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Lernen mit Iconomix

Didaktisches Leitkonzept

Nachfolgend wird das didaktische Leitkonzept von Iconomix beschrieben. Es richtet sich an Lehrpersonen, die mit Iconomix unterrichten (konkrete Hinweise für die Durchführung eines bestimmten Iconomix-Moduls sind in den jeweiligen didaktischen Begleitkommentaren zu finden). Die ursprüngliche Version des Leitkonzepts stammt von 2007; die vorliegende Version wurde später aufgrund von Anregungen von Prof. em. Dr. Dieter Euler, bis Ende 2017 Direktor des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Universität St. Gallen, massgeblich weiterentwickelt.

Hintergrund

Mit ihrem Bildungsangebot will die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Kompetenz junger Erwachsener in Wirtschaftsfragen fördern. Iconomix vermittelt ökonomische Grundprinzipien, auf deren Basis sich viele wirtschaftliche Situationen erklären lassen; zum Beispiel das Prinzip von Markt, Wettbewerb und Preisbildung oder das Prinzip der externen Effekte.

Iconomix versteht sich als ergänzendes Lehrangebot, das die Lehrpersonen gemäss ihren eigenen und den Bedürfnissen ihrer Lernenden einsetzen können. Entsprechend vielfältig ist das Angebot an Themen, methodisch-didaktischen Formaten und Anforderungsprofilen. Neben den Unterrichtsmodulen bietet Iconomix eine laufend ergänzte Auswahl an zuverlässigen Internet-Ressourcen rund um das Thema Ökonomie. Im Rahmen von Weiterbildungsveranstaltungen und Tagungen fördert Iconomix ausserdem das Fachwissen und den gegenseitigen Austausch unter Lehrpersonen.

Didaktisches Leitkonzept

Das didaktische Leitkonzept von Iconomix beruht auf dem Prinzip des aktiven, problembasierten Lernens. Das Phasenmodell mit den drei Lernprozessphasen von Sicheinlassen, Sichaustauschen und -reflektieren sowie Üben und Anwenden bilden die Grundlage dafür.

Viele Unterrichtsmodule sind als Lernumgebungen gestaltet, in denen die Lernenden durch Ausprobieren Erfahrungen machen können. Durch diesen aktiven Lernprozess erwerben die Lernenden nicht nur Faktenwissen, sondern vor allem Handlungskompetenz. Alle problembasierten Iconomix-Module folgen in ihrem Ablauf einem dreiteiligen, in folgender Tabelle dargestellten Phasenmodell.

Phasenmodell

Ablauf in drei Phasen Erläuterung Beitrag zur Entwicklung von Handlungskompetenzen
Phase 1: 
Sich einlassen
Phase der Problemgrundlegung und der Sensibilisierung für das Thema. Einführung einer herausfordernden, motivierenden Problemstellung bzw. eines Handlungsumfeldes. Der Lernende ist eingeladen, sich auf eine Herausforderung einzulassen, die motiviert, Fragen aufwirft und Neugierde/Betroffenheit erzeugt. Aufbau einer gemeinsamen Erfahrungsbasis. Entwicklung eines Problembewusstseins und von Motivation, Neugierde und Bereitschaft, sich mit den Inhalten zu beschäftigen – eine wesentliche personale Grundlage für die Kompetenzentwicklung.
Phase 2:
Sich aus­tauschen und reflektieren
Phase der Problembearbeitung und -lösung. Austausch und Auswertung der Erfahrungen aus Phase 1. Reflexion zu den aufgeworfenen Fragen, Diskussion von Lösungen. Ökonomische Prinzipien, Begriffe und Theorien werden explizit eingeführt. Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Erweiterung des Vorwissens, Aufbau sozialer und 
fachbezogener Handlungskompetenzen.
Phase 3: 
Üben und anwenden
Phase der Konsolidierung und des Transfers. Durch Übungen werden das Behalten bzw. die Routinisierung der erworbenen Kompetenzen gesichert und stabilisiert. Durch die Auseinandersetzung mit in Teilen unterschiedlichen und herausfordernden Aufgaben wird die Übertragung auf ähnliche Problemstellungen und Anwendungsfälle gefördert. Festigen und Flexibilisieren des neu aufgebauten Wissens und Könnens.

 

Vorbehalt

Um der Anforderung der Vielfalt gerecht zu werden, wird das eher induktiv angelegte Konzept des aktiven Lernens bewusst nicht flächendeckend angewendet. Bei einigen Unterrichtsmodulen wird ein klassisch deduktiver Ansatz verfolgt, der darin besteht, Wissen beispielsweise anhand eines Fachtexts anzueignen und mit Übungs- und Transferaufgaben zu reproduzieren.

