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Konjunkturtendenzen Frühjahr 2025

Fachtext mit Lernaufträgen

Worum es geht

 

Die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen publiziert jedes Quartal eine Prognose der konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz, basierend auf Annahmen zur Auslandkonjunktur sowie zur monetären Entwicklung.

 

Die Frühjahrsprognose wurde am 18. März 2025 mit einer Medienmitteilung des SECO präsentiert. Sie wurde in einer ausführlichen SECO-Publikation, den «Konjunkturtendenzen Frühjahr 2025», dokumentiert – siehe nebenstehende Abbildung. Diese Publikation ist im Internet frei zugänglich unter www.seco.admin.ch/Konjunkturtendenzen. Zudem geht die Hauptausgabe der «Tagesschau» von SRF vom 18. März 2025 im Beitrag «Konjunktur in der Schweiz: Wirtschaft wächst weniger» auf die SECO-Konjunkturprognose ein (1:52).

 

Im vorliegenden Fachtext mit Lernaufträgen gibt Iconomix anhand von Auszügen aus der SECO-Medienmitteilung sowie aus der 31-seitigen SECO-Publikation eine knappe Zusammenfassung und ergänzt diese mit als Aufträge formulierten Fragen zum Text. Fragen, die mit dem ✪-Icon markiert sind, weisen über den SECO-Text hinaus und laden zum Weiterdenken ein; sie dienen der Vertiefung.

 

Die Schweiz als kleine, weltmarktorientierte Volkswirtschaft wird stark von der weltwirtschaftlichen Konjunktur beeinflusst. Aus diesem Grund werden im ersten Teil der Zusammenfassung von Iconomix die Lage der Weltwirtschaft und das monetäre Umfeld dargestellt. Im zweiten Teil wird die Wirtschaftslage Schweiz im 4. Quartal 2024 beschrieben. Im dritten Teil wird die aktuelle Konjunkturprognose für die Jahre 2025 und 2026 vorgestellt, und im vierten Teil werden die Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung und der Prognose erläutert.

 

 

Foliensatz mit Grafiken und Tabellen

Das Modul «Konjunkturtendenzen» von Iconomix umfasst auch einen Foliensatz (PDF) mit allen Grafiken und Tabellen aus der gleichnamigen SECO-Publikation – von den Beiträgen zum BIP-Wachstum der inländischen Endnachfrage über den Welthandel bis hin zur Inflationsentwicklung.

    1. 1)

      Internationales und monetäres Umfeld

      Realwirtschaft

      Das Wachstum der Weltwirtschaft schwächte sich im 4. Quartal 2024 etwas ab und lag leicht unter den Erwartungen. Die Heterogenität zwischen den einzelnen Ländern war erneut gross: In China sowie in Japan stieg das BIP kräftig, und auch in den USA wurde erneut ein robustes Wachstum erzielt. Dagegen schwächte sich das BIP-Wachstum im Euroraum ab, in Deutschland und Frankreich ging das BIP sogar zurück. Auch im Vereinigten Königreich stieg es nur langsam.

      Trotz einer leichten Eintrübung in verschiedenen Ländern ist die Lage auf dem internationalen Arbeitsmarkt im historischen Vergleich nach wie vor günstig. Entsprechend sind die Löhne vielerorts weiter gestiegen, was die Kaufkraft der privaten Haushalte stützt.

      Monetäre Entwicklung

      In vielen Ländern hat sich die Inflation seit dem vergangenen Herbst wieder deutlich erhöht. Insgesamt erweist sich die Teuerung als etwas hartnäckiger als erhofft. Angesichts der wieder stärker auseinandergehenden Inflationsentwicklung bewegte sich die Geldpolitik zuletzt weniger gleichläufig.

      Der Franken wertete angesichts der zunehmenden Zinsdifferenz zum Ausland seit September gegenüber vielen Währungen ab, insbesondere gegenüber dem US-Dollar, aber auch gegenüber dem Euro. Insgesamt resultiert daraus handelsgewichtet sowohl nominal als auch real eine deutliche Abwertung seit September 2024.

       

      Aufträge zum internationalen und zum monetären Umfeld

       

    1. a)

      Beschreiben Sie kurz die Entwicklung der Weltwirtschaft im 4. Quartal 2024. Gehen Sie dabei auf die unterschiedliche Entwicklung (Heterogenität) in den verschiedenen Wirtschaftsräumen ein.

    1. b)

      Wie war die Lage auf dem internationalen Arbeitsmarkt? Beschreiben Sie kurz.

    1. c)

      Beschreiben Sie kurz die monetäre Entwicklung im Frühjahr 2025.

    1. d)

      ✪ Im SECO-Text wird gesagt, dass der Schweizer Franken gegenüber US-Dollar und Euro angesichts der zunehmenden Zinsdifferenz an Wert verloren hat. Was versteht man unter dem Begriff Zinsdifferenz und wie beeinflusst die Zinsdifferenz den Wechselkurs? Erläutern Sie den Zusammenhang am Beispiel von US-Dollar und Schweizer Franken.


