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Schweizerische Nationalbank

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Freitag, 25. November 2011,
10:12

Die ökonomischen Hintergründe des Tarifstreits in der NBA

Eigentlich hätte die NBA Saison 2011/12 längst beginnen sollen. Anstatt in den Arenen Basketball zu spielen, duellieren sich die Spieler mit den Klubeigentümern. Diese Duelle wurden zunächst am Verhandlungstisch geführt. Nach dem Scheitern der Verhandlungen sollen sie jetzt in den Gerichtssaal verlagert werden. Worum geht es im Einzelnen?

Vereinfacht gesagt geht es darum, wie die rund 4 Mrd. US Dollar Jahreseinkommen zwischen Klubeigentümern und Spielern künftig aufgeteilt werden sollen. Diese Aufteilung wird üblicherweise im Zuge von Tarifverhandlungen zwischen den Klubeigentümern einerseits und der Spielergewerkschaft andererseits festgelegt. Der bis Juni dieses Jahres gültige Tarifvertrag garantierte den Spielern bislang 57% der Einnahmen. Den Rest bekamen die Klubbesitzer.

Im Rahmen der neuen Tarifverhandlungen fordern die Klubeigentümer, meist wohlhabende Privatpersonen, einen grösseren Anteil an den Einnahmen. Sie begründen ihre Forderungen damit, dass sie in den letzten Jahren hohe Verluste erwirtschafteten. Allein in den letzten beiden Jahren betrugen die Verluste 380 bzw. 300 Mio. Dollar.

Die Spielergewerkschaft bestreitet diese Zahlen und verweist darauf, dass die Klubeigentümer einen Teil ihrer Gewinne auf andere Unternehmen transferieren können. Wenn beispielsweise ein Klubeigentümer zugleich Inhaber eines Medienunternehmens oder der Basketballarena ist, kann er durch niedrige Lizenzgebühren für Medienrechte bzw. hohe Mietverträge für die Arena Klubgewinne in das Medienunternehmen bzw. die Betriebsgesellschaft der Arena verlagern.

Auch das Wirtschaftsmagazin Forbeswww.forbes.com/... schätzt, dass die Liga profitabel ist, und beziffert das Betriebsergebnis für die Saison 2009/10 auf 183 Mio. Dollar. Das wären rund 6 Mio. pro Klub und entspräche einer Umsatzrendite von knapp 5%. Allerdings lag die Umsatzrendite in der Vergangenheit schon weit über 10%. Für den Rückgang der Profitabilität sind jedoch nicht in erster Linie die Spielergehälter verantwortlich. Sie entwickelten sich aufgrund des Tarifvertrages proportional zu den Einnahmen. Überdurchschnittlich gestiegen sind hingegen die übrigen Ausgaben. Sie haben sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.

Das Hauptproblem sind aber nicht die jüngsten Gewinnrückgange innerhalb der Liga, sondern die Profitabilitätsunterschiede zwischen den einzelnen Klubs. Laut Forbes entfallen über 80% der Gewinne auf nur drei Klubs (New York Knickswww.nba.com/..., Chicago Bullswww.nba.com/... und Los Angeles Lakerswww.nba.com/...). Die meisten anderen der insgesamt 30 Klubs erwirtschaften Verluste.

Bislang verliefen die Tarifverhandlungen wie folgt. Nachdem sich die Tarifparteien im Sommer nicht einigen konnten, haben die Eigentümer die Spieler zunächst ausgesperrt. In der Folge haben die Eigentümer ihr ursprüngliches Angebot, den Spielern 37% der Einnahmen zu garantieren, sukzessive verbessert und Mitte November ein ultimatives Angebotwww.nba.com/... vorgelegt. Dieses Angebot sah eine 50-50 Aufteilung der Einnahmen vor. Da die Spieler an ihrer letzten Forderung von 52.5% der Einnahmen festhielten, lehnten sie dieses ultimative Angebot ab und verklagten die Liga auf Kartellmissbrauch. Damit droht die gesamte Saison auszufallen.

Die 2.5%, die beide Seiten noch trennen, entsprechen rund 100 Mio. Dollar pro Jahr. Wenn hingegen die  gesamte Saison ausfällt, verlieren Spieler und Eigentümer jeweils 2 Mrd. Dollar. Letztendlich steht aber viel mehr auf dem Spiel.

Bei diesem Tarifstreit am sitzen die Klubeigentümer zunächst am längeren Hebel. Sie sind meist Milliardäre und besitzen neben ihren Klubs oft weitere lukrative Einnahmequellen.  Mark Cuban, dem Eigentümer der Dallas Maverickswww.nba.com/..., gehören beispielsweise über seine Anteile an dem Medienimperium 2929 Entertainmentwww.2929entertainment.com/... mehrere Film-, Kino- und Fernsehunternehmen. Für die Eigentümer der New Jersey Jets, dem russischen Multimilliardär Michail Prochorow, dem US-amerikanischen Bauträger Bruce Ratner und Rapper Jay-Z, ist der Klub ebenfalls nicht die Haupteinnahmequelle.

