die Fehlentscheide einzelner Experten besser sichtbar, was die Neigung zu rationalem Herdenverhalten verstärkt.

Wohl nicht zufällig finden sich denn auch Hinweise darauf, dass seit der Einführung von erhöhter Transparenz an den FOMC-Meetings vermehrt informelle Treffen abgehalten werden, wo sich die einzelnen Experten unbeaufsichtigt austauschen können. Bei den offiziellen Meetings hingegen herrscht seither eine Tendenz hin zu mehr Konformismus:

 

Anzahl1989-921994-97Diff.
Meetings3232
Wortmeldungen und Voten325320-2%
Widersprechende Voten3513-63%
davon Mitglieder des Board of Governors162-88%
Widersprechende Wortmeldungen4827-44%
davon Mitglieder des Board of Governors175-71%
Meetings mit 3 oder mehr widersprechenden Voten94-56%
Meetings mit 3 oder mehr widersprechenden Wortmeldungen40-100%

Fazit: Das rationale Herdenverhalten kann einzig aufgrund der Reihenfolge der Meinungsäusserung dazu führen, dass gravierende Fehleinschätzungen zustandekommen. So trivial diese Einsicht ist, umso wichtiger wäre deren konsequente Berücksichtigung in kollektiven Entscheidungsprozessen. So ist bspw. bekannt, dass sich Alan Greenspan nicht davor scheute, jeweils zu Beginn eines FOMC-Meetings deutlich zu machen, wie die Lage seiner Meinung nach einzuschätzen sei.[1]

Eine denkbar schlechte Ausgangslage für gute Entscheide.

Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser

[1]  Swank, J., Swank, O., und Visser, B. (2008): How committees of experts interact with the outside world. Journal of the European Economic Association.

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Donnerstag, 16. September 2010,
10:35

Basel III

Vertreter von Notenbanken und der Finanzmarktaufsicht aus 27 Ländern haben sich dieses Wochenende in Basel über strengere Vorschriften für die Finanzbranche geeinigt. Das unter dem Namen «Basel III» ausgearbeitete Regelwerkwww.bis.org/... verpflichtet Banken im Wesentlichen, vergebene Kredite und eingegangene Risiken mit mehr eigenem Kapital zu hinterlegen. Durch das schrittweise Inkrafttreten von «Basel III» sollen Banken für künftige Krisen besser gewappnet sein.

Wer sich über die neuen Regulierungen informieren möchte, sollte sich auf der neu gestalteten Webseite des Schweizer Fernsehens umsehen und dabei das Wirtschaftsmagazin ECO nicht auslassen. In der aktuellen Sendungwww.videoportal.sf.tv/... werden Hintergründe und Ausgestaltung der von «Basel III» anschaulich erklärt. Interessant ist auch das Interviewwww.videoportal.sf.tv/... mit dem Basler Ökonomieprofessor Yvan Lengwiler sowie das kleine Lexikonwww.tagesschau.sf.tv/..., welches Begriffe wie «Kernkapital» oder «Mindestkapitalquote» erläutert und dem Laien etwas Klarheit ins Finanz-Kauderwelsch bringt.

Ob es für Grossbanken besonders strenge Vorschriften braucht, wurde in Basel noch nicht festgelegt. Auch der Schlussbericht der vom Bund eingesetzten Expertenkommission «Too big to fail» steht noch aus. Bereits eine Meinung gemacht hat sich hingegen die Presse, so zum Beispiel die NZZwww.nzz.ch/...: Will sie das Problem der faktischen Staatsgarantie wirklich entschärfen, so kommt die Schweiz nicht darum herum, erhöhte Kapitalanforderungen für systemrelevante Grossbanken einzuführen.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

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Freitag, 10. September 2010,
16:12

Wertvolles Wasser

Wasser ist eine erneuerbare Ressource und vollzieht einen natürlichen Kreislauf: Es fällt in Form von Regen oder Schnee auf die Erde, sammelt sich in fliessenden Gewässern, in Grundwasser und Meeren an und verdunstet von dort wieder in der Atmosphäre. Zwischenzeitlich wird es in Böden und Pflanzenwelt gespeichert und von Menschen als Trinkwasser, im Haushalt, in der Industrie und Landwirtschaft genutzt.

Trotzdem ist das Angebot an Wasser räumlich und zeitlich begrenzt. Wasser kann nicht in beliebigen Mengen verbraucht werden, denn es ist ungleich im Raum verteilt und teuer zu transportieren. Weiter muss Wasser frisch und sauber sein, um als Trinkwasser oder auch zur Bewässerung von Feldern verwendet zu werden. Und schliesslich braucht es Zeit, bis sich Wasservorräte ansammeln und wieder auffüllen können –­­ Zeit, die man der Natur heute vielerorts nicht gibt.

