iconomix

Schweizerische Nationalbank

Freitag, 05. Februar 2010,
15:42

Das Handicap der CEOs

Einkommen und sozialer Status von Führungskräften sind sehr ungleich verteilt. Wenige CEOs teilen sich den Grossteil aller finanziellen Entschädigungen und geniessen eine ausgeprägte mediale Aufmerksamkeit. Diese Sonderstellung ist begründet durch den erzielten unternehmerischen Mehrwert und wird – vor allem in den USA – regelmässig mit prestigeträchtigen Auszeichnungen belohnt.

Häufig führt die öffentliche Ehrung eines CEO aber gerade nicht dazu, dass dieser den Unternehmenswert weiter zu steigern vermag.[1] Vielmehr fällt die Leistung in den Folgejahren kontinuierlich ab. Gleichzeitig verzeichnet eine solche Führungskraft einen sprunghaften Anstieg in der Entlohnung. Die Frage sei erlaubt: Was läuft hier falsch?

Vieles deutet darauf hin, dass öffentliche Auszeichnungen die internen Machtstrukturen zu Gunsten des Geschäftsführers verschieben. Dieser geht dann vermehrt Aktivitäten nach, die seinen privaten Nutzen steigern, nicht jedoch der Unternehmung zugute kommen. Beispielsweise häufen sich Verwaltungsratsmandate oder Buchpublikationen. Zudem mehren sich Hinweise auf eine «kreative Buchhaltung» und das Golf Handicap ist im Vergleich zu nicht-ausgezeichneten CEOs auffallend tief.

Wer nun daraus ableitet, dass die öffentliche Auszeichnung von CEOs für die betroffenen Unternehmen grundsätzlich schädlich ist, verwechselt jedoch Ursache und Wirkung. Eine Auszeichnung soll ja geradezu dazu Anreiz geben, sich durch Mehrleistung hervorzutun. Sie stellt nebst finanziellen Anreizen die wohl wichtigste, von aussen kommende Motivationsquelle dar.

Damit ein CEO nach Erhalt einer Auszeichnung die Unternehmensziele weiterhin prioritär behandelt, ist eine starke «Corporate Governance http://de.wikipedia.org/wiki/Corporate_Governance» nötig. Ist diese ausgeprägt, so treten die oben beschriebenen Auswüchse deutlich seltener auf. In diesem Sinne ist die aktuelle Diskussion um die Stärkung der Aktionärsrechte http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/buergerliche_ringen_mit_minder-initiative_1.4698174.html zu begrüssen.

Dass man allgemein gut daran tut, Führungskräften klare Leitplanken zu setzen, wird durch weitere Forschungsresultate gestützt.[2] Diese legen nahe, dass mächtige (oder sich mächtig fühlende) Personen zwar strenge Verhaltensnormen einfordern, selber aber relativ bereitwillig davon abweichen, sollte dies für sie förderlich sein. Ob dieses Verhalten – wie der Economist vermutet http://www.economist.com/sciencetechnology/displaystory.cfm?story_id=15328544 – den Preis darstellt, den eine Gesellschaft zu zahlen hat, will sie von Alpha-Tieren anstatt von Waschlappen geführt werden? Die Antwort darauf bleibt vorerst offen.

Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser

 

Weiterführende Informationen:
- Blogbeitrag zur Rolle von Auszeichnungen in Unternehmen, 23.10.2009http://www.iconomix.ch/
- Blogbeitrag zu den Eskapaden von Tiger Woods, 29.01.2010http://www.iconomix.ch/

[1] Malmendier and Tate (2009): «Superstar CEOs», The Quarterly Journal of Economics, 124, 4.

[2] Lammers et al. (2010): «Power Increases Hypocrisy», Psychological Science, in press.

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