Als sich Europa im 18. und 19. Jahrhundert industrialisierte, begriff man erstmals den ökonomischen Zusammenhang von Kapital und Wirtschaftsleistung. Zuvor war man davon ausgegangen, dass der Reichtum eines Landes eine Sache der Goldvorräte oder des fruchtbaren Bodens war. Nun wurde dank Dampfmaschinen und mechanischen Webstühlen deutlich: Je mehr Kapital pro Arbeiter zur Verfügung steht, desto höher ist die Produktionsleistung einer Wirtschaft.
Wer «Kapital» hört, denkt zuerst an finanzielles Kapital, an Geld. Volkswirtschaftlich bedeutet der Begriff Kapital aber gerade nicht das Geld, sondern diejenigen Produktionsgüter, die mit dem Geld finanziert wurden: Traktoren, Druckmaschinen, Filmkameras. Sie alle sind Produktionsgüter, weil sie zur Herstellung von weiteren Gütern verwendet werden. Und sie sind selbst im Produktionsprozess entstanden, denn anders als Rohstoffe sind sie nicht natürlich vorhanden und abbaubar.
Wenn ein Unternehmen eine Investition tätigt und eine zusätzliche Schleifmaschine, einen weiteren Lieferwagen oder eine grösseren Backofen anschafft, so erhöht dies seine Kapitalausstattung. Pro Arbeiter steht nun mehr Kapital zur Verfügung und die Arbeit wird produktiver: mit einer zusätzlichen Schleifmaschine kann ein Team von Möbelschreinern mehr Tische herstellen wie zuvor. Dies erhöht den Gewinn und ermöglicht im Laufe der Zeit weitere Investitionen in Produktionsgüter.
Fortwährende Investitionen durch die Unternehmen erhöhen nach und nach die Kapitalausstattung und die Leistungsfähigkeit einer Wirtschaft. In Spanien bestätigt sich dieser Zusammenhang auf der Ebene einzelner Regionen. Seit ihrer Industrialisierung weisen die Regionen Madrid, Katalonien und das Baskenland höhere Kapitalausstattungen auf als der Rest des Landes. In Madrid und Barcelona werden deshalb nicht nur die besten Fussballer ausgebildet – auch das BIP pro Kopf weist in diesen Regionen gemeinsam mit dem Baskenland den höchsten Wert auf (Klick auf die Grafik um zu vergrössern).
Je mehr Kapital, desto höher die Wirtschaftsleistung – Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hielt man damit das «Rätsel des Wohlstandes» für gelöst. Umso verblüffender war 1957 die Erkenntnis des Ökonomen Robert Solow: Ist irgendwann die optimale Menge an Kapital für eine gegebene Anzahl Arbeiter angehäuft, so wächst eine Wirtschaft nicht mehr weiter. Ein langfristiges Wirtschaftswachstum erfordert demgegenüber eine qualitative Veränderung der Wirtschaft, es erfordert technologischen Fortschritt.
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Für das iconomix-Team
Simon Schmid
[1] David Weil (2009): «Economic Growth»




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