Ökonomische Handlungskompetenzen

Handlungskompetenzen werden verstanden als das Potenzial eines Menschen, die unterschiedlichen An­forderungen innerhalb eines Lebens- oder Arbeits­bereichs zu bewältigen. Sie können in zweifacher Hinsicht konkretisiert werden:

Eine erste Konkretisierung unterscheidet fachliche, soziale und personale Kompetenzen. Diese Unterscheidung folgt der Überlegung, dass Menschen lernen sollen, den Umgang mit Sachen, mit anderen Menschen und mit der eigenen Entwicklung zu gestalten. Fachkompetenz bezeichnet die Bereitschaft und Fähigkeit, auf der Grundlage fachlichen Wissens und Könnens sachliche Aufgaben und Probleme zu lösen. Sozialkompetenz bezeichnet die Bereitschaft und Fähigkeit, soziale Beziehungen zu gestalten und sich mit anderen verantwortungsbewusst auseinanderzusetzen und zu verständigen. Personale Kompetenz bezeichnet die Bereitschaft und Fähigkeit, sich reflektierend mit der eigenen Persönlichkeit aus­einanderzusetzen, eigene Wertvorstellungen und Po­tenziale wie beispielsweise die Kompetenz zum selbst gesteuerten Lernen (Lernkompetenz) zu entwickeln.

Eine weitere Konkretisierung fachlicher, sozialer und personaler Handlungskompetenzen unterscheidet zwischen Wissen (Kennen), Fertigkeiten (Können) und Einstellungen (Wollen).

Konkretisiert man die fachlichen, sozialen und personalen Kompetenzen bezogen auf ökonomische Gegenstände, so ergibt sich die für Iconomix massgebende Beschreibung ökonomischer Handlungskompetenz, die in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst wird.

Kompetenzmatrix

  Einstellungen (Wollen) Wissen (Kennen) Fertigkeiten (Können)
Personale Kompetenzen Bereit sein, sich auf ökonomische Herausforderungen einzulassen und eine eigene Position zu entwickeln.

Interesse und Neugierde für ökonomische Fragestellungen entwickeln.
Den Einfluss von Anreizen und Rahmenbedingungen auf das eigene wirtschaftliche Handeln verstehen.

Sich über die eigenen Werte, Ziele und Bedürfnisse im Zusammenhang mit einem ökonomischen Sachverhalt bewusst werden.
 

 

Persönliche Handlungsalter­nativen gegeneinander abwägen und Entscheidungen unter Abwägung von ökonomischen und moralischen Gesichtspunkten treffen.
Soziale Kompetenzen Bereitschaft entwickeln, zur Entwicklung von gemeinsamen Problemlösungen beizutragen.

Bereit sein, sich engagiert, konstruktiv und verständi­gungs­orientiert in ökonomische Diskussionen mit andern einbringen.
Den Einfluss eigener Handlungen auf die Handlungsbedingungen anderer verstehen.

Gegensätze in der Beurteilung ökonomischer Sachverhalte durch verschiedene Personen und mögliche Ursachen für diese Gegensätze kennen und verstehen.
Die Perspektive wechseln, sich in die Rolle eines anderen Akteurs versetzen und Vermutungen über dessen Vorgehen anstellen.

Mit Mitmenschen ökonomische Sachverhalte diskutieren, einen eigenen Standpunkt vertreten und im Austausch weiterentwickeln.

Ökonomische Auswirkungen auf andere bei der Ausrichtung des eigenen Handelns berücksichtigen.
Fachliche Kompetenzen Ökonomische Sachverhalte und Frage-/Problemstellungen nicht als Angelegenheit für Manager und reiche Leute, sondern für alle Menschen als alltagsrelevant erachten.

Ökonomische Ereignisse und Themen mit Interesse verfolgen.

Kritisch, sorgfältig und offen an die Beurteilung ökonomischer Sachverhalte herangehen.
Grundlegende ökonomische Theorien und Prinzipien kennen, verstehen und anwenden.

Rolle von Märkten und Institutionen in der Volkswirtschaft kennen, verstehen und analysieren.

Den Einfluss wirtschaftspolitischer Massnahmen für unterschiedliche Akteure verstehen und beurteilen.
Die Wirkungsweise grundlegender ökonomischer Prinzipien im Alltag erkennen und Bezüge zwischen Beobachtungen im Alltag und ökono­mischen Modellen herstellen.

Lösungsvorschläge für ökonomische Problemstellungen in der Rolle als Konsument, als Werk­tätiger, als Anleger, als Staatsbürger entwickeln und beurteilen.

 

Thematischer Umfang von Iconomix: 17 ökonomische Grundprinzipien

Der Name Iconomix ist aus der phonetischen Schreibweise des englischen «Economics» abgeleitet, zu Deutsch: Volkswirtschaftslehre. Der thematische Umfang wurde 2007, bei der Lancierung des Bildungsprogramms, in 17 ökonomische Grundprinzipien gegossen. Dieser Katalog orientiert sich an modernen internationalen Einführungslehrbüchern in die Ökonomie. Die 17 Grundprinzipien sind als Leitlinien zu verstehen: Die Iconomix-Unterrichtsmodule decken nicht alle Prinzipien in der gleichen Tiefe ab, aber sie liegen niemals ausserhalb dieses Rahmens.

Zu den 17 Grundprinzipien