Aber auch die Spieler sind nicht gerade arm. Ihr Jahressalär lag in der letzten Saison zwischen 0.5 und 25 Mio. Dollar. Das Durchschnittssalär betrug 5 Mio. und lag damit deutlich höher als in allen anderen Teamsportarten. Hinzu kommen noch Werbeeinnahmen. Da ein Spieler jedoch durchschnittlich nur 4.8 Jahre in der NBA spielt, verliert er mit einem Jahreseinkommen ein Fünftel seines Gesamteinkommens. Demgegenüber sind 2.5% hin oder her Peanuts. Die meisten Spieler möchten deshalb einen Ausfall der gesamten Saison verhindern. Einige Spieler könnten in dieser Zeit zwar versuchen, für einen europäischen oder asiatischen Klub zu spielen. Dort sind die Verdienstmöglichkeiten für die meisten Spieler aber deutlich schlechter als in der NBA. Die Geduld der Spieler dürfte bei diesem Verhandlungspoker also bald erschöpft sein.

Falls die Spieler mit ihrer Kartellklage vor Gericht Recht bekämen, wäre das Geschäftsmodell aller nordamerikanischen Profiligen gefährdet. Hieran dürften weder die Eigentümermilliardäre noch die Spielermillionäre ein Interesse haben. Letztendlich profitieren beide Seiten von diesem Geschäftsmodell. Es ist also zu erwarten, dass beide Seiten bald wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine Einigung finden werden.

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Freitag, 04. November 2011,
13:25

Die erfolgreichsten NFL-Klubs der letzten 5 Jahre

Das Wirtschaftsmagazin Forbes veröffentlichte Anfang November 2011 eine Liste mit den zehn erfolgreichsten und zehn erfolglosesten Klubbesitzern in der National Football League (NFL)www.forbes.com/....

Die NFL ist die US-amerikanische Profilliga im American Football. Sie besteht aus 32 Klubs, von denen 31 jeweils einer oder mehreren Privatpersonen gehören. Die einzige Ausnahme sind die Green Bay Packers, die sich in kommunalem Besitz befinden und über 100 000 Aktionäre haben.

Wann ist ein Sportklub erfolgreich? Häufig wird der Erfolg eines Klubs allein an Siegen und Niederlagen gemessen. Bei einem Profiklub darf aber auch der wirtschaftliche Erfolg nicht ausser Acht gelassen werden. Bei der Aufstellung der Erfolgsliste wurden deshalb neben sportlichen Kriterien auch wirtschaftliche Massstäbe angelegt.

Dabei wurde der sportliche Erfolg anhand der Siegquote, d.h. dem Anteil gewonnener Spiele während der letzten fünf Jahre, beurteilt. Zusätzliche Punkte wurden für Playoff-Teilnahmen und Meisterschaften vergeben. Der wirtschaftliche Erfolg wurde durch den erwirtschafteten Wertzuwachs innerhalb der letzten fünf Jahre gemessen. Sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg wurden jeweils gleich gewichtet. Hier sind die Tops und Flops.

Insgesamt haben nur fünf Klubs Geld verbrannt. Der durchschnittliche Wertzuwachs aller Klubs betrug 8%. Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise ist dies ein beachtliches Ergebnis. In der gleichen Zeit haben viele Aktienindizes schmerzhafte Verluste verzeichnet.

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Dienstag, 01. November 2011,
11:49

Erfahrungswissen und Erfolg von Himalaya-Expeditionen

1895 leitete Albert Mummery den ersten ernsthaften Versuch, einen der 14 Achttausender auf dieser Welt zu besteigen. Der Versuch, den Nanga Parbat zu erklimmen, scheiterte jedoch, wobei Mummery und zwei weitere Expeditionsmitglieder starben. Während der nächsten 55 Jahre scheiterten alle 30 weiteren Versuche, einen Achttausender zu besteigen. Dabei starben mehr als 50 Menschen.

Erst 1950 gelang einer von Maurice Herzog angeführten Expedition die erste Achttausender-Besteigung. Allerdings erlitten Herzog und sein Partner Lachenal bei ihrer Annapurna-Expedition innerhalb der so genannten Todeszone, wie die Bereiche über 7000m Höhe genannt werden, schwerste Erfrierungen und überlebten nur, weil sie von anderen Expeditionsmitgliedern und Sherpas gerettet wurden. In der Todeszone sind der Sauerstoffgehalt der Luft und der Luftdruck so gering, dass sich der menschliche Körper nicht mehr selbst regenerieren kann.

1953 erklommen Edmund Hillary und sein Sherpa Tenzing Norgay den Mount Everest, nachdem Norgay bereits 1952 mit einer Schweizer Expedition nur 300m vor dem Gipfel wieder umkehren musste. Kurz danach wurden der Nanga Parbat, 1954 der K2 und Cho Oyu, 1955 der Kangchendzönga und Makalu, 1956 der Lohtse, Manaslu und Gasherbrum II, 1957 der Broad Peak, 1958 der Hidden Peak und 1960 der Dhaulagiri erstmals erklommen. Die Erstbesteigung des letzten Achttausenders, dem Shishapangma, im Jahre 1964 blieb einer chinesischen Expedition vorbehalten, da China nach der Besetzung Tibets im Jahre 1950 den Zugang für westliche Bergsteiger verboten hatte.

