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Ernst Fehr für Klimasteuer
Entwicklung, Wachstum, Umwelt
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Ernst Fehr für Klimasteuer
Dienstag, 02. April 2019

Der bekannte Ökonom Ernst Fehr nimmt in einem Interview Stellung zu einer CO2-Steuer und der globalen Umweltpolitik.

Der renommierte Ökonom Ernst Fehr. Bild: wikipedia - (CC)

Der Verhaltensökonom Ernst Fehr ist Professor an der Universität Zürich und gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Unvernunft menschlichen Verhaltens.

Im Interview mit der NZZ am Sonntag spricht Fehr über die Notwendigkeit einer CO2-Steuer, ihre politische Umsetzbarkeit sowie die Rolle der Schweiz. Anlass dazu ist der Vorschlag der Nichtregierungsorganisation Climate Leadership Council für eine CO2-Steuer (Carbon Dividend) in den USA. Diese fand breite Unterstützung unter US-Ökonomen, Nobelpreisträgern und früheren US-Notenbankchefs.

Das Interview mit Ernst Fehr ist hier auszugsweise wiedergegeben:

 

Die weltweit führenden Ökonomen haben ein Manifest für die Einführung einer CO2-Steuer lanciert. Auch Sie unterstützen den Vorschlag. Warum?

Wir berücksichtigen heute nicht alle Umweltkosten, die wir verursachen. Unsere CO2-Emissionen haben aber ernste Folgen für das Klima und schädigen den Planeten. Diese Kosten müssen wir in die Produkte einpreisen und Kostenwahrheit schaffen. Genau das erreicht eine CO2-Steuer.

Das reichste Zehntel der Weltbevölkerung produziert die Hälfte des globalen CO2-Ausstosses. Bliebe eine CO2-Steuer nicht wirkungslos, weil die Wohlhabenden diese problemlos verkraften könnten?

Es ist ein ehernes Gesetz der Ökonomie: Steigt der Preis eines Produktes, wird weniger davon konsumiert. Eine solche Steuer wird daher die Produktion und den Konsum CO2-haltiger Produkte reduzieren. Das Rauchen ist ein gutes Beispiel. Obwohl es eine Sucht ist, reduzieren steigende Preise den Tabakkonsum.

Schüler streiken auf der Strasse, in den USA wird ein grosses ökologisches Wirtschaftsprogramm diskutiert. Wie stehen die Chancen für eine CO2-Steuer?

In der öffentlichen Meinung hat eine klimafreundliche Politik Rückenwind. Wenn es darum geht, Massnahmen umzusetzen, und diese etwas kosten, dann überlegen sich die Leute aber, ob sie zustimmen. Die CO2-Steuer hat hier einen grossen Vorteil, weil die Einnahmen zurück an die Bevölkerung gehen.

Eines Ihrer grossen Themen ist das «Nudging» - die Forschung darüber, wie man Menschen mit klugen Anreizen dazu bringt, freiwillig ihr Verhalten zu ändern. Liesse sich der Klimawandel nicht so bekämpfen?

Individuen kann man mit solchen Massnahmen zu Veränderungen bewegen, aber nicht unbedingt Unternehmen. Firmen müssen Gewinne schreiben. Darum ist eine CO2-Steuer hier das Beste.

Sie würden sich aber in die politische Diskussion einbringen?

Ja, weil die CO2-Steuer eine völlig unideologische Idee ist. Sie ist vernünftig. Es ist toll, dass die Kinder und Jugendlichen auf die Strasse gehen und zeigen, dass sie sich Sorgen um die Zukunft des Planeten machen. Diese moralische Kraft müssen sie nun für Politikänderungen mobilisieren. Es ist wichtig, dass man nicht nur an seinem Leben etwas ändert, sondern dass man Massnahmen wie eine CO2-Steuer politisch unterstützt und Kräfte wählt, die den Klimawandel stoppen wollen.

 

Das vollständige Interview finden Sie hier: NZZ am Sonntag. Ökonom Ernst Fehr: «Es ist ein Gebot der Vernunft, eine CO2-Steuer einzuführen» (23.02.2019)

Ernst Fehr ist Professor an der Universität Zürich für Mikroökonomik und ein führender Forscher auf dem Gebiet der Verhaltens- und Neuroökonomie.

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