iconomix

Schweizerische Nationalbank

Freitag, 19. Februar 2010,
17:49

Wie viel Ordnung ist gesund?

Das Gesundheitswesen sorgt regelmässig für Schlagzeilen. Zuletzt lösten die Prämienerhöhungen bei der obligatorischen Grundversicherung Diskussionen aus. Im Bundesrat wurden dringende Massnahmen beraten, wie zum Beispiel die Einführung einer Praxisgebühr.[1]

Warum befasst sich die Politik so intensiv mit dem Gesundheitswesen? Eine Erklärung ist die Wirtschaftsordnung im Gesundheitssektor.

Unter einer Wirtschaftsordnung versteht man die Gestaltung der Wirtschaft durch die Politik, im Fokus steht dabei die Regulierung von Märkten. Staatliche Behörden können den Zugang zu gewissen Märkten sowohl für Anbieter wie auch für Nachfrager reglementieren. Preise für die Güter und Dienstleistungen können festgelegt oder Qualitätsvorschriften erlassen werden.

Im Gesundheitswesen findet sich eine Vielzahl derartiger Regulierungen, beispielsweise auf Seite der Nachfrage: prinzipiell dürfen sich Patienten im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) zwar entscheiden, von welchem Arzt sie sich behandeln lassen wollen. Bei der Wahl eines Spitals werden ihnen jedoch – je nach Versicherungsmodell – kantonale Grenzen gesetzt.

Auch angebotsseitig ist der Markt für medizinische Behandlungen im Rahmen der OKP reguliert. Zwar sind Arztpraxen und Spitäler privatwirtschaftliche oder öffentliche Unternehmen und können bei gutem Geschäftsgang einen Gewinn erwirtschaften. Doch übt der Staat auch hier einen grossen Einfluss aus indem er über die Anzahl der zugelassenen Praxen und den Leistungsumfang der Spitäler entscheidet.

Schliesslich unterliegen auch die Preise der aus der OKP bezahlten Gesundheitssleistungen einer Reihe von Tarif- und Regelwerken, so dass ihre Höhe in der ganzen Schweiz beinahe gleich ist: unabhängig davon, bei welchem Arzt eine 15-minütige Konsultation stattfindet, wird sie zum gleichen Preis abgerechnet.

Ein solches System hat Vor- und Nachteile, doch darauf einzugehen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Die Beispiele mögen aber doch immerhin illustrieren, warum sich die beteiligten Akteure regelmässig in den Haaren liegen: wo es über Regulierungen zu bestimmen gilt, gibt es viele Gelegenheiten, diese zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen.

Dazu ein Beispiel: Während Arztpraxen, Spitäler und private Laboratorien an hohen Tarifen interessiert sind, müssen die Versicherungen mit ihren Prämieneinnahmen haushälterisch umgehen und befürworten knapp bemessene Tarife.[2]

In einem nächsten Beitrag werde ich folgenden zwei Fragen nachgehen: Welche der involvierten Akteure haben eigentlich ein langfristiges Interesse, das Ausgabenwachstum im Gesundheitswesen einzudämmen? Und, besteht dazu überhaupt ein Anlass?

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

 

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 21. Februar 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-21-feb-2010/.

[1] Tages-Anzeiger Online, 29.5.2009: «Bundesrat will Praxisgebühren durchdrücken http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Bundesrat-will-Praxisgebuehr-durchdruecken/story/28389604»

[2] NZZ-Online, 1.4.2009: «Die Hausärzte schlagen Alarm http://www.nzz.ch/nachrichten/Schweiz/die_hausaerzte_schlagen_alarm_1.2303771.html»

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