In den Folgejahren nahmen sowohl die Anzahl als auch die Erfolgsquote bei Achttausender-Expeditionen weiter zu. Während alle 30 Expeditionen vor 1950 scheiterten, waren 51 Prozent der 664 Expeditionen zwischen 1990 und 1994 erfolgreich.

John R. Boyceecon.ucalgary.ca/... und Diane P. Bischakhaskayne.ucalgary.ca/... von der Universität Calgary sind der Frage nachgegangen, welche Ursachen für diese Entwicklung verantwortlich sind. Hierzu analysierten sie insgesamt 1909 Himalaya-Expeditionen zwischen 1895 und 1998. Für jede Expedition wurden vier Erfolgsfaktoren untersucht:

  1. Wurde der Gipfel erreicht?
  2. Gab es einen Todesfall?
  3. Erlitt ein Expeditionsmitglied Erfrierungen?
  4. Litt ein Expeditionsmitglied unter Höhenkrankheit?

Im Zeitverlauf verbesserten sich diese Erfolgsfaktoren erheblich. Die Erfolgsquote stieg markant an; die Anzahl der Todesfälle, Erfrierungen und Höhenkrankheiten nahm rapide ab. Auf den ersten Blick ist man verleitet, diese Verbesserungen allein auf technologischen Fortschritt, wie z.B. bessere Kleidung und Ausrüstung  zurückzuführen. Beispielsweise stellte man bei Untersuchungen fest, dass die aus sieben Schichten bestehende Kleidung des 1924 bei einer Mount Everest Expedition verstorbenen und im Jahre 1999 gefunden George Mallory insgesamt weniger Kälteschutz bot als die modernen Daunenanzüge, die von seinen Entdeckern als äusserste Schicht getragen werden.

In Bezug auf den technologischen Fortschritt sind die Ergebnisse allerdings nicht eindeutig. Beispielsweise sind die Erfolgsquoten bei Expeditionen, die Sauerstoffflaschen benutzen, um den Aufenthalt in der Todeszone zu erleichtern, signifikant geringer und die Todesrate deutlich höher als bei Expeditionen ohne Sauerstoffflaschen. Dieses überraschende Ergebnis lässt sich u.a. damit begründen, dass Sauerstoffflaschen wegen ihres hohen Gewichts nicht nur Vor- sondern auch erhebliche Nachteile mit sich bringen.

Im Gegensatz zum technologischen Fortschritt wirkt sich das akkumulierte Erfahrungswissen eindeutig positiv auf den Erfolg von Himalaya-Expeditionen aus. Dabei geht es nicht nur um die persönliche Erfahrung der Expeditionsmitglieder. Boyce und Baschkin können zeigen, dass der Erfolg einer Himalaya-Expedition auch von dem Erfahrungswissen abhängt, das vorausgegangene Expeditionen gewonnen haben. Beispielsweise erhöht sich mit jeweils 100 vorausgegangenen Expeditionen auf einer Route die Erfolgswahrscheinlichkeit aller nachfolgenden Expeditionen um 10 bis 20%. Zugleich verringert sich die Gefahr von Erfrierungen oder einer Höhenkrankheit um bis zu 6%.

Die Übertragung des Erfahrungswissens von einer Expedition auf nachfolgende Expeditionen wird dabei vor allem durch ausführliche Erfahrungsberichte in Fachzeitschriften wie dem Alpine Journalwww.alpinejournal.org.uk, dem American Alpine Journalaaj.americanalpineclub.org und dem Himalayan Journal www.himalayanclub.org/...sichergestellt. Anders als bei Erfindungen, wo Erfinder ihr Wissen oft geheim halten möchten, um eine unerwünschte Nachahmung zu verhindern, haben Extrembergsteiger grosse Anreize, ausführlich über ihre Erfahrungen zu berichten. Ihre Leistung wird durch detaillierte Berichte erst glaubwürdig und Nachahmung schmälert in diesem Fall die Leistung nicht.

Und zum Abschluss noch ein interessantes Ergebnis der Studie: Expeditionen mit Frauen waren um 25% erfolgreicher als solche ohne.

Literatur: J.R. Boyce and D.P. Bischak. Learning by doing, knowledge spillovers, and technological and organizational change in high-altitude mountaineering, Journal of Sports Economics 11 (2010), 496-532.

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Donnerstag, 29. September 2011,
08:38

Die Perspektiven des chinesischen Profifussballs

Kennen Sie Dario Conca? Nein? Dario Conca ist Argentinier und spielte bis vor kurzem bei Fulminense Rio de Janeiro in Brasilien. In der Spielzeit 2010 führte er Fulminense zur brasilianischen Meisterschaft und wurde zum besten Spieler des Jahres gewählt, eine besondere Ehre für einen argentinischen Legionär in Brasilien.

