Schweizerische Nationalbank
Der Preis der Ungleichheit
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Staat und Gesellschaft
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Der Preis der Ungleichheit
Montag, 11. Februar 2013

Bild: Wikipedia

Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger und ehemaliger Chefökonom der Weltbank, veröffentlichte 2012 das Buch «der Preis der Ungleichheit». Er widmet sich darin der Entwicklung von Arm und Reich in den USA und stellt Folgendes fest:

  • Das oberste 1% der Einkommensbezieher verdient ungefähr 80% des gesamten Einkommens. 
  • Das oberste 1% der Vermögenden besitzt ungefähr zwei Drittel des gesamten Vermögens. 
  • Seit drei Jahrzenten steigen Einkommen und Vermögen der obersten 1% der amerikanischen Gesellschaft stärker als das Einkommen und Vermögen der restlichen Gesellschaft.
  • Kinder von ungebildeten oder armen Eltern haben in den USA schlechte Aufstiegschancen. 

Diese Ungleichheit wäre ja noch halbwegs akzeptabel, so Stiglitz, wenn die Bestverdienenden wenigstens einen grösseren Beitrag zum Wirtschaftswachstum und damit zum Wohl der Gesellschaft leisten würden. Die Finanzkrise hat aber gezeigt, dass sogar Bankmanager kolossale Boni erhielten, welche Unternehmungen in den Ruin und die gesamte Wirtschaft fast in der Abgrund trieben.

«Spitzenverdiener nehmen ein grösseres Stück vom Kuchen, anstatt den gesamten Kuchen zu vergrössern». Laut Stiglitz sind es nicht die Spitzenverdiener, die wohlstandssteigernde Erfindungen tätigen. In den letzten Jahrzehnten wurde von den Reichen kein Wohlstand geschaffen, sondern nur Wohlstand von den tiefen zu den hohen Einkommensschichten umgeschichtet.

Den Grund für diese Umschichtung sieht Stiglitz im «rent seeking». Damit ist das Streben nach (meist finanziellen) Vorteilen gemeint, die man auf Kosten der restlichen Bevölkerung, unter Beihilfe des Staates, erhält. Reiche haben die Mittel, die Politik so zu beeinflussen, dass Rahmenbedingungen geschafft werden, die für sie vorteilhaft und für die Allgemeinheit schädlich sind.

So spenden vermögende Menschen Millionen für den Wahlkampf von Demokraten und Republikaner. «Das ist nicht nur einfach eine Gefälligkeit», so Stiglitz, «dies ist eine Investition!». Die Reichen erhoffen sich dadurch gewinnbringende Vorteile, sollte der unterstützte Kandidat gewählt werden. 

Ein solcher Vorteil ist die Monopolmacht. Der Staat hätte die Mittel um dagegen vorzugehen. Monopole sind ein Marktversagen und schaden der Allgemeinheit – verhelfen aber einer kleinen Minderheit zu Reichtum. Aber diese kleine Minderheit hat dadurch, dass sie den Monopolgewinn abschöpfen kann, die Mittel, die Politik so zu gestalten, dass sie diesen Monopolgewinn behalten kann.

Es ist ein Teufelskreis. Die Ungleichheit führt zu einer Instabilität des Wirtschaftssystems und diese trägt wiederum dazu bei, dass die Ungleichheit zunimmt. Sie ist also Ursache und Folge des Versagens des politischen Systems. 

Die sich öffnende Einkommens- und Vermögensschere führt zu einer Abspaltung der Gesellschaft und ist gemäss Stiglitz eine Gefahr für die Demokratie. Viele Menschen in den USA fühlen sich machtlos, entmündigt und sind enttäuscht. Sie haben keine Lust mehr, sich politisch zu engagieren. Die Wahlbeteiligung sinkt. 

Stiglitz argumentiert, dass auch die Reichsten ein Interesse am Wohlstand der gesamten Gesellschaft haben müssten. Ungleichheit führt zu weniger Wachstum und verringerter Effizienz, da mangelnde Chancengleichheit zur Folge hat, dass viele Menschen ihr Potenzial gar nicht ausschöpfen können. Ein verringertes Wachstum schadet langfristig auch den Reichsten.

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Zum Thema: 

Für das iconomix-Team
Patrick Keller

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