    1. 2)

      Wirtschaftslage Schweiz

      Bruttoinlandprodukt

      Das reale Sportevent-bereinigte Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm im 4. Quartal 2024 um 0,5% zu. Damit ist die Schweizer Wirtschaft solide gewachsen, was im Rahmen der Erwartungen liegt.

      Das Wachstum wurde im 4. Quartal 2024 je etwa hälftig vom Industrie- und vom Dienstleistungssektor getragen. Im Industriesektor konzentrierte es sich im Wesentlichen auf die chemisch-pharmazeutische Industrie, die auch für einen starken Anstieg der Warenexporte verantwortlich war. Demgegenüber wuchs der Dienstleistungssektor wesentlich breiter abgestützt, wenn auch «nur» moderat in der Summe.

      Im Einklang damit erwies sich die Binnenkonjunktur abermals als Wachstumsstütze. Neben den Konsumausgaben wurden die Investitionen ausgeweitet.

      Arbeitsmarkt

      Im Januar 2025 stieg die Arbeitslosenzahl gegenüber Dezember 2024 saisonbereinigt leicht an. Die Arbeitslosenquote (ALQ) lag bei 2,7%, womit sich die Verlangsamungstendenz beim Anstieg der Arbeitslosigkeit bestätigte.

      Inflation

      Nachdem die Inflation im November und im Dezember 2024 seitwärts tendiert hatte, ging sie im Januar 2025 wie erwartet weiter zurück, auf 0,4%. Damit liegen die Inflationszahlen nach wie vor im Zielband der SNB von 0% bis 2%.

      Der weitere Rückgang der Inflation ist v. a. auf die Stromtarife zurückzuführen, die auf Januar um durchschnittlich 8,7% gesenkt wurden.

       

      Aufträge zur Wirtschaftslage Schweiz

       

    1. a)

      Beschreiben Sie, wie sich die Schweizer Wirtschaft im 4. Quartal 2024 entwickelt hat.

    1. b)

      Gehen Sie kurz auf die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt ein.

    1. c)

      Geben Sie kurz wieder, wie sich die Teuerung seit Jahresbeginn 2025 entwickelt hat.

    1. d)

      ✪ Welche Sektoren sind im 4. Quartal 2024 gemäss SECO-Text besonders gewachsen? Erläutern Sie.

    1. e)

      ✪ Im SECO-Text zur «Wirtschaftslage Schweiz» werden sowohl die Entstehungs- als auch die Verwendungsseite des BIP angesprochen. Finden Sie zwei Textstellen, die jeweils eine der beiden Perspektiven veranschaulichen, und erläutern Sie deren Bedeutung.

    1. f)

      ✪ Die Konjunkturprognose der Expertengruppe des Bundes bezieht sich auf das Sportevent-bereinigte BIP, mit anderen Worten: das BIP ohne den Effekt von grossen Sportanlässen. – Warum bereinigt das SECO das Schweizer BIP um Sportanlässe? Begründen Sie.


    1. 3)

      Konjunkturprognose Schweiz

      Annahmen zur Weltkonjunktur

      Die internationale handels- und wirtschaftspolitische Unsicherheit prägt die weiteren Aussichten für die Weltwirtschaft und damit auch für die Schweizer Konjunktur. Für die vorliegende Prognose wird die Annahme getroffen, dass ein eskalierender globaler Handelskrieg ausbleibt (Basisszenario). Gleichwohl ist mit gewissen bremsenden Effekten zu rechnen. Die Unsicherheit erschwert Investitionsentscheide und bremst die Konjunktur.

      Bruttoinlandprodukt (BIP)

      Unter dieser Voraussetzung ist damit zu rechnen, dass die Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen etwas langsamer wächst als in der Prognose von Dezember 2024 unterstellt. Dies bremst die Schweizer Exportwirtschaft, lastet auf der Auslastung der industriellen Produktionskapazitäten und dämpft die Investitionstätigkeit. Die Expertengruppe senkt ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum der Schweiz im Jahr 2025 leicht auf 1,4% (Prognose von Dezember: 1,5%). Damit würde die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr schwächer wachsen als im historischen Mittel (1,8%), dies nach zwei Jahren mit verhaltenem Wachstum.

      Im Jahr 2026 sollte sich insbesondere das europäische Ausland allmählich von der aktuellen Schwächephase erholen. Dadurch würden auch die Schweizer Exporte und Investitionen wieder an Dynamik gewinnen. Die Expertengruppe prognostiziert für 2026 ein Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1,6% (Prognose von Dezember: 1,7%). Die Inflation dürfte bei jahresdurchschnittlichen 0,6% zu liegen kommen (Prognose von Dezember: 0,7%).