Im Sommer 2011 wechselte Dario Conca zu einem finanzkräftigeren Klub und unterschrieb dort einen Vertrag für zweieinhalb Jahre, der ihm laut Presseberichten www.thechinatimes.com/...ein Jahressalär von € 10.6 Millionen garantiert. Damit ist Conca hinter Real Madrids Cristiano Ronaldo (€ 12 Mio.), Manchester Uniteds Wayne Rooney (€ 11.5 Mio.), Barcelonas Lionel Messi (€ 11 Mio.) und Manchester Citys Yaya Touré (€ 10.8 Mio.) der derzeit fünftbestbezahlteste Fussballprofi der Welt.

Jetzt werden Sie sich fragen, zu welchem Klub Dario Conca wechselte. Chelsea? Mailand? Bayern? Arsenal? Oder Katar? Weit gefehlt! Conca spielt seit dieser Saison für Guangzhou Evergrande F.C.www.gzhengdafc.com in China. Der Klub wurde 1954 gegründet. Aufgrund der Übernahme durch die Apollo-Gruppe im Jahre 1993  wurde aus dem Verein der erste Profiklub Chinas.

Im Februar 2010 wurde der Klub wegen eines erkauften Sieges aus dem Jahre 2006 mit dem Zwangsabstieg aus der chinesischen Superliga bestraft. Nur eine Woche später übernahm die Evergrande Immobiliengruppewww.evergrande.com/... den Klub zum Schnäppchenpreis von umgerechnet CHF 15 Millionen.

Die Evergrande Immobiliengruppe scheint derzeit geradezu im Geld zu schwimmen. Gegenüber dem Vorjahr wuchs die verkaufte Quadratmeterfläche mit über 6 Mio. Quadratmetern um über 80% und der Umsatz konnte glatt verdoppelt werden. Das Unternehmen verfügt über flüssige Mittel von umgerechnet mehr als CHF 8 Milliarden und kann Concas Salär somit aus der Portokasse bezahlen.

Die Verpflichtung von Conca hat sich für Guangzhou Evergrande F.C. gelohnt. Der Klub führt die Tabelle der Superliga mit grossem Vorsprung an und die Meisterschaft ist dem Klub kaum noch zu nehmen. Wie aber sieht es mit der Entwicklung des chinesischen Profifussballs insgesamt aus?

Guangzhou Evergrande F.C. hat nicht nur Dario Conca verpflichtet, sondern auch einen umfassenden Kooperationsvertrag mit Real Madrid abgeschlossen. Dieser Kooperationsvertrag sieht u.a. die Errichtung der grössten Fussballakademie Asiens vor. Die Akademie, für die Real Madrid sein Trainerpersonal und Know-how zur Verfügung stellt, soll profitorientiert wirtschaften und im ersten Jahr bis zu 3000 Schüler aufnehmen.

Wenn es gelingt, mit Hilfe europäischen Know-hows die besten Nachwuchstalente der Region zu selektieren und gezielt zu fördern, hat der chinesische Fussball eine rosige Zukunft und China ist auf dem besten Weg, die Vorherrschaft im asiatischen Fussball zu gewinnen. Das Selektionspotenzial ist im Vergleich zu allen anderen Ländern enorm. Allein die Provinz Guangdong, in der die Akademie angesiedelt ist, besitzt über 100 Millionen Einwohner und damit ein riesiges Reservoir an potenziellen Nachwuchstalenten.

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Donnerstag, 19. Mai 2011,
16:45

Ist Poker ein Glücksspiel?

Poker gilt für viele als Glücksspiel und ist deshalb auch in zahlreichen Ländern gesetzlich verboten. In der Schweiz hat das Bundesgericht am 20. Mai 2010 Poker als Glücks- und nicht als Geschicklichkeitsspiel eingestuft. Als Glücksspiel fällt Poker unter das Spielbankengesetz und ist deshalb konzessionspflichtig.

Die Ökonomen Steven D. Levitt und Thomas J. Miles von der Universität Chicago haben jetzt Forschungsergebnissewww.nber.org/... vorgelegt, die diese Einschätzung widerlegen. Poker ist demzufolge ein Geschicklichkeits- und kein Glücksspiel!

In Las Vegas finden jedes Jahr die sogenannten World Series of Poker statt. Im Jahre 2010 bestand diese World Series aus über 50 Pokerturnieren, mehr als 32‘000 Teilnehmern und insgesamt mehr als 185 Millionen US-Dollar an Preisgeldern. Der Höhepunkt dieser World Series ist das Finalturnier, auch Main Event genannt, bei dem allein der Sieger knapp 9 Millionen US-Dollar verdient.

Die einzelnen Turniere, aus denen sich die World Series zusammensetzt, sind wie folgt organisiert. Grundsätzlich kann jeder mitmachen, der die Entry Fee bezahlt. Diese Eintrittsgebühr liegt bei den Turnieren der World Series zwischen 1‘000 und 50‘000 US-Dollar. Im Gegenzug hierfür erhält der Spieler eine fest vorgegebene Anzahl von Chips und wird einem Pokertisch zugelost.

