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Helmut M. Dietl, Mittwoch, 2. Mai 2012, 09:05

Was sind Profiteams wert?

Laut Forbes ist Manchester United mit einem Gesamtwert in Höhe von US$ 2.24 Mrd. das wertvollste Sportteam der Welt. Insgesamt ergibt sich unter Berücksichtigung der entsprechenden Forbes-Listen (hier und hier) die nachfolgende Top 10 der wertvollsten Sportteams:

Rang

Team

Sportart

Wert (in Mrd. US$)

1

Manchester United

Fussball

2.24

2

Real Madrid

Fussball

1.88

3

New York Yankees

Baseball

1.85

3

Dallas Cowboys

Football

1.85

5

Washington Redskins

Football

1.56

6

New England Patriots

Football

1.40

6

Los Angeles Dodgers

Baseball

1.40

8

FC Barcelona

Fussball

1.31

9

New York Giants

Football

1.30

10

FC Arsenal

Fussball

1.29

Allerdings basiert diese Rangfolge auf groben Schätzwerten, da es von den wertvollsten Klubs anders als bei börsenkotierten Unternehmen keine verlässlichen Marktwerte gibt. Bis auf Real MadridFC Barcelona und Arsenal befinden sich alle Teams in Privatbesitz. Madrid und Barcelona sind als Sportvereine im Besitz ihrer Mitglieder. Nur Arsenal ist eine Aktiengesellschaft. Allerdings werden deren Aktien nicht an öffentlichen Börsen, sondern unregelmäßig auf dem Spezialistenmarkt «PLUS» gehandelt.

Als Richtschnur für diese Schätzwerte galten bislang die umgerechnet US$ 1.5 Mrd., die Malcolm Glazer im Jahre 2005 bei seiner Übernahme von Manchester United bezahlte. Nachdem Anfang April 2012 eine Investorengruppe um den Guggenheim Financial CEO Mark Walter und den ehemaligen Basketballstar Earvin «Magic» Johnson die kurz vor dem Bankrott stehenden Los Angeles Dodgers für US$ 2.15 Mrd. übernahm, muss die Bewertung professioneller Sportteams neu überdacht werden.

Bislang wurden Profiteams ungefähr mit ihrem drei- bis dreieinhalbfachen Jahresumsatz bewertet. Auch hier sprengt die Übernahme der L.A. Dodgers alle Massstäbe. Der Übernahmepreis entspricht mehr als dem siebenfachen des Rekordumsatzes von knapp US$ 300 Mio. des Jahres 2008. Zudem hatte der Klub noch im März 2012 Gesamtschulden von über US$ 700 Mio.

Bei der Neubewertung dürften vor allem die Einnahmen aus der Vermarktung der lokalen Fernsehrechte eine zentrale Rolle spielen. Während die überregionalen Fernsehrechte von der Liga vermarktet werden, dürfen die Klubs die lokalen Fernsehrechte selbständig vermarkten. Dabei wurde das Lokalfernsehen bislang als direktes Substitut zum Stadionbesuch interpretiert: wer ein Spiel live im Lokalfernsehen verfolgt, kommt nicht ins Stadion und umgekehrt. Mittlerweile hat sich diese Sichtweise zumindest teilweise verändert. Die meisten Klubs sehen das Lokalfernsehen heute als Erweiterung ihrer Fanbasis und Komplement zum Stadionbesuch: Wer die Spiele regelmässig am Fernseher verfolgt, kommt eher zu einem der 82 Heimspiele der regulären Saison.

Derzeit besitzt Fox Sports die lokalen Fernsehrechte für die Spiele der L.A. Dodgers. Der aktuell gültige  Fernsehvertrag stammt allerdings aus dem Jahre 1997 und läuft Ende 2013 aus. Dann können die neuen Eigentümer einen neuen Vertrag zu weitaus lukrativeren Konditionen aushandeln. Beispielsweise hat der weniger populäre Stadtrivale Los Angeles Angels erst vor wenigen Monaten einen über 20 Jahre laufenden Vertrag mit Fox Sports abgeschlossen, der dem Klub angeblich jährlich US$ 150 Mio. einbringt.

Noch ertragreicher könnte der Aufbau eines eigenen Fernsehkanals werden. Der Marktführer, die New York Yankees, hatten letzte Saison mit ihrem Pay-TV-Sender rund 12 Mio. Abonnements für US$ 2.80/Monat verkauft und damit einen Jahresumsatz von mehr als US$ 400 Mio. erzielt. Allein dieser Einnahmestrom hätte bei einem (vorsichtig kalkulierten) Zinssatz von 5% einen heutigen Marktwert von US$ 8 Mrd. Laut Forbes sind die Yankees derzeit aber «nur» US$ 1.85 Mrd. wert.

Wenn allein die lokalen Fernsehrechte ein Vielfaches des geschätzten Marktwertes betragen, sind entweder die Schätzungen falsch oder die Klubs können mit ihren übrigen Einnahmen (Ticketverkauf, überregionale Fernsehrechte, Merchandising, Sponsoring, etc.) die Kosten für den Spielbetrieb nicht annähernd decken.

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Kommentare (0)Kommentar abgeben
Jan Dark
03. Mai 2012, 10:05
Sportvereine als Handelware als Genickbrecher des Wachstums?

Ich bin begeistert: Sportvereine als Handelsware udn Englands Wirtschaft schrumpft. Grandios. Klassischer Fall von Fehlallokation von Vermögen.

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