      Arbeitsmarkt

      Die nur moderate Konjunkturdynamik geht mit weiterhin leicht steigenden Arbeitslosenzahlen einher. 2025 sollte die Arbeitslosenquote im Mittel 2,8% betragen, gefolgt von 2,8% im Jahr 2026 (Prognose von Dezember: in beiden Jahren 2,7%).

      Inflation

      Die Inflation dürfte 2025 jahresdurchschnittlich 0,3% betragen (unveränderte Prognose). Für 2026 ist aufgrund wegfallender Basiseffekte mit einer wieder etwas höheren Inflation von 0,6% zu rechnen (Prognose von Dezember: 0,7%). Die günstigere Entwicklung der Inflation dürfte, zusammen mit gewissen Anstiegen der Beschäftigung, die Konsumnachfrage der Haushalte stützen.

       

      Aufträge zur Konjunkturprognose Schweiz

       

    1. a)

      Geben Sie kurz wieder, mit welchem BIP-Wachstum die Expertengruppe des Bundes für die Jahre 2025 und 2026 rechnet.

    1. b)

      Fassen Sie kurz zusammen, mit welcher Arbeitslosenquote (ALQ) im Prognosezeitraum zu rechnen ist.

    1. c)

      Beschreiben Sie in wenigen Worten, wie sich die Inflation über den Prognosezeitraum entwickeln dürfte.

    1. d)

      ✪ Ein eskalierender globaler Handelskrieg wird zwar in der Konjunkturprognose der Expertengruppe des Bundes ausgeschlossen. Dennoch sind gewisse bremsende Effekte auf die Konjunktur zu erwarten. Wie entstehen diese Effekte? Argumentieren Sie.


    1. 4)

      Konjunkturrisiken

      Die Unsicherheit im Zusammenhang mit der internationalen Wirtschafts- und Handelspolitik und ihren makroökonomischen Auswirkungen ist ausserordentlich gross.

      Negativszenario: Eskalierender Handelskrieg

      Die vorliegende Prognose basiert auf der Annahme, dass ein eskalierender globaler Handelskrieg ausbleibt. Es sind jedoch auch weitaus extremere Entwicklungen denkbar. Eine Abschwächung der internationalen Wirtschaftsentwicklung in einem handelspolitischen Negativszenario hätte erhebliche Auswirkungen auf den Schweizer Aussenhandel und auf die hiesige Konjunktur.

      Positivszenario: Expansive Fiskalpolitik

      Umgekehrt könnten sich die Weltnachfrage und die Konjunktur in Europa günstiger entwickeln als aktuell erwartet, etwa im Zuge eines umfangreichen Fiskalstimulus, wie er derzeit in Deutschland anvisiert wird. In einem solchen Positivszenario würde die Nachfrage nach Schweizer Exporten steigen und das Wirtschaftswachstum in der Schweiz höher ausfallen.

      Weitere Risiken: Geopolitik und Finanzmärkte

      Insgesamt dominieren aktuell die konjunkturellen Abwärtsrisiken gegenüber den Aufwärtspotenzialen. Geopolitische Risiken bestehen weiterhin, insbesondere im Zusammenhang mit den bewaffneten Konflikten im Nahen Osten und in der Ukraine. Das Risiko von Korrekturen an den Finanzmärkten dürfte erhöht bleiben.

      Zusätzlich könnte sich die Inflation international als persistenter erweisen und sich damit die geldpolitische Lockerung in den grossen Währungsräumen langsamer vollziehen als derzeit antizipiert. Dann würden sich bestehende Risiken im Zusammenhang mit der globalen Verschuldung, Bilanzrisiken bei Finanzinstitutionen sowie Risiken an den Immobilien- und Finanzmärkten verschärfen.

      Bei einer Materialisierung verschiedener Risiken wäre mit Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken zu rechnen.

       

      Aufträge zu den Konjunkturrisiken

       

    1. a)

      Jede Konjunkturprognose unterliegt einer gewissen Unsicherheit. Nennen Sie wichtige im Text aufgeführte, abwärtsgerichtete Risiken. Antworten Sie in ganzen Sätzen.

    1. b)

      Es wird im SECO-Text auch ein aufwärtsgerichtetes Risiko genannt. Welches? Antworten Sie in einem ganzen Satz.

    1. c)

      ✪ Was ist unter einem «eskalierenden globalen Handelskrieg» zu verstehen und was sind die Folgen davon für das globale Wirtschaftswachstum? Erläutern Sie.

    1. d)

      ✪ Aufgrund der grossen Unsicherheit hat das SECO die Frühjahrsprognose 2025 mit zwei Alternativszenarien ergänzt. Im Negativszenario führt ein globaler Handelskrieg zu einer deutlichen Abschwächung der internationalen Konjunktur, während im Positivszenario durch Fiskalimpulse das Gegenteil der Fall ist. – Weshalb macht es bei grosser Unsicherheit für die Expertengruppe Sinn, in Szenarien zu denken? Argumentieren Sie.