Jeder Spieler darf so lange spielen, bis er keine Chips mehr hat. Turniersieger ist derjenige Spieler, der am Ende alle Chips besitzt. Alle anderen Spieler werden nach ihrer Spielzeit rangiert. Wer als Erster ausscheidet ist Letzter, wer als Zweiter ausscheidet Vorletzter, usw.

Die meisten Turniere dauern zwei bis drei Tage. Der Main Event zieht die meisten Spieler an und dauert mit zwei Wochen am längsten.

Von den Eintrittsgebühren erhält der Ausrichter durchschnittlich 7,5 Prozent. Aus dem Rest werden die Preisgelder bezahlt. Die Preisgeldstruktur ist hochgradig konvex: Rund 90 Prozent der Spieler erhalten überhaupt kein Preisgeld. Bei einem typischen Turnier mit mehreren Tausend Teilnehmern bekommt beispielsweise der 200. Rang 2‘700 US-Dollar und der 100. Rang 3‘000 US-Dollar, während der Sieger über eine halbe Million mitnimmt.

Wenn Poker ein Glücksspiel wäre, müssten die Preisgelder zufällig verteilt sein. Dies ist jedoch nicht der Fall. Anhand von Spielerrankings und vorangegangener Ergebnisse identifizieren Levitt und Miles 720 der über 32‘000 Teilnehmer der World Series of Poker 2010 vor Beginn des Turniers als «hochgeschickt ». Diese 720 Spieler zahlten insgesamt über 35 Millionen US-Dollar an Eintrittsgebühren und gewannen über 46 Millionen US-Dollar an Preisgeldern. Dies entspricht einem Gewinn von fast 11 Millionen US-Dollar und einer «Kapitalrendite» (Return on Investment) von 30,5 Prozent. Demgegenüber verloren die anderen Spieler bei einer Kapitalrendite von minus 15,6 Prozent knapp 26 Millionen US-Dollar.

Diese Renditeunterschiede sind viel grösser, als man sie beispielsweise bei Kapitalmarktfonds findet. Offenbar spielt Geschick beim Poker sogar eine grössere Rolle als am Kapitalmarkt.

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Montag, 21. Februar 2011,
14:20

Geldliga des Fussballs

Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat soeben ihre jährliche Liste der umsatzstärksten Fussballklubswww.deloitte.com/... veröffentlicht:

Auf den ersten sechs Plätzen gab es keine Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Den grössten Sprung nach vorne machte Manchester City, das sich um neun Plätze verbesserte.

Unter den Top 20 sind nur Klubs aus den fünf grossen europäischen Ligen. Der erste Klub aus einer kleineren Liga ist Benfica Lissabon auf Platz 26 mit einem Umsatz von 98,2 Millionen Euro.

Die wichtigste Einnahmequelle sind mit einem durchschnittlichen Umsatzanteil von 43 Prozent die TV-Rechte. Die Einnahmen aus Sponsoring und Merchandising haben einen Anteil von durchschnittlich rund 32 Prozent am Gesamtumsatz. Die restlichen 25 Prozent entfallen auf Ticketerlöse. Allerdings gibt es bei der Zusammensetzung der Umsatzerlöse zum Teil grosse individuelle Unterschiede. Beispielsweise erzielte der FC Barcelona in der letzten Saison die höchsten Fernseheinnahmen, Bayern München die mit Abstand höchsten Umsätze aus Sponsoring/Merchandising und Real Madrid die höchsten Ticketerlöse.

Interessant ist ferner, dass Inter Mailand trotz des Gewinns der Champions League, der italienischen Meisterschaft sowie des italienischen Pokals seine Position gegenüber dem Vorjahr nicht verbessern konnte und «nur» auf Rang neun kam. Offenbar ist sportlicher Erfolg kein Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Umgekehrt ist hingegen sportlicher Erfolg ohne Wirtschaftskraft nahezu unmöglich. Die Top 20 haben in den letzten zehn Jahren rund 90 Prozent aller Meistertitel in ihren Ländern gewonnen und auch die Champions League dominiert.

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Donnerstag, 10. Februar 2011,
15:46

Super Bowl 2011

Im Super Bowl, dem Finalspiel im American Football, standen sich am 6. Februar 2011 in Arlington, Texas, die Green Bay Packers und Pittsburgh Steelers gegenüber. Aus ökonomischer Sicht weist dieses Finalspiel eine Reihe von Superlativen auf. Das Spielwww.nfl.com/... fand vor 105'000 Zuschauern im Cowboys Stadium, dem mit Baukosten von 1,2 Milliarden US Dollar teuersten Sportstadion der Welt, statt. Tickets wurden auf www.stubhub.comwww.stubhub.com in der Bandbreite von 2'300 bis 295'000 US Dollar angeboten.

Laut einer Studie von PwCwww.pwc.com/... gaben die Besucher des Finalspiels für Übernachtung, Essen, Trinken, Unterhaltung u.ä. insgesamt über 200 Millionen Dollar aus. Mit durchschnittlich 111 und in der Spitze über 162 Millionen TV-Zuschauern in den USA war die Fernsehübertragung nicht nur die meistgesehene Sportübertragung in der Geschichte des US-Fernsehen, sondern die meist gesehene US-Fernsehsendung aller Zeitentvbythenumbers.zap2it.com/.... Ein 30-Sekunden Werbespot kostete die Rekordsumme von 3 Millionen Dollar.