So wird zum Beispiel in Teilen von Indien, Libyen oder Mexiko Grundwasser in solchen Mengen aus dem Boden gepumpt, dass sich die Grundwasserpegel bereits bedrohlich tief absenken und es immer aufwändiger wird, frisches Wasser aus der Tiefe zu fördern. Auch der zentralasiatische Aralsee ist mittlerweile fast vollständig ausgetrocknet, weil seine Zuflüsse seit den sechziger Jahren für die Bewässerung von Feldern umgeleitet werden.

Währenddessen steigt die Nachfrage nach Wasser laufend. Grund dafür ist einerseits, dass sich die Bevölkerung der Erde in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt hat. Einen steigenden Wasserverbrauch verursacht andererseits auch die Industrie, in der Wasser beispielsweise zur Herstellung von erdölbasierten Produkten verwendet wird. Der stärkste Einfluss geht jedoch von der Landwirtschaft aus, die weltweit für rund 70 Prozent, in Ländern wie Indien sogar für 90 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich ist.[1]

Die Intensivierung der Landwirtschaft bewirkt dabei, dass immer mehr Flächen bebaut und unter Einsatz von Grund-, Fluss oder Seewasser künstlich bewässert werden. Gleichzeitig hat der Geschmack der Konsumenten zur Folge, dass diese Flächen zunehmend für die Produktion von «wasserintensiven» Nahrungsmitteln verwendet werden. Zur Herstellung von einem Kilo Rindfleisch braucht es zum Beispiel fast viermal mehr Wasser als für diejenige von einem Kilo Poulet, und für ein Glas Orangensaft wird fast fünfmal mehr Wasser benötigt als für eine Tasse Tee.

Die Wasserpreise variieren derweil je nach Ort, Umstand und Verwendungszweck des Wassers. In der Schweiz kosten 1‘000 Liter Trinkwasser durchschnittlich 1.60 Franken. In den Vereinigten Staaten beträgt dieser Preis nur rund 80 Rappen, in den Slums von Guatemala dagegen über 3.50 Franken. Nimmt der Wasserverbrauch weiter zu, so dürfte der Preis des Wassers in Zukunft an vielen Orten deutlich ansteigen. Dass sauberes Wasser eine wertvolle Ressource darstellt, wird dann hoffentlich auch nicht-Ökologen klar.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 12. September 2010www.iconomix.ch/....

Interessant ist auch die vom Hilfswerk Helvetas eingerichtete Wanderausstellungwww.helvetas.ch/... rund ums Thema Wasser, sowie das dazu gehörende Online-Quizwww.helvetas.ch/....

[1] Dies berichtet der Economist im Dossier «For want of a drink», das in der Ausgabe vom 22. Mai 2010 erschienenen ist.

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Dienstag, 07. September 2010,
16:44

Indonesien: das Recht der bellenden Hunde

Wirtschaftswachstum entsteht, wenn Ressourcen produktiv verwendet werden anstatt brach zu liegen, wenn Menschen ihr Handeln aufeinander abstimmen und ihre Energien in nützliche Tätigkeiten stecken. Wie es zu dieser Zusammenarbeit kommt, erklärt die Wissenschaft anhand von zwei groben Linien:

Informelle Vernetzung

Manche Sozialwissenschaftler vermuten, dass das soziale Kapital einer Gesellschaft für deren Entwicklung eine grosse Rolle spielt. Mit «sozialem Kapital» meinen sie das Vertrauen und die Verbundenheit, die Menschen zu gegenseitig nützlichem Handeln veranlassen – also zum Beispiel das Vertrauen, welches Verträgen und Abmachungen in der Wirtschaft zugrunde liegt oder die Verbundenheit mit der Gemeinschaft, welche die Leistungen von Pfadileitern oder freiwilligen Feuerwehrleuten motiviert.[1]

Soziales Kapital entspringt aus menschlichen Beziehungen, es wiederspiegelt sich in gesellschaftlichen Werten und wird in täglichen Begegnungen laufend geschaffen. Doch gerade diese regelmässigen Begegnungen scheinen in Industrieländern zunehmend seltener zu werden. So hat der Sozialwissenschaftler Robert Putnam beobachtet, dass es in den USA immer mehr einzelne Bowlingspieler und immer weniger Spieler in Ligateams gibt. Phänomene wie dieses «bowling alonebowlingalone.com» wertet er als Zeichen für die Erosion von sozialem Kapital und ortet darin ein Problem für die Entwicklung seines Landes.

Andere Wissenschaftler sehen weniger die Begegnungshäufigkeit, sondern vielmehr die Form der sozialen Vernetzung als ausschlaggebenden Punkt an. Starke Beziehungsnetze innerhalb einzelner sozialer Gruppen ­ seien dies Familien, Dorfgemeinschaften oder Clans ­ stehen der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Ansicht nach eher im Weg. Ein hohes Ausmass an gruppenübergreifenden Beziehungen fördert hingegen den Austausch und geht eher mit schnellerem Wachstum einher, wie z. B. aus einem Vergleich von verschiedenen europäischer Regionenwww.dur.ac.uk/... hervorgeht.

