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Geldschöpfung

Wie wird eigentlich Geld geschaffen? Was auf den ersten Blick etwas Mystisches zu sein scheint, ist in Wahrheit ein ganz und gar weltlicher Prozess.

Zum einen kann die Notenbank neues Geld schaffen. Zum anderen können auch die Geschäftsbanken Geld kreieren, indem sie Kredite gewähren. Ihre Möglichkeiten, Geld zu schaffen, werden durch die gesetzlichen Vorschriften über die Mindestreserven und durch die Bereitschaft der Notenbank, die Geldversorgung zu erhöhen oder zu verknappen, beeinflusst.

Die Notenbank kann über ihre geldpolitischen Instrumente die Zinssätze am Geldmarkt und damit die Geldversorgung eines Landes indirekt über die Nachfrage nach Krediten (hoher Zins gleich kleinere Nachfrage nach Krediten und weniger Geldschöpfung und v.v.) steuern. Im langfristigen Gleichgewicht sollte der Nominalzins dem nominalen Wirtschaftswachstum entsprechen. Das «Geldkleid» muss zur Realwirtschaft passen. Dann sind weder inflationäre noch deflationäre Tendenzen zu erwarten.

Zur Geldschöpfung der Geschäftsbanken ist zu sagen, dass diese nur dann Kredite gewähren, wenn sie von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung (mit Zinsen) ausgehen können. Das ist dann der Fall, wenn der Kreditnehmer eine vernünftige Investition tätigt. Je grösser die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kreditnehmer nicht fähig sein wird, die Schuld bei Fälligkeit zu begleichen, desto weniger wird die Bank geneigt sein, einen solchen Kredit zu sprechen, oder sie wird für das höhere Risiko höhere Zinsen (bzw. Sicherheiten) einfordern. 

Einige Links und Quellen zum Thema:

Für das iconomix-Team
Manuel Wälti

Thema: Geld, Währung, Finanzenhttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/4-geld-waehrung-finanzen/
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SNB Kommunikation
05. Juli 2012, 15:07
Anmerkungen zu den Ausführungen von Herrn Dr. Marc Meyer

In verschiedenen Blog-Beiträgen zum Thema Eigenkapital der SNB stellt Herr Meyer seine Sicht der Dinge dar. Viele seiner Darstellungen zum Wesen einer Zentralbank und zu gewissen zentralbankspezifischen Vorgängen sind korrekt.

Allerdings weichen seine Ausführungen in mehreren Punkten von den Artikeln ab, die von iconomix zur Verfügung gestellt werden. Der Grund der Meinungsdifferenzen ist, dass (z.B. im längeren Beitrag „Banknoten sind Schuldscheine der SNB“) ein zentraler Aspekt fehlt und deshalb falsche Schlüsse gezogen werden: Die Banknoten sind gesetzliches Zahlungsmittel der Schweiz, mit allen daraus erwachsenden Konsequenzen. Zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln gehören im Übrigen gemäss dem Bundesgesetz über die Währung und Zahlungsmittel (WGZ) neben den Banknoten auch die vom Bund ausgegebenen Münzen und die auf Franken lautenden Sichtguthaben bei der Nationalbank.

Eine Banknote kann daher nicht einfach einer Obligation (einem „Schuldschein“) gleichgesetzt werden. So fehlt beispielsweise ein Verfall- resp. Rückzahlungsdatum oder das Anrecht, die „Schuld“ durch etwas anderes zu ersetzen: Eine Banknote kann nur in die gleiche oder eine andere Form von gesetzlichen Zahlungsmitteln umgetauscht werden. Aus diesem wichtigen Unterschied zwischen gesetzlichen Zahlungsmitteln und „normalen Schuldscheinen“ ergeben sich entsprechend andere Schlussfolgerungen als von Herrn Meyer vorgeschlagen. Stellvertretend sei nur eine genannt: Dass Banken ihre Giroguthaben (also die gesetzlichen Zahlungsmittel) tiefer bewerten müssen, wenn die Nationalbank negatives Eigenkapital ausweist, ist nicht korrekt. Im von Herrn Meyer zitierten Art. 960 OR wird in Abs. 1 klar festgehalten: „Inventar, Betriebsrechnung und Bilanz sind in Landeswährung aufzustellen.“ Das Giroguthaben einer Geschäftsbank, beispielsweise 500 Mio. Franken, wird per Definition immer 500 Mio. Franken sein, und es braucht somit keine Anpassung der Bewertung.

Herr Jordan hat in seinem Referat viele der in den Beiträgen angesprochenen Aspekte eingehend behandelt.

SNB Kommunikation

Dr. Marc Meyer
04. Januar 2012, 10:01
"Geld schöpfen" heisst nichts anderes als "Schulden machen"

Notenbankgeld wird auf der Passivseite der SNB-Bilanz verbucht. Notenbankgeld - egal ob Banknoten oder Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB - sind also nichts anderes als Schulden der SNB gegenüber der Volkswirtschaft (genüber den Konsumenten im Fall von Banknoten bzw. gegenüber den Banken im Fall von Giroguthaben). Die Devisenkäufe der Schweizerischen Nationalbank in den vergangenen zwei Jahren wurden nicht über das Drucken von Banknoten, sondern mit Giroguthaben der Geschäftsbanken finanziert. Oder anders formuliert. Was die SNB als "Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität" bezeichnet ist in Tat und Wahrheit eine Veschuldung der SNB bei der Wirtschaft. Das beweist die Notenbank-Bilanz. Die "Zeitbombe" ist nun die: Sollte der Wert der Devisen fallen und das Eigenkapital der Nationalbank negativ werden, so müssen die Geschäftsbanken ihre Kredite an die SNB entsprechend tiefer bewerten - genauso wie eine Bank einen Hypothekarkredit teilweise abschreiben muss, wenn der Wert des Hauses tiefer gefallen ist als die Höhe der gewährten Hypothek.

Manuel Wälti
03. Januar 2012, 16:01
Thema "Zeitbombe"

Lieber Patrik Tschudin. Im August 2011 hatte die SNB die Frankenliquidität massiv erhöht, um den stark überbewerteten Franken zu schwächen. Seither befinden sich die Sichtguthaben der Banken bei der Nationalbank auf historisch hohem Niveau. Ein differenzierter Artikel zum Thema war in der F.A.Z. vom 21. Dezember 2011 zu lesen:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/vergroesserung-der-geldmengen-der-groesste-suender-ist-die-schweiz-11575302.html
Für die Wirkungen der Geldpolitik auf Konjunktur und Preise sind die Geldaggregate M1, M2 und M3 aussagekräftiger als die Notenbankgeldmenge. Das aktuelle Quartalsheft 4/2011 der SNB informiert über deren Entwicklung (Kapitel 5.5 Geld- und Kreditaggregate):
http://www.snb.ch/de/iabout/pub/oecpub/quartbul/id/pub_quartbul_overview
Manuel Wälti, SNB

Patrik Tschudin
19. Dezember 2011, 14:12
Zeitung "Die Welt" spricht von "Zeitbombe"

Die Zeitung "Die Welt" titelt am 15.12.: "Selbst in der Schweiz ist das Ersparte in Gefahr" und spricht von der durch Geldschöpfung massiv ausgeweiteten Notenbankgeldmenge (Juli 2011: 77 Mrd, Oktober 242Mrd.) als einer "Zeitbombe":
http://www.welt.de/finanzen/article13769582/Selbst-in-der-Schweiz-ist-das-Ersparte-in-Gefahr.html
Was ist Ihre Reaktion auf diese Interpretation der "Welt"?

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