Am spannendsten ist aus ökonomischer Sicht jedoch die Tatsache, dass mit den Green Bay Packers die Mannschaft aus der mit Abstand kleinsten Heimatstadt aller Profiteams gewann. In Europa wäre es undenkbar, dass beispielsweise ein Team wie der FC Winterthur die Champions League gewinnt. Das im Bundesstaat Wisconsin gelegene Green Bay ist mit 100'000 Einwohnern aber in etwa genauso gross wie Winterthur. Dennoch behaupten sich die Green Bay Packers gegenüber ihren Konkurrenten aus New York, Chicago und Philadelphia und gelten als eines der erfolgreichsten Footballteams.

Der Erfolg der Green Bay Packers ist umso erstaunlicher, als in dieser Saison die traditionellen Gehaltsregulierungen erstmals ausser Kraft gesetzt wurden. Beispielsweise durfte noch in der Saison 2009 kein Team mehr als 128 Millionen Dollar für seine Spieler ausgeben. In dieser Saison konnten also reiche Klubs durch höhere Gehaltszahlungen versuchen, bessere Spieler zu verpflichten. Wie ist der Erfolg der Green Bay Packers unter diesen Umständen möglich?

Der Hauptgrund für die Konkurrenzfähigkeit von Kleinstadtteams liegt in dem Einkommensverteilungssystem der National Football League (NFL). In der NFL wurden in den letzten Jahren rund 80 Prozent aller Einnahmen gleichmässig auf alle Teams verteilt. Damit können die Teams aus kleinen Städten an den Einnahmen der Teams aus Grossstädten partizipieren, die Kluft zwischen «arm» und «reich» wird geschlossen.

Zudem sind die Green Bay Packers der einzige Klub im US-amerikanischen Profisport, der sich in kommunalem Besitz befindet und nicht profitorientiert organisiert ist. Dies stellt sicher, dass alle Einnahmen wieder in den Sport und nicht in die Taschen reicher Klubbesitzer fliessen.

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Donnerstag, 10. Juni 2010,
13:19

Wer wird Fussballweltmeister?

Diese Frage beschäftigt derzeit Millionen von Fussballfans auf der ganzen Welt. Doch wer kann die beste Prognose aufstellen? Sind es die Sportjournalisten, Fussballtrainer und Experten, weil sie die Mannschaften aus jahrelanger Erfahrung kennen? Oder gibt vielleicht Frau Meier von nebenan den besten Tipp dazu ab?

Die Spielstärken der besten Mannschaften liegen eng beieinander. Oft hängt der sportliche Erfolg von nicht vorhersehbaren Faktoren wie z. B. Tagesform, Verletzungspech, Wetter oder Schiedsrichterentscheidungen ab. Lässt sich unter diesen Umständen die Qualität einer Prognose überhaupt im Voraus bewerten?

Man könnte meinen, die beste Prognose sei diejenige, die sich am Ende als richtig herausstellt. Damit wird das «Qualitätsurteil» allerdings erst im Nachhinein, also viel zu spät gefällt. Sinnvoller ist es, die Qualität einer Prognose danach zu beurteilen, wie viele der momentan verfügbaren Informationen von ihr berücksichtigt werden: Je höher der Informationsgehalt einer Prognose, desto besser ihre Qualität.

Wettmärkte sind in dieser Hinsicht ein Juwel. In Wettmärkten werden die verstreuten Informationen einer Vielzahl von Personen verarbeitet. Dies geschieht über den Preismechanismus der Wettquoten: Auf Wettmärkten werden Quoten nicht durch Buchmacher festgelegt, sondern wie Preise durch Angebot und Nachfrage allein von den Wettteilnehmern selbst bestimmt. Wettteilnehmer beeinflussen mit ihren Geboten, auf welcher Höhe sich die Quote für eine bestimmte Wette einpendelt.

Die Quote wiederum gibt darüber Aufschluss, wie hoch die Marktteilnehmer die Gewinnchancen einer bestimmten Mannschaft einschätzen. Zwei Tage vor der Weltmeisterschaft hat Spanien eine Quote von 5,0 auf den Gewinn der WM. Wer auf Spanien wettet, erhält nun im Erfolgsfall den fünffachen Einsatz ausbezahlt. Nimmt man den Kehrwert dieser Zahl, so erhält man einen Wert von 0,2 bzw. 20%: Dies ist die Wahrscheinlichkeit, mit welcher der Wettmarkt Spanien den WM-Titel zutraut. Hinter Spanien folgen Brasilien mit einer Quote von 5,9 (und einer erwarteten Siegeswahrscheinlichkeit von 17%), Argentinien mit 8,4 (12%) und England mit 8,5 (12%). Die Schweiz liegt mit einer Quote von 430 (0.2%) an 25. Stelle der insgesamt 32 Teams.