Formelles Recht

Der peruanische Entwicklungsökonom Hernando de Sotowww.ild.org.pe/... vertritt eine von Grund auf andere Sichtweise: Vertrauen und Vernetzung sind zwar gut, aber nicht gut genug, wenn sie nicht durch formelles Recht ergänzt werden. Schriftlich festgehaltenes Recht ermöglicht es nicht nur bekannten Leuten, sondern auch Fremden, sich zu verständigen und gütlich zu einigen. Sollen sich Menschen aufeinander abstimmen und erfolgreich zusammenarbeiten, so ist es ihm zufolge unerlässlich, dass sie Zugang zu einem funktionierenden Rechtssystem haben.

Einen besonderen Stellenwert hat für de Soto das Eigentumsrecht, denn dieses ermöglicht es, ökonomisch bedeutsame Dinge rechtlich zu «fixieren» und den Umgang mit ihnen zu erleichtern: Dinge, die jemandem gehören, sind einer verantwortlichen Person zugeordnet und können deshalb auch leichter übertragen, geteilt oder miteinander verbunden werden. Sind Eigentums- und Nutzungsrechte hingegen nicht oder nur schlecht festgelegt, so entstehen Konfliktpotential und Unsicherheiten: Wer ist verantwortlich für die Nutzung und sinnvolle Verwendung von Land, Häusern oder Maschinen? Wer ist bereit, Arbeit in ihre Pflege zu investieren? Wem gehört der Profit, den sie erzeugen?

De Soto und seine Mitarbeiter haben festgestellt, dass das Eigentumsrecht in vielen Ländern der Realität hinterher hinkt. Ein Beispiel ist Indonesien: hier weisen vor allem die Grundbücher an vielen Stellen Mängel auf, weil überlieferte Landgrenzen und mündlich ausgemachter Grunderwerb nie offiziell festgehalten wurden. Für die Bewohner stellt diese Unzulänglichkeit ein ernstes Problem dar, denn sie erschwert den Kauf oder Verkauf von Land und Immobilien sowie deren Verwendung als Sicherheit für Kredite.

Spaziert man durch ein ländliches Dorf, so wird man auch in Indonesien von Hunden angebellt, die das Grundstück ihrer Hausherrn bewachen. Ist dies nun ein Zeichen von mangelndem Vertrauen, sprich, mangelndem sozialen Kapital? Oder lässt sich daraus schliessen, dass die rechtliche Absicherung des Eigentums verbessert werden müsste?

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

[1] Der Begriff «soziales Kapital» wird in der Literatur uneinheitlich verwendet und bezieht sich teils auf die Vernetzung des Kollektivs, teils auf die unterschiedlich starke Vernetzung einzelner Individuen.

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Mittwoch, 01. September 2010,
09:56

Kompaktes Wissen zum Glück

Worin liegt das Geheimnis des Glücks? Der iconomix-Blog hat sich in einigen Beiträgen bereits an diese Frage herangetastet, nämlich hierhttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2009/09/25/vom-bip-zum-glueck.html, hierhttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2009/10/07/glueckliches-norwegen/ und hierhttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2010/03/04/zuerichs-wohl-gluecklichster-forscher/.

Literarische Inspiration zum Thema liefert der französische Autor François Lelordwww.piper-verlag.de/.... In seinem Buch «Hectors Reisewww.piper-verlag.de/...» schickt er den Protagonisten aus seiner psychiatrischen Praxis hinaus in die weite Welt, damit dieser der Herkunft des Glücks auf die Spur kommt. Akribisch, unvoreingenommen – und mit der nötigen Ironie – führt der wissbegierige Arzt unterwegs Buch über seine Erkenntnisse...

Auch die Ökonomen Bruno S. Freywww.bsfrey.ch und dessen Nichte Claudia Frey Marti haben sich auf die Suche gemacht und die Ursprünge des Glücks aus wissenschaftlichen Journals, Büchern und eigenen Studien zusammengetragen. Aus ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema ist eine praktische Zusammenfassung zum aktuellen Stand der Glücksforschung entstanden: «Glück – Die Sicht der Ökonomiewww.rueggerverlag.ch/...».

Einmal mit psychologischem Einfühlungsvermögen, einmal mit  empirischer Datenanalyse gehen diese beiden Bücher denselben elementaren Fragen nach: Kann Geld glücklich machen? Oder liegt der Schlüssel zum Glück in einer sinnvollen Arbeit? Liegt er in einer erfüllten Beziehung? Ja, können wir unser Glück überhaupt messen, geschweige denn beeinflussen?

Unser Glück ist, dass die Antworten trotz unterschiedlichem Rüstzeug und Zugang ähnlich ausfallen – natürlich nehmen wir sie hier aber nicht vorweg.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

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