Wettbörsen und die an ihnen ermittelten Quoten sind somit ein Informationsmechanismus, der die Erwartungen der Marktteilnehmer laufend reflektiert. Die Quoten bestimmter Wettergebnisse kommunizieren dabei die Erwartungen einzelner Personen in aggregierter Form an alle Marktteilnehmer. Die Teilnehmer haben ihrerseits starke Anreize, ihre Erwartungen dem Wettmarkt mitzuteilen: Wetten einzugehen lohnt sich für sie immer dann, wenn sie davon überzeugt sind, über bessere Informationen als die übrigen Marktteilnehmer zu verfügen.

Via Internet wird heute ein weltweites Wettpublikum erreicht. Die in Online-Wettmärkten verarbeitete Informationsmenge dürfte damit weitaus grösser sein als diejenige, die sich selbst der bedeutendste Fussballexperte je anzueignen vermag. Eine sichere Vorhersage ergibt sich daraus freilich noch nicht – doch dies wäre für den Fussball auch fatal: Wer würde sich schon ein Fussballspiel anschauen, dessen Ausgang er im Voraus bereits kennt?

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Donnerstag, 18. März 2010,
08:15

Die Fans schlagen zurück

1998 wollte der Medienmogul Robert Murdoch Manchester United für umgerechnet 1,55 Milliarden Franken übernehmen. Sein Übernahmeangebot scheiterte zwar bereits am Veto der britischen Kartellbehörde, aber auch die Fans wehrten sich vehement gegen eine Übernahme. Sie gründeten eine «Stiftung vereinter Aktionäre gegen Murdoch» und drohten mit der Gründung eines Konkurrenzvereins.

Sechs Jahre später versuchte der US-amerikanische Milliardär Malcolm Glazer den Traditionsverein zu übernehmen. Auch gegen ihn wehrten sich die Fans mit aller Macht, indem sie vor wichtigen Spielen gegen die Übernahme demonstrierten und Klubsponsoren androhten, den Kauf ihrer Produkte zu boykottieren, wenn sie ihre Sponsorenverträge nach einer Übernahme Glazers nicht kündigen würden.

Dennoch gelang es Glazer in der Folgezeit, sukzessive die Aktienmehrheit zu erwerben. Daraufhin holten enttäuschte Fans die alten Pläne wieder aus der Schublade und gründeten aus Protest gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Fussballs den FC United of Manchester. Ein Grossteil der Fans aber hielt dem Klub weiterhin die Treue, wurde in den Jahren nach der Übernahme aber zunehmend enttäuscht. So haben sich bspw. die Eintrittspreise nach der Übernahme drastisch erhöht. Auch die Schulden des Klubs sind stark gewachsen.

Glazer finanzierte die über 1,8 Milliarden Franken teure Übernahme vorwiegend mit Fremdkapital. Als Sicherheiten diente dabei neben seinem Privat- vor allem auch das Klubvermögen. Da die Glazer-Familie dem Klub in der Folgezeit weitere Kredite aufbürdete, wurde die Schuldenlast immer grösser. Allein im Geschäftsjahr 2008/2009 musste der Klub rund 110 Millionen Franken an Fremdkapitalzinsen bezahlen. Letztes Jahr wurde der damalige Weltfussballer des Jahres Cristiano Ronaldo für 141 Millionen Franken an Real Madrid verkauft, um die Finanzlage nicht noch weiter zu verschlechtern. Dennoch musste der Klub Anfang dieses Jahres neue Schuldtitel mit einer mittleren Verzinsung von 8,5% ausgeben, um einen Finanzkollaps zu vermeiden.

Mittlerweile ist allerdings bei vielen Fans die Schmerzgrenze erreicht. Sie wollen nicht länger mit ansehen, wie sich die Glazer-Familie an dem Klub bereichert. Ihr Hauptziel ist es, den Einfluss der Fans auf die Klubpolitik zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen sie eine Sperrminorität an dem Klub erwerben. Zu Beginn dieses Monats wurden Gerüchte laut, wonach sich eine Gruppe finanzkräftiger Fans gebildet hätte, die Glazer ein Übernahmeangebot unterbreiten möchte. Ob es tatsächlich zu einem Angebot kommen wird, ist derzeit fraglich.

Unabhängig davon zeigt der Fall jedoch, dass Fussballklubs, die sich im Besitz von Investoren befinden, Wettbewerbsnachteile gegenüber denjenigen Klubs haben, die als nicht-profitorientierte Kapitalgesellschaften organisiert sind.

So hat in der Rangliste der umsatzstärksten Klubs Manchester United den zweiten Platz hinter Real Madrid kürzlich an den FC Barcelona abtreten müssen. Sowohl Real Madrid als auch der FC Barcelona sind als eingetragener Verein organisiert. Auf Platz vier folgt mit dem FC Bayern München ein weiterer Klub, dessen Politik nicht von gewinnmaximierenden Investoren, sondern Vereinsmitgliedern bestimmt wird. Die Profiabteilung des FC Bayern ist zwar in einer Aktiengesellschaft ausgelagert. Die Mehrheit der Stimmrechte an dieser AG liegt jedoch beim Mutterverein und damit mehrheitlich bei den Fans.

Fankontrollierte Profiklubs haben zwei grosse Wettbewerbsvorteile. Erstens sichern sie den Fans ein Mitspracherecht bei wichtigen Klubentscheidungen. Dieses Mitspracherecht ist für die Fans sehr wichtig, weil sie letztendlich am meisten Zeit, Emotionen und Herzblut in den Klub «investieren» und deshalb nicht zum Spielball von Finanzakrobaten werden wollen. Zweitens garantiert der Faneinfluss, dass die erzielten Umsätze in erster Linie wieder dem Fussball zugute kommen und nicht in die Taschen profitorientierter Investoren fliessen.

Auch für Sponsoren sind fankontrollierte Klubs attraktiver als profitorientierte Kapitalgesellschaften. Wenn Sponsoren Fussballklubs unterstützen, die Milliardären gehören, haben sie nicht nur ein Legitimationsproblem. Ihre Sponsorengelder haben auch einen viel niedrigeren Wirkungsgrad. Am Ende des Tages wird nämlich ein Teil der Erträge, die direkt oder indirekt durch den Sponsorenbeitrag erzielt werden, in den Taschen der Klubeigentümer landen. Dieser Teil fehlt dann dem Sport.

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Dienstag, 17. November 2009,
14:11

Warren Buffett und die Eisenbahn

Warren Buffett ist einer der erfolgreichsten Investoren und laut Forbes.com zweitreichster Mann der Welt. Erst kürzlich hat er angekündigt, mit seiner Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway die US-amerikanische Eisenbahngesellschaft BNSF Railway für $ 44 Mrd. kaufen zu wollen.

BNSF ist hinter Union Pacific die zweitgrösste auf Gütertransport spezialisierte Eisenbahngesellschaft Nordamerikas. Bei der Übernahme handelt es sich um die grösste Investition, die Buffett je getätigt hat. Und in seinen bisherigen 78 Lebensjahren hat er bereits eine Reihe grosser Investitionen getätigt. Wie also lässt sich diese ökonomisch rechtfertigen?

Buffett selbst bezeichnet sein Engagement als eine grosse Wette auf eine konjunkturelle Erholung der US-Wirtschaft. Und tatsächlich hängt der Schienengüterverkehr sehr stark von der Konjunktur ab: Je besser es der Wirtschaft geht, desto mehr Güter werden transportiert.

Aber Buffetts Einstieg bei BNSF ist nicht nur eine Wette auf eine Konjunkturerholung. So wird der Güterverkehr auch vom Grad der Spezialisierung einer Volkswirtschaft bestimmt. Nimmt dieser zu, so wächst die Nachfrage nach Gütertransporten. Denn je stärker sich ein Unternehmen spezialisiert, desto mehr Vorleistungen muss es von anderen Unternehmen einkaufen. Hierdurch ist das Nachfragewachstum nach Transportleistungen langfristig garantiert.

Dabei stellt sich die Frage, welchen Anteil des Nachfragewachstums sich Buffett mit seiner Eisenbahngesellschaft sichern kann. Seine grössten Konkurrenten sind jedoch nicht die anderen Eisenbahngesellschaften. Denn diese besitzen auf ihren Linien ein regionales Monopol, da es ökonomisch wenig Sinn macht, Parallelnetze zu betreiben.

Buffetts grösster Konkurrent ist der LKW-Transport. Gegenüber der Strasse hat die Schiene in den USA aber deutliche Kostenvorteile.[1] Derzeit kostet eine Tonnenmeile auf der Strasse ungefähr viermal soviel wie auf der Schiene. Dabei sind nur die privaten Kosten berücksichtigt. Zählt man die sozialen Kosten hinzu, die durch Staus, Unfälle, CO2-Ausstoss und Luftverschmutzung entstehen, so wird der Kostenvorteil noch grösser. Aufgrund dieser Kostenvorteile sollte der Schienenverkehr gegenüber dem Strassenverehr also überproportional vom Nachfrageanstieg profitieren.

Betrachtet man darüber hinaus die unterschiedlichen Kostenstrukturen von Eisenbahn und LKW, so wird deutlich, welchen Gewinnhebel Buffett hat. Während beim LKW-Transport fast nur variable Kosten anfallen, ist beim Schienentransport der Anteil der Fixkosten sehr hoch. Mit steigender Nachfrage fallen somit beim Schienentransport die Durchschnittskosten pro Tonnenmeile, während sie beim LKW-Transport annähernd konstant bleiben. Ein allfälliges Nachfragewachstum dürfte also zu einem überproportionalen Gewinnwachstum bei den Eisenbahngesellschaften führen.

So gesehen ist die Übernahme von BNSF Railway eine sehr attraktive Investition in die Zukunft, durch die sich Buffett erhofft, den Aktionären seiner Holdinggesellschaft ein überproportionales Gewinnwachstum zu sichern.

 

[1] McCullough, Gerard J. (2006): «U.S. Railroad Efficiency: An Economic View,» Conference Proceedings XX: Research to Enhance Rail Network Performance. Transportation Research Board of the National Academies, Washington DC.

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